Zu angeregten Diskussionen führten die Stelltafeln, mit der die Walzbachtaler Gemeindeverwaltung das Thema Radwegekonzept vorbereitet hatte.

Wohin weht der Wind?

Gemeinsame Beratung der Weingartener und Walzbachtaler Gemeinderäte zur Windkraftanlage auf dem Heuberg

Heute Abend findet bemerkenswerte Arbeit des Walzbachtaler Gemeinderats statt. Das gleich in mehrfacher Hinsicht. Er trifft sich zunächst einmal in Weingarten. Schon mal außergewöhnlich. Auf der Tagesordnung steht ein Allerweltsthema: „Ertüchtigung der Kläranlage des Abwasserzweckverbands „Am Walzbach“; hier: Entscheidung über den Umbau der Kläranlage und die Investitionskosten“. Zur Behandlung von Klärwerksthemen hat sich bisher höchstens die Abwasserverbandsversammlung in kleinem Kreis in Weingarten getroffen, nie der Gemeinderat.

Muss der Walzbachtaler Gemeinderat also ins Exil? Ein weiteres Indiz gibt darüber Aufschluss, dass es wohl einen weitaus wichtigeren Grund als ein scheinbares „Exil“ gibt. Die Sitzung beginnt um 17 Uhr. Wann hat eine Gemeinderatssitzung schon einmal um 17 Uhr begonnen? Noch nie. Noch eine seltsame Beobachtung: Die Sitzung findet in der riesigen Weingartener Walzbachhalle statt. Für den Walzbachtaler Gemeinderat und das Thema Kläranlage braucht man bestimmt keine Walzbachhalle.

Dort ist aber Platz für eine weitaus größere Versammlung. Sie wird im Anschluss an die Walzbachtaler Gemeinderatssitzung stattfinden. Zu den Walzbachtaler stoßen anschließend die Weingartener Gemeinderäte hinzu. Diskutiert wird wahrscheinlich nicht nur aber besonders der von der EnBW geplante Windpark auf dem Heuberg. Die Öffentlichkeit ist ausgeschlossen, betonte der Weingartener Bürgermeister auf Nachfrage. Der Walzbachtaler Bürgermeister Timur Özcan hingegen will das Thema zwar nicht heute Abend aber doch öffentlich diskutieren. Gleich zwei Veranstaltungen seien dafür vorgesehen, bestätigt er auf Nachfrage. Wann sie stattfinden sollen, hat er allerdings nicht bekannt gegeben.

Die Windkraftgegner, die sich in der Bürgerinitiative „Gegenwind“ organisiert haben, verweisen derweil auf die Ergebnisse eines Naturschutzgutachtens, die seit Ende 2022 vorliegen. Für den Bau und den Betrieb von Windenergieanlagen bestünden „unüberwindbare, naturschutzrechtliche Planungshindernisse“, heißt es in dem Gutachten. Das sei ein sehr erfreuliches Ergebnis, meint „Gegenwind“-Sprecherin Stefanie Jung. Die Kosten des Artenschutzgutachtens belaufen sich auf 35.000 Euro hiervon seien 95 Prozent über Spenden abgedeckt. Eine gewisse Reserve bestehe gegenüber dem Forum Energiedialog, das der Landesregierung helfen wolle, die Energiewende selbst an Standorten voranzutreiben, bei denen die Windhöffigkeit fragwürdig sei.

Scharf gegensätzlich fällt die Beurteilung durch die EnBW aus. Es stehe fest, „dass die Windmessung die Standorteignung und das gute Windpotenzial bestätigt haben“, sagt Miriam Teige, Pressesprecherin Windenergie bei der EnBW. Die fachliche Auswertung der Windmessung werde aktuell abgeschlossen und die Ergebnisse in Kürze vorgestellt.

In der Auseinandersetzung um die Windräder hat sich Ende letzten Jahres ein Gegenspieler zum „Gegenwind“ formiert. „Pro-Windenergie Weingarten“ setzt sich vor dem Hintergrund des letzten Berichts des Weltklimarats für die Nutzung der Windenergie auf dem Heuberg ein. Er zeige, dass das 1,5 Grad-Ziel der Erderwärmung nur noch erreicht werden kann, wenn alle Möglichkeiten genutzt werden, um den CO2-Ausstoß so schnell wie möglich zu reduzieren. “Pro-Windenergie Weingarten“ stehe für einen zügige Errichtung der Windkraftanlagen, sagt Pro-Wind-Sprecher Ulrich Schlemmer.

Der Krieg in der Ukraine habe überdies deutlich gemacht, wie stark die Energieversorgung von ausländischen Gas- und Öllieferungen abhängig ist. Die Umstellung auf regenerative Energie vor Ort würde helfen, die Energieversorgung zu sichern. Die Initiative strebe deshalb eine möglichst schnelle Entscheidung für die Errichtung der Windkraftanlagen an. Pro-Windenergie Weingarten begrüße den Dialog der Gemeinden Weingarten und Walzbachtal und unterstütze dessen Moderation durch das „Forum Energiedialog Baden-Württemberg“.

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Kommentare (6)

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    Henrik Hof

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    … Windenergie auf dem Heuberg.
    Schade – weder die ENBW noch die Pro-Bewegung haben es scheinbar verstanden … Die singuläre Herausstellung von Windhöffigkeit und der Notwendigkeit des weiteren Ausbaus der Windkraft bringt im Gesamtzusammenhang nur dann etwas, wenn auch der dann noch mehr zur Verfügung stehende Strom auch gespeichert und verbraucht werden kann, anstelle ihn zu Null (siehe Strombörse) oder mit Verlust abzugeben und zusätzlich noch hoch zu subventionieren. Wer soll das bezahlen und die Kohlekraftwerke bleiben bestehen … weil die Grundsicherung immer noch nicht funktioniert – nichts gelernt und falsch investiert? So wie Unternehmen und Lobbyisten argumentieren, so wird das auch in den Bundesländern mit dem Ausbau der Stromnetze betrieben. Das eine nennt man Förderalismus, das andere Eigeninteresse. Ich will jetzt auch meinen Skilift am Heuberg – es gibt zwar nur selten Schnee, aber wenn – dann macht das richtig Spaß – Wer ist bereit mir das zu subventionieren? Im übrigen bin ich der Meinung, dass Windkraft bei den derzeitigen Bauhöhen nicht unbedingt auf solchen exponierten Lagen in dieser Massivität gebaut werden muss, sondern ohne Weiteres auch in umliegenden Bereichen z.b. zwischen Weingarten und Grötzingen oder Weingarten und Untergrombach – stört weniger und bringt genau so viel oder wenig … und wie sagte doch eine grüne Abgeordnete sinngemäß – die Wälder gehen so oder so kaputt ? Also dann steht dem ja nichts entgegen … Wie wäre es damit? Aber das steht ja nicht zur Debatte … Mein Skilift leider auch nicht… Schade !

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      Nachbar

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      @Henrik Hof:
      Sie haben wohl nicht verstanden, wie die Strombörse funktioniert. Jeder Teilnehmer an der Börse offeriert sein Preisvorstellung: Wind z.B. auch zum Verschenken. Dann wird solange „Energie“ eingekauft, bis der Markt gesättigt ist. zum Schluss natürlich zum höchsten Preis mit Gaskraftwerken. DANN bekommen alle Teilnehmer den höchsten Preis (z.B. den der Gaskraftwerke) bezahlt. Klingt komisch, funktioniert aber genau so. Also wird die Windenergie gar nicht verschenkt, sondern ist nur noch wesentlich profitabler als Gasverstromung. Deshalb explodieren auch die Energiekosten, obwohl ja nur ein kleiner Teil des Energiemixes so viel teurer wird.

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        Michael

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        Als Antwort auf: Wohin weht der Wind? Als Antwort auf: Nachbar
        erläutert wird das auch in der Sendung „Plusminus“ vom 23.03.2022 in der ARD Mediathek. Ab 19:15 min geht es um „Teurer Strom – warum hohe Gaspreise eine Goldgrube für Stromerzeuger sind“. Wirklich sehr sehenswert…

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        Antwort an Nachbar

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        Als Antwort auf: Wohin weht der Wind? Als Antwort auf: Nachbar
        Dass durch den von ihnen beschriebenen Merit Order Effekt an der Strombörse die Energiekosten explodieren ist falsch, das hat andere Gründe. Zumal der Effekt nur bei an der Strombörse gehandeltem Strom Auftritt was aber nur ein kleiner Teil der gesamten Stromdeals ist. Die meisten Deals laufen als sogenannte OTC Geschäfte. Nachzulesen bei https://de.m.wikipedia.org/wiki/Merit-Order

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    Michel

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    Als Antwort auf: Wohin weht der Wind?
    Mit dem „Naturgutachten“ wird ja immer argumentiert – gesehen hab ich das Gutachten bislang nicht; auch auf Nachfrage bei Stefanie Jung wurde das Gutachten nicht öffentlich gemacht und auch die Frage bezüglich des Gutachters wurde nicht beantwortet. Ich habe da so ein Gefühl wer der Gutachter sein könnte. Ist aber nur ein Vermutung. Hier ein Interessanter Artikel der sich mit dem Thema beschäftigt:
    https://www.asu-arbeitsmedizin.com/praxis/die-wunderliche-infraschallwelt-von-c-vahl-und-w-roos

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      Zuhörer

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      Als Antwort auf: Wohin weht der Wind? Als Antwort auf: Michel
      Bestimmt hat die BI was zu verheimlichen, klaro! Und wahrscheinlich ist das Gutachten ja sowieso getürkt. Genau, Michel. So wird es sein. Und genau deshalb hat die EnbW auch Ihre, im übrigen selbst erstellten Windmessungen, bis heute nicht veröffentlicht. Ein Schelm, der böses dabei denkt . Die Messung sind bereits seit Monaten abgeschlossen. Rufen Sie bei den Zuständigen EnBWlern Mal an. Ich bin mir sicher, dass Michel ganz exklusiv und persönlich die Ergebnisse schon vorab zugesendet werden. Michel, manchmal kommt es vielleicht auch auf den richtigen Moment an, Ergebnisse öffentlich zu machen.

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