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Warte-Toleranz

Nur wenige haben bei der Anlieferung im Wössinger Wertstoffhof keine Geduld

Corona hat das Leben an vielen Stellen verändert und schwieriger gemacht. Dazu zählen auch die Wertstoffhöfe der Gemeinden. In Walzbachtal war das nicht anders. Für Sebastian Engel, Amtsleiter des Baubetriebshofs und schon im Normalbetrieb nicht über Arbeitsmangel klagend, brachten die Verordnungen der Landesregierung zusätzliche, ganz ungewohnte Aufgaben.

Um die Abstands- und Hygieneregeln einhalten zu können, durften nur mehr fünf Anlieferer gleichzeitig in den zwischen Jöhlingen und Wössingen liegenden Wertstoffhof einfahren. Um ein Verkehrschaos durch die Wartenden auf der davor liegenden Landessstraße zu vermeiden, musste eine Wartezone eingerichtet werden. Die Gemeinde konnte dafür den Parkplatz des TV Wössingen in Anspruch nehmen.

Die drei von der Wertstoff-Stelle: Jürgen Kämmer, Sebastian Engel und Antonio Palladino.

Dort, am Ausgang des Parkplatzes muss immer eine Person positioniert sein, die den ersten wartenden Fahrzeugen grünes Licht gibt für die Fahrt zum Wertstoffhof. An dessen Eingang wiederum sitzt ein weiterer Mitarbeiter. Erst wenn er per Walky Talkie das endgültige Okay gibt, kann man Richtung Wertstoffhof starten. Das habe sich nur mit einem verdoppelten Personaleinsatz organisieren lassen, sagt Engel. Auch deshalb, weil die Öffnungszeiten ausgeweitet wurden freitags von 4 auf 6 Stunden und samstags von 5 auf 7, um den Anlieferern mehr Zeit zu geben.

Zusätzlich zu der Stammbelegschaft Antonio Paladino. Günter Mößner, Jürgen Kämmer und Viktor Aman (allesamt Pensionäre mit geringfügiger Beschäftigung) habe er Aushilfskräfte aus den Kindergärten und Horten rekrutieren müssen. Erzieherinnen der kommunalen Kindertagesstäten hätten sich gern bereit erklärt, diese Aufgabe in Abstimmung mit dem Personalamt des Rathauses zu übernehmen.

E-Bike-Akku? Nichts für uns informieren Jürgen Kämmer und Antonio Palladino

Eine durchaus nicht ganz leichte Aufgabe, denn nicht jeder ist bereit, die strikten Einfahrtsregeln zu befolgen. Gerade ist der Amtsleiter dabei, diese Regeln zu erklären, da prescht ein fetter BMW unaufgefordert durchs Tor, ohne sich am Parkplatz in die Schlange der Wartenden eingereiht zu haben. Da gerät er aber bei Andre Müller an den Falschen. Er pfeift ihn zurück, lässt den missmutigen Drängler einen U-Turn im Wertstoffhof machen und schickt ihn in die Reihe der Wartenden auf dem TV Parkplatz 

Das sei aber eher ein Einzelfall. Seiner persönlichen Einschätzung nach akzeptiere die weit überwiegende Mehrheit der Besucher die neuen Regeln. Nur wenige würden versuchen in dem Wertstoffhof einzufahren ohne sich in die Warteschlange anzuschließen. „Hin und wieder kommt es aber schon mal zu kleinen Auseinandersetzungen“, räumt Stefan Engel ein.

Gewaltig zu schaffen hat Thomas Hennig bei der Abgabe von Grüngut im Wertstoffhof.

Für Thomas Hennig ein „No go“: „Das Warten hat ja seinen Grund“, meint er, während er mit einer riesigen Hänger-Ladung Grünschnitt kämpft. Das Warten sei durchaus akzeptabel. So sehen es durchweg alle Anlieferer. „Ordnung muss eben sein“, sagt Johann Töpfner, der direkt daneben derweil den Rückschnitt eines Kirschbaums („dann kann ich die Kirschen am Boden pflücken“) entsorgt.

Barbara Losereit hatte den Wagen mit Kartonagen voll

„Wer da nicht warten kann, für den habe ich kein Verständnis“, unterstützt diese Position auch Barbara Losereit, die – sie ist gerade umgezogen – eine Menge an Kartonagen in die Presse einwirft. Sie selbst fühlt sich nicht im geringsten beeinträchtigt durch die Wartezeit und sieht die neue Form des anstehend fast noch praktischer als zuvor: „Die Idee gefällt mir sehr gut.“  

Matthias Junker und Marlene Köller bei der Abgabe von Grüngut im Wertstoffhof: „registrieren?“

Matthias Junker ist sogar noch ganz andere Kontrollmechanismen gewöhnt. Der junge Oberderdinger, der seiner Jöhlinger Freundin Marlene Köller hilft, fragt zunächst höflich nach, „wo ich mich registrieren muss“, um später Infektionsketten verfolgen zu können. So genau nehmen es die Wössinger dann doch nicht und der Bauhofmitarbeiter reagiert mit einem verschmitzten Lächeln. In der gegenwärtigen Situation müsste man damit rechnen, dass es zu Verzögerungen kommt, zeigt der junge Oberderdinger großes Verständnis.

Johann Töpfner brachte ein Kirschbaum-Opfer

Dass nur fünf Fahrzeuge zum Abladen zugelassen werden sei akzeptabel, meint auch Peter Oberle fügt aber hinzu, dass man die strengen Regeln mittlerweile aber wieder en bisschen lockern könne. Die Wartezone beim TV Wössingen findet er super und könnte sich vorstellen, dass man das nach weiteren weiteren Lockerungen beibehalten könnte.

Diesen Vorschlag, der von vielen Besucher befürwortet wird, bewertet Sebastian Engel eher skeptisch. Er hat Zweifel daran, den doppelten Personaleinsatz später aufrechterhalten zu können. Zum jetzigen Zeitpunkt könne er sowieso noch nichts Endgültiges sagen, zumal er schon nächste Woche mit einer neuen Verordnung der Landesregierung rechnet.

Eine andere Bilanz könne er indessen schon ziehen. Die Ablieferung von Kartonagen und Papier habe drastisch zugenommen. Die Menschen hätten in der Corona Zeit sehr viel mehr über das Internet selbst alltägliche Dinge bestellt. Die Verpackungen werden jetzt über den Wertstoffhof entsorgt. Da auch keine Altpapiersammlungen der Vereine mehr stattfinden, sei auch das um 100 Prozent angestiegen. Bei den Kartonagen sei es noch sehr viel mehr gewesen. Damit nicht genug sei auch der Anteil an Altholz, der in einem Container entsorgt werden kann, ebenso stark angestiegen. Die Leute hätten sehr viel mehr Zeit gehabt, sich im Keller und Speicher um das Entrümpeln und Aufräumen zu kümmern, resümiert Engel.

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