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Versprechen teilweise eingelöst

KVV und AVG stellten sich bei der Walzbachtaler SPD der Fahrgastkritik

Stellwerksausfall auf der S4 in Jöhlingen, der ganz normale Wahnsinn. Als hätte die ohnehin bekannte, vertrackte Verkehrssituation in der Region nicht gereicht, brach der Stadtbahnverkehr zusammen ausgerechnet am Tag vor einer Podiumsdiskussion der Walzbachtaler SPD,

in der die Sozialdemokraten mit betroffenen Fahrgästen über die Probleme der S4 sprechen wollten. Eine bessere Steilvorlage hätte es nicht geben können für die Veranstaltung, in der Vertreter der AVG und des KVV berichten sollten und wollten, ob es seit einer Vorgängerveranstaltung im Januar dieses Jahres Fortschritte gegeben habe. Trotzdem war der Zustrom um etliches geringer als im Frühjahr. Es war aber immer noch eine mehr als gut besuchte, erneut von Werner Parsch moderierte Veranstaltung, zu der Bürgermeister Timur Özcan und mit drei CDU-Gemeinderäten auch die politische Konkurrenz gefunden hatte, aber interessanterweise kein Grüner.

Volle Bude im Saal des Naturfreundehauses

Geradezu „mit Galgenhumor“, so gestand Kai Kampermann, habe er den zum Termin passenden Stellwerksausfall ertragen. Der Leiter der Abteilung betriebliches Qualitätsmanagement der AVG musste denn auch in seinem Eingangsstatement einräumen, dass nicht alle der im Frühjahr gegebenen Versprechen in die Tat umgesetzt wurden. Aber ein wesentliches Element für die immer wieder auftretenden Verspätungen der Stadtbahnen im vergangen Jahr („kein Ruhmesblatt“ – so Kampermann) sei massiv angegangen worden mit der Ausbildung von Triebfahrzeugführern.

Für die Stadtbahnwagen in ihrer Zweisystemausführung sei das allerdings besonders anspruchsvoll. Außerdem seien zwanzig neue Triebwagen bestellt worden ohne alte auszurangieren. „Wir nehmen in beiden Bereichen richtig Geld in die Hand“, versicherte er. Ein Stadtbahnwagen koste immerhin fünf Millionen Euro. Hersteller Bombardier habe die allerdings mit fehlerhafter Software ausgeliefert, so dass auch dort nachjustiert werden müsse. Ein Ende der Durststrecke sei erst mit der Fertigstellung des Jahrhundertprojekts Karlsruher Stadtbahntunnel zu erwarten.

Stefanie Herrmann, Benjamin Bock, thomas Seitz, Kai Kampermann, standen Rede und Antwort. Werner Parsch (ganz links) moderierte.

Schwächen seien immer noch im Fahrgastinformationssystem vorhanden. Das Hinhalten und Fehlinformationen durch die Leitstelle bei Verspätungen und Bahnausfällen haben sich keineswegs gebessert, berichteten etliche empörte Fahrgäste, die nach mehrstündigem Warten an den Haltestellen in die Weißglut getrieben worden waren. Die versammelte AVG- und KVV-Elite musste sich in dem Bereich wie auch bei Verspätungen oder besonders dem Schienenersatzverkehr eine unendliche Latte an Beschwerden anhören, die in vielen Fällen bis in kleinste Details reichten.

Schnelles Handeln, wie von etlichen Diskussionsteilnehmern gefordert, wollte von AVG und KVV niemand versprechen. Das gilt insbesondere für den zweigleisigen Ausbau des Nadelöhrs zwischen Grötzingen und Jöhlingen. Thomas Rupp, Leiter der Abteilung Infrastruktur bei der AVG, wies darauf hin, dass nach einem aufwändigen Planfeststellungsverfahren mit einer Inbetriebnahme dieses zweiten Gleises frühestens in vier Jahren zu rechnen sei. Immerhin erhoffe er sich von einer Überarbeitung des Jöhlinger Stellwerks im Frühjahr 2020 eine weitgehende Fehlerfreiheit.

So war`s damals ausgemacht, protestierte Ex-Bürgermeister Hans-Dieter Mahler gegen die aktuelle Tarifstruktur.

Auch bei der vom SPD-Ortsverein heftig kritisierten Preisgestaltung und der Waben-Tarifstruktur, die Walzbachtal stark benachteilige, wird es in absehbarer Zeit keine Änderungen geben. Stefanie Herrmann verteidigte das bestehende System als „sehr gutes Angebot“. Die KVV arbeite an einem neuen Tarifmodell, das individuelle Preisgestaltung zulassen werde, sich allerdings noch in der Testphase befinde, berichtete die Leiterin Tarifmanagement beim KV.

Die Preisgestaltung sei immer auch vom politischen Kräftespiel abhängig, betonte KVV-Prokurist Benjamin Bock. Wenn Aufsichtsräte höhere Bezuschussung billigten, seien zwar niedrigere Fahrpreise drin. Ein 365-Euro-Jahres-Ticket sei sehr gefährlich, meinte er und sei nur mit massiver Bezuschussung möglich. Sobald sich eine wirtschaftliche Talsohle abzeichne, sei ein Drehen dann aber an der Preisschraube unvermeidlich. In diesem Dilemma steckten die Entscheider.

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