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Letzter Zug abgefahren

Endgültig: Keine Sanierung des Wössinger Bahnhofs in Gemeindehand
Der Wössinger Bahnhof wird verkauft. Der Walzbachtaler Gemeinderat bestätigte seinen vor Jahren gefassten Verkaufs-Beschluss. Er lehnte einen Antrag der Grünen Fraktion auf Erhalt des Bahnhofs in Gemeindehand mit großer Mehrheit ab. Weder SPD, CDU noch FDP wollten dem Antrag von Ernst Reichert, Michael Futterer und Andrea Zipf folgen.

Fraktionssprecherin Andrea Zipf begründete den am 6. März eingebrachten Antrag ausführlich. Entgegen dem Wunsch des Bürgermeisters, der ein Finanzierungskonzept gefordert hatte, konzentriere sich ihre Fraktion hauptsächlich auf das Nutzungskonzept. Die Kürze der Zeit hätte für ein Finanzierungskonzept nicht ausgereicht, meinte die Fraktionsvorsitzende.

Dafür wartete sie gleich mit zwei Nutzungsvorschlägen auf. Der erste stand unter dem Titel „Sozialer Bahnhof Wössingen“. Der Standort eigne sich hervorragend für eine ambulante Wohngemeinschaft für behinderte Menschen durch seine optimale Anbindung an den Öffentlichen Personennahverkehr. Vor dem Hintergrund des am 1.1.2017 in Kraft getretenen Bundesteilhabegesetzes könnte Walzbachtal wieder eine Vorreiterfunktion einnehmen. Ergänzt werden könnte dieses Konzept durch ein Cafe, in dem die Menschen mit Behinderung mitarbeiten. Fünfzig Prozent der Kosten seien förderfähig über die Behindertenhilfe.

„Walzbachtal könnte wieder eine Vorreiterfunktion einnehmen“



Unter den Titel „Kulturbahnhof Wössingen“ stellte sie das zweite Nutzungskonzept. Zipf erinnerte daran, dass die SPD vor Jahren einen sehr ähnlichen Antrag gestellt hatte. Diese Idee wollten die Grünen wieder aufgreifen, „da bisher die kulturtreibenden Vereine keinen gemeinsamen Anlaufpunkt besitzen“. Die Jugendmusikschule, Ausstellungen und Veranstaltungen könnten dort eine Heimat finden. Für diesen Vorschlag sei die Finanzierung allerdings erheblich unsicherer, räumte Andra Zipf ein. Diese Konzept sei mit Kosten verbunden. Es würde allerdings eine Bereicherung für die gesamte Gemeinde darstellen und das frühere „Tor zur Welt“ wieder zu einem zentralen Ort in der Gemeinde machen.

Den Begriff „Tor zur Welt“ griffen Bürgermeister und die Fraktionsvorsitzenden von CDU und SPD gern auf. Es durchaus ehrenwert, dass man sich mit der Sache noch einmal beschäftige, meinte Karl-Heinz Burgey, fügte aber umgehend ein großes „Aber“ dazu. Beim Vorschlag der SPD sei kein einziger Verein bereit gewesen, ein solches Projekt personell oder finanziell zu unterstützen. Die Sanierung durch die Gemeinde sei wirtschaftlich nicht darstellbar. Mittlerweile hätten auch eine Bietergemeinschaft und die Diakonie ihr Interesse zurückgezogen. Der „Soziale Bahnhof“ sei eine attraktive Idee, für die sich aber kein Träger gefunden habe.

Drei Bauträger hätten für eine Sanierung einen Kostenaufwand von rund einer Million Euro geschätzt, was heutigen 1,2 bis 1,5 Millionen Euro entspräche. Das sei durch die Gemeinde nicht finanzierbar. Überdies müsse eine Entscheidung zeitnah getroffen werden, da von 27 ursprünglichen vier bis fünf ernsthafte Interessenten übrig geblieben seien, die an realistischen Nutzungsmöglichkeiten arbeiten. Die Firmen und Einzelpersonen, die jetzt noch im Rennen seien, kennen sich alle mit Sanierungen aus, informierte der Bürgermeister.

 

„Wenn wir das Geld hätten, dann müsste man gar nicht darüber nachdenken“

Das „Schade“ bestimmte die Reaktionen von SPD und CDU, die beide eine sehr ähnliche Einschätzung abgaben. „Wenn wir das Geld hätten, dann müsste man gar nicht darüber nachdenken“, meinte CDU-Fraktionsvorsitzender Michael Paul. 25 Jahren Leerstand dürften nicht weitere folgen. Es sei zwar mit historischen Gebäuden in Walzbachtal nicht immer liebevoll umgegangen worden, meinte Paul und erinnerte an die Wiesenmühle und die Arche. „Aber wir haben das Geld für die Sanierung nicht,“ lautete dennoch seine Quintessenz.

Silke Meyer (SPD) bestätigte fast wortgleich: „Wenn wir im Geld schwimmen würden, würden wir auch sagen, machen wir: keine Frage“. Die Fraktionsvorsitzende ergänzte, dass bei einem solchen Konzept die Gemeinde wie auch immer personell mit im Boot sein müsste. Werner Schön (FDP) beließ es bei einem Satz: „Aus finanzieller Hinsicht können wir uns das nicht leisten.“

An dieser Einschätzung änderte auch eine letzte Wortmeldung von Michael Futterer nichts, der noch einmal vergeblich auf die Finanzierungsmöglichkeiten durch das Bundesteilhabegesetz, auf die Veränderungen im sozialen Bereich hinwies und bedauerte, dass „man ein Gebäude an diesem Standort aus der Hand gibt.“

Damit gab er die Vorlage für da Schlusswort des Bürgermeisters. „Wer finanziert die Veranstaltung?“ lautete seine unbeantwortete Frage. Ein „Wir als Gemeinde werden das schon machen“, könne es nicht geben, meinte der Bürgermeister „mit zwei dicken Tränen“.

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