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Zu viel CO2

SPD-Fraktion fordert Opterra zu verstärkten Umweltanstrengungen auf

Mit dem folgenden Beitrag kommentierte die SPD-Fraktion den Emissionsbericht des Zementwerks (Wortlaut):

Wie jedes Jahr möchten wir als SPD-Fraktion die Gelegenheit nutzen, kritische Fragen und Forderungen an das Zementwerk zu stellen. Wir werden nicht müde, vom Werk den Einsatz der bestmöglichen Technik für die Gesundheit der Bevölkerung, für die Umwelt und das Klima zu fordern. In den letzten Jahren haben wir im Gemeinderat nach der Vorstellung des Emissionsberichts des Zementwerks die Themen Ausstoß von Quecksilber, Stickstoffdioxid und CO2 angeprangert. Dieses Jahr kommt ein weiteres Thema dazu, nämlich Wasser, mehr dazu aber später.

Zum CO2-Ausstoss:

Kalkstein lässt den Zement aushärten, steckt aber voller CO2, das freigesetzt wird, sobald der Kalk gebrannt wird. Damit wird Zement zum doppelten Klimaproblem – durch die Energie, die für das Brennen nötig ist, und durch das CO2, das zusätzlich freigesetzt wird. Die Zementindustrie ist damit nach Angaben der Internationalen Energieagentur für sieben Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes zuständig. Das ist mehr als doppelt so viel wie der gesamte Luftverkehr.

Viele der großen Zementhersteller haben in den letzten Jahren in energieeffiziente Brennöfen investiert und so neben den Energiekosten auch die CO2-Emissionen gesenkt. Allerdings verschwindet diese Emissions-Einsparung im gigantischen und gleichzeitig wachsenden Bedarf: In den letzten 30 Jahren ist die weltweite Jahresproduktion von Zement von 1 Mrd. Tonnen auf über 4 Mrd. Tonnen angestiegen.

Politik und Industrie müssen den Wandel wollen. Überlässt man das Ganze allein den Marktkräften, wird der Zement vermutlich nie ergrünen.

Die Grenzwerte berücksichtigen bei der Zementindustrie den Sachverhalt, dass Kalkstein selbst voller CO2 steckt. Dabei darf es unseres Erachtens keine Rolle spielen, ob der CO2 Ausstoß zu einem großen Teil rohstoffbedingt ist. Wir fordern die Bundespolitik auf, hier keine Ausnahmen zuzulassen. Wenn das CO2 im Kalkstein gebunden und in der Erde ist, ist es für die Umwelt kein Problem, das wird es erst bei der Verbrennung.

Erst wenn die Grenzwerte erniedrigt werden, werden die Zementwerke in die Pflicht genommen, um noch bessere Filteranlagen einzubauen. Hier ist eine gesamtheitliche Lösung für die Zementherstellung anzustreben.

Helfen könnte es auch, wenn sich Beton-Elemente zurückverfolgen ließen. Dann wäre es auch möglich, ihre genaue Zusammensetzung festzustellen, und nach dem Abriss eines Gebäudes könnten einzelne Bestandteile für neue Bauten verwendet werden. Bislang landet Beton-Bauschutt auf Deponien, eine Kreislaufwirtschaft ist unter den derzeitigen Bedingungen illusorisch.

Zu den Grenzwerten im Allgemeinen:

Im Emmissionsbericht wird mal wieder bestätigt, dass das Werk die Grenzwerte zu fast 100 % eingehalten hat. Doch wir sind damit nicht zufrieden, sind die Grenzwerte doch Zahlen, die zwischen Politik und Lobbyisten vereinbart wurden. Wir freuen uns, dass die langjährigen Forderungen aus dem Gemeinderat an das Zementwerk mittlerweile erfüllt wurden und das Werk im Emissionsbericht die Mengen angibt, die beim Produktionsprozess freigesetzt werden. Jetzt müssen wir aber feststellen, dass unsere schlimmsten Befürchtungen eingetreten sind.

Das Werk emittiert mehrere hundert Tonnen an gefährlichen Schadstoffen, die auf die nähere und weitere Umgebung niederfällt.

Wir hören daher nicht auf, das Werk permanent aufzufordern, mehr zu machen als das Notwendige, um die Gesundheit der Menschen nicht zu gefährden. Dabei muss Geld in die Hand genommen werden, was den Gewinn schmälert, aber das muss es dem Werk wert sein.

Zum Wasserbedarf:

In den letzten Monaten hat sich der Gemeinderat Walzbachtal in einigen Sitzungen mit dem zukünftigen Wasserkonzept auseinandergesetzt, das notwendig wird, weil sonst in einigen Jahren die Wasserversorgung nicht mehr aufrechterhalten werden kann, wenn nicht neue Quellen erschlossen werden können. Dabei haben wir von der Verwaltung gehört, dass 1/4 -1/5 des gesamten Walzbachtaler Wassers für das Zementwerk benötigt wird. Daher ist es für die Gemeinde essenziell, wenn sie hier mit dem hohen Gut Wasser sorgsam umgehen und Anstrengungen vornehmen, um hier verstärkt einzusparen.

Ersatzbrennstoffe durch die Fa. Alba:

Letztes Jahr haben wir Sie an dieser Stelle aufgrund eines BNN-Berichts gefragt, ob es stimmt, dass Karlsruher Plastikabfall als Ersatzbrennstoff von der Verwertungsfirma Alba Nordbaden mit Sitz im Rheinhafen Karlsruhe an das Zementwerk Wössingen geliefert werde. Das Problem dabei ist nämlich, dass für Zementwerke geringere Grenzwerte als für die eigentlichen Müllverbrennungsanlagen gelten.

Sie haben damals geantwortet, dass der Bericht falsch sei und sie keine Lieferung von Alba bekommen. Der Redakteur Stefan Jehle hat mir jetzt einen E-Mail Verkehr mit Bürgermeisterin Bettina Lisbach aus Karlsruhe zukommen lassen, wonach seit 1. Juli 2019 auch das Zementwerk in Wössingen von Alba beliefert werde. Wir bitten daher um Aufklärung des vermeintlichen Widerspruchs.

Gewerbesteuerzahlungen:

In der Ausgabe Juli 2020 Ihrer Zeitschrift Dialog ist ein Interview mit Ihnen, Herr Schenk, abgedruckt. Auf die Frage, was die Gemeinde vom Zementwerk habe, haben sie geantwortet, dass rund ein Drittel ihrer Belegschaft aus Walzbachtal komme und Sie einer der größten Gewerbesteuerzahler in Walzbachtal seien und damit einen Beitrag zum Budget der Gemeinde leisten. Diese Aussage ist mit Vorsicht zu genießen. Gewerbesteuerzahlungen sind zu Recht für die Allgemeinheit und selbst für uns Gemeinderäte geheim, so dass ein Ranking der Gewerbesteuer-Zahler doch sehr gewagt ist.

Wir bitten Sie nunmehr, uns folgende Fragen zu beantworten:

  1. Welche Anstrengungen unternehmen Sie gerade, um Ihre Verantwortung für Umwelt und Gesundheit nachzukommen? Wird eine noch bessere Filtertechnik geplant? Wir nehmen an, das Werk hat strategische Ziele hinsichtlich der Verringerung der Schadstoffe. Dürfen wir diese erfahren?
  • Dokumentieren Sie Ihre Beton-Lieferungen und deren Zusammensetzung, so dass sie zurückverfolgt werden können, damit nach dem Abriss eines Gebäudes einzelne Bestandteile für neue Bauten verwendet werden können.
  • Unternehmen Sie Anstrengungen, um Wasser einzusparen?
  • Wir bitten um Aufklärung des vermeintlichen Widerspruchs bezüglich der Lieferung von Ersatzbrennstoffen durch die Firma Alba.
  • Die Stadt Karlsruhe hat in ihrem 30-seitigen Klimaschutzkonzept festgeschrieben, dass bei Bauvorhaben grundsätzlich Recyclingbeton verwendet werden soll. Gerade öffentliche Auftraggeber werden diesen Beton wohl zukünftig vermehrt anfordern. Kann das Wössinger Zementwerk diese Nachfrage erfüllen?
  • Und zum Schluss noch eine Frage zur Verfüllung des alten Steinbruchs. Wie ist der Stand der Verfüllung? Wie viele m³ bzw. LKW-Ladungen werden hier in welchem Zeitraum noch eingebracht werden?

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