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Widerstand erfolglos

Landrat vergeblich gegen höhere S4-Tarife / ÖPNV bleibt auch im neuen Kreistag zentrales Thema

(PM)  Auch im „neuen“ Kreistag spielt der öffentliche Personennahverkehr eine zentrale Rolle. Dem Verwaltungsausschuss wurde in seiner ersten Sitzung am 17. Oktober ein ausführlicher Bericht über die aktuelle Situation gegeben und es wurden bereits Beschlüsse gefasst.  

Im Fokus der Öffentlichkeit standen in den letzten Monaten die Startschwierigkeiten des neuen Anbieters Abellio, der im Auftrag des Landes Baden-Württemberg Schienenverkehre unter anderem auf der Strecke Bruchsal-Bretten-Stuttgart anbietet. Landrat Dr. Christoph Schnaudigel berichtete von einem gemeinsamen Gespräch mit betroffenen Bürgermeistern sowie Abgeordneten und Unternehmensvertretern im Verkehrsministerium, wo eine zeitnahe Lösung der Fahrzeugprobleme in Aussicht gestellt wurde. Das Gremium unterstützt die Bestrebungen der Anliegerkommunen und der Landkreisverwaltung, das Angebot zu stabilisieren und forderte das Land auf, die notwendigen Verbesserungen einzuleiten.

Um das Angebot im öffentlichen Nahverkehr deutlich steigern, möchte das Land stillgelegte Bahnstrecken reaktivieren. Im Bezug zum Landkreis Karlsruhe werden hierzu die Strecken Ettlingen West – Ettlingen Erbprinz,            Graben-Neudorf – Hochstetten, Karlsruhe-Neureut – Karlsruhe-Mühlburg und die Zabergäubahn Lauffen (Neckar) – Zaberfeld-Leonbronn untersucht. Darüber hinaus hat der Landkreis weitere Überlegungen für Trassenerweiterungen formuliert, so die Einschleifung der S31/32 in die Karlsruher Innenstadt und eine Kapazitätserweiterung der Linie S4 Karlsruhe – Bretten – Heilbronn. Die Weiterführung der Linie S2 Rheinstetten – Karlsruhe – Spöck über Karlsdorf-Neuthard nach Bruchsal, die                 Verlängerung der S11 von Ittersbach nach Straubenhardt sowie eine   Verbindung vom Karlsruher Hauptbahnhof zur Neuen Messe in Rheinstetten sind weitere Möglichkeiten das schienengebundene ÖPNV-Angebot zu verbessern. Umsetzbar sind diese Maßnahmen aber nur, wenn bei den derzeitigen Bewertungsmethoden – der sogenannten standardisierte Bewertung – die ökologischen Vorteile deutlich stärker gewichtet werden. Das Gremium bekräftigte die bisherigen Beschlussfassungen und unterstützt die künftigen Überlegungen.

Überprüft wird derzeit auch das Tarifsystem des Karlsruher Verkehrsverbundes. Der Wabenplan soll vereinfacht sowie im Hinblick auf die Verbundgrenzen überschreitenden Verkehre fortentwickelt werden. Der Landrat berichtete vom Projekt „Home Zone“, das die Landkreisverwaltung mit dem KVV angestoßen hat und unabhängig von Waben einen individuellen Bewegungsradius ermöglichen will, in welchem der Fahrgast beliebig oft mit Bus und Bahn unterwegs sein und das Angebot zu einem attraktiven Preis nutzen kann. Er berichtete ferner von den immer wieder aufgestellten Forderungen nach kostenlosem ÖPNV bzw. einer günstigen 365-Euro-Karte und zeigte die Auswirkungen von Tarifabsenkungen auf den Kreishaushalt auf. Landrat Dr. Christoph Schnaudigel stellte auch klar, dass sich der Landkreis gegen die geplante Tariferhöhung im Dezember 2019 im KVV-Gebiet ausgesprochen hatte, sich im Aufsichtsrat jedoch aufgrund seiner Stimmanteile nicht durchsetzen konnte. Gerade in der schwierigen Betriebssituation mit Ausfällen und Verspätungen sei dies kaum zu vermitteln, ein stabiler Preis wäre zudem ein positives Zeichen an die treuen Kunden des ÖPNV gewesen.

Um den öffentlichen Personen- und Individualverkehr besser miteinander zu vernetzen verfolgt der Regionalverband Mittlerer Oberrhein ein intermodales Mobilitäts- und Infrastrukturkonzept für die Region. Es soll aufzeigen, welche Angebotsbereiche bereits gut aufgestellt sind und wo Verbesserungs- bzw. Konfliktpotenzial besteht. Für den Landkreis Rastatt und den Stadtkreis Baden-Baden liegt dieses Konzept bereits vor. Der Verwaltungsausschuss gab nun auch für das Gebiet des Landkreises ein entsprechendes Konzept in Auftrag. Es soll auf teilweise bereits vorhandenen Planungen basieren und Bedürfnisse bzw. Angebote auf allen Mobilitätsebenen einbeziehen, vom Fußgänger und Radfahrer über Motorrad- und Pkw-Fahrer bis hin zu ÖPNV-Nutzern und Flugästen sowie Nutzer weitere Angebotsformen wie z.B. Carsharing. Berücksichtigt werden soll dabei auch der Leicht- und Schwerverkehr, Luftverkehr und die Binnenschifffahrt. Mit der Erarbeitung wurde die Firma Modus Consult Karlsruhe betraut. Die Projektlaufzeit ist auf rund 9 Monaten angesetzt, sodass Mitte 2020 Ergebnisse vorliegen sollen.

Zuammenfassend kam der Verwaltungsausschuss zum Schluss, dass vom Landkreis sämtliche den ÖPNV betreffenden Themenfelder bearbeitet werden. Der Landrat wurde beauftragt das Land zu bitten, mit der Bürgerschaft und den Fahrgästen insbesondere zu den Themen „Abellio“ und „Entschädigungen“ ins Gespräch zu kommen und in Form eines runden Tisches offene Fragen zu klären.

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Kommentare (2)

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    Yvonne

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    Das stimmt, eine Preiserhöhung ist in der momentanen Situation überhaupt nicht zu vermitteln. Wenn ich zusammen rechne wieviel Benzin ich verbraucht habe, um Mann und Kind zur oder von der Arbeit oder Schule abzuholen, weil keine S4 kam, ist das einfach eine Unverschämtheit. So auch wieder heute morgen. Auch die Fahrkartenkontrollen morgens bei den Schülern finde ich total daneben. Ich gehe mal davon aus, dass die meisten Schüler eine Scoolcard haben. Und dann noch Geld abzuknöpfen, wenn sie mal zu Hause vergessen wurde obwohl man den ganzen Monat bezahlt, auch für die Tage an denen die Bahn ausfällt. So kriegt man den Individualverkehr nicht von der Straße.

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    Lars

    |

    So, jetzt wird dann also die Fahrt nach KA und zurück aus Jöhlingen für 2 Erwachsene die 20€ Marke überschreiten….Wie lässt sich das denn erklären dass man da auf den ÖPNV umsteigen soll? „Vollbepackt“ mit Einkäufen den ganzen Tag durch die Karlsruher Innenstadt, sich dann in eine überfüllte Bahn quetschen, nachdem man eine Stunde hat warten müssen, weil es mal wieder zu Verspätungen kam. Oder Abends dann in Grötzingen stranden…
    Da fahr ich doch lieber mit dem Auto…

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