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Zu viel geraucht

Bruchsaler Amtsgericht verurteilt Brettener Haschischanbauer

Eine beachtliche Cannabis-Zucht betrieb ein 23 Brettener in der Diedelsheimer Poststraße. Gleich zwei Mal und das auch noch in kurzen Abständen wurde er bei seinen gelungenen Anbauversuchen von der Kriminalpolizei erwischt. Einmal wurden 378 Gramm (Anfang 2018)

beschlagnahmt, ein zweites Mal 275 Gramm (September 2018). Allein Letzteres habe für immerhin 1827 Konsumeinheiten gereicht, rechnete ein Sachverständiger in seinem ärztlichen Untersuchungsbericht vor.

Drei Monate führte ihn das ende letzten Jahres in Untersuchungshaft und gestern vor das Amtsgericht Bruchsal. Staatsanwältin von den Driesch beschlichen während der Verhandlung erhebliche Zweifel, ob diese Menge tatsächlich nur für den Anklagten selbst bestimmt war, wie der behauptete, oder ob doch nicht das ein oder andere Gramm für Cash den Besitzer wechselte. In ihrem Schlußplädoyer verlangte sie deshalb eine Verurteilung zu einem Jahr und zehn Monaten, allerdings mit Bewährung. Diese Härte war auch auf „die Flapsigkeit“ und „Dreistigkeit“ zurückzuführen, die die Staatsanwältin selbst während der Verhandlung vor dem Schöffengericht wahrgenommen hatte.

Der Angeklagte räumte die Anklagepunkte ein. Den Verkauf des Cannabis wies er allerdings weit von sich. Er habe lediglich sogenannte Freundschaftsdienste dafür in Anspruch genommen. Überhaupt habe er das Rauschmittel einzig zur Linderung  von Schmerzen in seiner rechten Schulter angebaut. Die gesundheitlichen Probleme dort zu bekämpfen habe er nicht auf die „Chemischen Hämmer“ der Schulmedizin zurück-, sondern lieber zu Cannabis greifen wollen.

Die beiden ermittelnden Kriminalbeamten schilderten die Sache ein wenig anders. Ein Beamter der Karlsruher Kripo sei dem Diedelsheimer durch Geschäfte mit einem beobachteten Karlsruher Verbraucher auf die Spur gekommen, so berichtete er. Ein Kommissar aus dem Polizeirevier Bretten bestätigte im Wesentlichen diese Schilderungen. „Wie im Taubenschlag“ sei es in der Wohnung des Angeklagten zugegangen.

Die illegalen Verkäufe hatte er dringend nötig, denn seine berufliche Laufbahn war alles anders als vorbildlich. Eine Ausbildung als Elektroniker brach er ab, so berichtete er auf Nachfrage von Richter Mathias Zinsius. Während einer Schreinerlehre wurde ihm wegen vieler Krankmeldungen gekündigt. Bei Glas Bischoff wurde er „im Streit gefeuert“ wie er selbst sagte. Die Zukunft wollten ihm der Richter und die beiden Schöffinnen im Hinblick auf seine Jugend dennoch nicht verbauen. Auf Bewährung wurde er zu einem Jahr und sechs Monaten verurteilt, verbunden mit der Auflage zu Gesprächen mit der Drogenberatung, dem Nachweis der Drogenfreiheit mit einem Drogenscreening und 120 Arbeitsstunden.

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