Wiesen-Paradies

Der Jöhlinger Obst- und Gartenbauverein kümmert sich um die Streuobstwiesen

Die Streuobstwiesen wurden 2021 in die deutsche Liste des internationalen Kulturguts der UNESCO aufgenommen. Darüber freuen sich die Obst- und Gartenbauvereine. Der Jöhlinger Zweig wird sich an den Bemühungen beteiligen,

der Streuobstwiese den ihr gebührenden Stellenwert zuzuweisen, so kündigt der Vorsitzende Dieter Rommel an. In diesem Jahr werde man am europaweiten Tag der Streuobstwiese am 30. April teilnehmen. „Da werden wir uns etwas einfallen lassen“, sagte Rommel im Gespräch mit dieser Zeitung ohne aber in Details gehen zu wollen.

Die Bemühungen sind durchaus notwendig, denn die jahrhundertelang gepflegte Landschaftsform ist gefährdet. Einen Rückgang von 17 Prozent stellte die baden-württembergische Landesanstalt für Umwelt zwischen 2010 und 2020 fest. Sie zählte nur noch 7,1 von ehemals 9,2 Millionen Bäumen. Dabei habe die Streuobstwiese eine enorme ökologische Bedeutung, sagt Dieter Rommel. Sie beheimate mehr als 3000 Tier- und Pflanzenarten und bilde damit ein artenreiches Biotop. Mit den größten zusammenhängenden Streuobstbeständen in Europa stellen sie in Deutschland einen großen ökologischen Faktor dar. „Wir sind gesegnet mit Streuobst-Beständen“, sagt Rommel und weist gleichzeitig auf ihre Gefährdung hin.

„Siedlungsdruck und Verkehrsfläche bedrohen die Streuobstwiese an vielen Stellen.“

Eine Streuobstwiese muss für ihren Erhalt aber auch ständig besucht sein. Das aber tun immer weniger Eigentümer. Das Ergebnis: „Die Wiesen verbuschen und irgendwann steht ein Wald da“, beschreibt Rommel die unausweichliche Entwicklung. Die Obst und Gartenbauvereine versuchten diesen Trend aufzuhalten. Man sei bestrebt, die Besitzer zur Pflege zu motivieren und das dafür notwendige Wissen weiter zu geben. Die Mitglieder seines Vereins gehen mit gutem Beispiel voran. Sie schneiden ehrenamtlich die Bäume auf gemeindeeigenen Grundstücken an der Weingartenerstraße beim Naturfreundehaus und hinter der B293-Lärmschutzwand am Gageneck.

„Da oben muss ein Zweiglein noch weg.“

Einen solche Wiese macht aber nicht nur Arbeit. Die Früchte der Arbeit gehen im Herbst als Saft ins Fass. Und der biete einen unvergleichlichen Geschmack durch die alten Apfel- und Birnensorten. Ab Ende August steht die Ernte von Goldparmän, Winterrambur, Brettacher oder dem Rheinischen Bohnapfel an, die auch zu Apfelmus verarbeitet werden können. Man könne Qualität in ihrer ureigensten Form genießen. „Da kommt kein industriell hergestellter Saft mit“, schwärmt Rommel vom Genuss. Überdies fallen lange Transportwege weg: „Was besseres gibt es gar nicht“. Wer eine Scheune mit Lehmboden habe, könne seine Äpfel durchaus bis in den Februar oder März hinein dort aufbewahren und genießen: „Die Äpfel stecken sogar zwei bis drei Grad Frost locker weg.“

Wer sich nicht selbst ans Versaften seines Obstes machen will, der kann Äpfel und Birnen an zwei Annahmestellen in Berghausen und Unteröwisheim abliefern beim Safthersteller Zumbach. Der einen zahle einen vergleichsweise hohen Preis, weiß Rommel und man erhalte dort erheblich mehr als Ausgleich für die Wiesen-Mühe als wenn man sie als Selbstvermarkter bei irgendeiner Presse abgibt. „Für den Preis machen nur noch wenige in den Rücken krumm“! Mit Richard Schroth gebe es in Jöhlingen gar noch ein Mitglied, der die Säfte selbst zu Hochprozentigem verarbeitet.

Vor dem Genuss von Apfelmus und Apfelsaft steht allerdings ganzjährige Arbeit. Nach der Winterruhe geht es Ende Januar ans Schneiden. Im Juni folgt die erste Mahd der Wiese, die entsorgt werden sollte, um dem Boden nicht allzu viel Nährstoffe zuzuführen. Denn eine Streuobstwiese ist idealerweise von einem Magerrasen bedeckt. Der Lohn ist eine von Blumen übersäte Wiese. Im Herbst folgt die zweite Mahd, nach der man die ab August fallenden Äpfel besser lesen kann. Die Pflege einer solchen Streuobstwiese könne ein Fitnessstudio ersetzen, weiß Rommel um einen weiteren Vorteil. Denn das Schneiden, Sägen, Mähen sei harte Arbeit, die körperliche Fitness bringe.

Er selbst verfüge über drei Grundstücke, auf denen insgesamt 50 Bäume stehen, die teilweise schon über 100 Jahre alt sind und vom Vater seiner Schwiegereltern gepflanzt wurden. „Die Wiese im Attental ist mein Paradies“, schwärmt Rommel. In der Nähe des Lehrwaldes gelegen könne er dort total abschalten.

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