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Volksbegehren

Das Kreuz ist schon vorbereitet.  Nur grün angestrichen muss es noch werden. Der Brettener Landwirt Friedrich Holstein wird damit am Rande einer seiner 52 Hektar zählenden Äcker gegen das Volksbegehren Artenschutz protestieren. Ein Unding sei das Volksbegehren, sagt Holstein.

Würde es die notwendige Anzahl von Stimmen erhalten und gar vom Landtag so verabschiedet, führte es viele Landwirte an den Rand ihrer Existenz, einige sogar darüber hinaus. Gegen den Artenschutz sei er keineswegs, aber sehr dagegen, dass für ein Umweltproblem wieder einmal nur eine Berufsgruppe verantwortlich gemacht würde.

Einen ganz dicken Hals hat er und in diesem Gemütszustand kamen ihm die Aktivisten der Ökologisch Demokratischen Partei (ÖDP) mit einem Werbestand für das Volksbegehren gerade recht. Mit seinem Oberderdinger Kollegen Erich Glöckler sprach er sich ab und machte sich am Samstagmorgen auf den Weg, um seinerseits mal endlich Flagge zu zeigen, dass Artenschutz so nicht gehen kann. Über eine Stunde lang belagerten die beiden den Stand, den die ÖDP an einer Ecke des Marktplatzes vor dem Hotel Krone aufgebaut und mit Mitgliedern des Landesvorstandes besetzt hatte.

Die Landwirte Erich Glöckler und Ulrich Holstein diskutierten mit dem ÖDP-Landesvorsitzenden Guido Klant und dem Landesgeschäftsführer Uli Stein (rechts)

Es war eine heftige Diskussion die da entbrannte zwischen den beiden Bauern auf der einen und dem ÖDP-Landesvorsitzenden Guido Klamt und dessen Landesgeschäftsführer Uli Stein auf der anderen Seite. Bei der Schärfe aller Argumentation dennoch immer geprägt von Respekt und davon „dass wir uns nicht gegenseitig an die Gurgel gehen“, wie Klamt am Ende zufrieden feststellte. Dass jedoch eine der beiden Seiten mit ihren Argumenten ein Umdenken bei der jeweils anderen habe bewirken können, davon war am Ende nichts zu spüren.

Die Meinungen gingen schon bei der Wortwahl auseinander. „Pestizide“, das hört Erich Glöckler gar nicht gern, „weil sich das so anhört als ob wir die Welt vergiften wollten“, weist er den von Klamt benutzten Begriff zurück. Pflanzenschutzmittel seien das, „eingesetzt damit es unseren Pflanzen gut geht.“ Im Übrigen würde er in seinen Weinbergen sehr viel mit Blühmischungen arbeiten habe 2,5 Hektar davon ausgesät, denn er sei durchaus für den Bienenschutz, meint Glöckler und findet damit heftige Unterstützung bei Holstein. Mit 15 Hektar Streuobstwiesen mit über 700 Bäumen würde er den Bienen reichlich Nahrung bieten.

Klamt und seine Kollegen verweisen vergeblich darauf, dass die Bauern Ausgleichszahlungen für Verluste und auf entsprechenden Antrag sogar die Erlaubnis zum Spritzen von Pflanzenschutzmitteln in Landschaftsschutzgebieten erhalten würden. Das macht keinen Eindruck bei Friedrich Holstein, „weil der bürokratische Apparat uns sicherlich die Erlaubnis nicht so schnell geben wird wie wir sie brauchen“.

Unterschriften hatte sich die ÖDP mehr erhofft.

Während das Quartett tapfer um die Meinungen rang, waren außen rum die anderen Landesvorstandsmitglieder kräftig am Werbetrommel rühren für die Unterschriftensammlung. So ganz erfolgreich sind sie dabei nicht, wie Uli Stein einräumte, während er mit einem zweiten Gegner rang. Tief Mortimer schickte seine ersten Ausläufer über den Marktplatz. Bei so mancher Boe erhielten die Flugblätter ihre wortwörtlich Bedeutung zurück, die aufgestellten Schirme geradezu Flügel und die symbolische Bienenwabe machte sich ebenfalls auf den luftigen Weg. Immerhin: Rund 40 Unterschriften konnte Stein in die Landesvorstandssitzung mitbringen, die für den Nachmittag in Bretten terminiert war.

Tief Mortimer sorgte für viel Bewegung am Stand der ÖDP

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