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Unterwössinger Geschichten

Wolfang Eberle führte durch das Unterdorf

Das „halbe“ Wössingen stand am Samstagnachmittag auf dem Programm eines Ortsrundgangs, den Wolfgang Eberle im Auftrag der Gemeindeverwaltung anbot. Zur Führung durch das Wössinger Unterdorf waren trotz Corona immerhin 14 Neugierige zum Ausgangspunkt am Fuß der stattlichen Treppe zur Weinbrennerkirche gekommen. Sie mussten sich zunächst mal mit der Frage beschäftigen: „Warum führt unsere Tour durch Unterwössingen und nicht durch Wössingen?“

Eine Frage, mit der Wolfgang Eberle die Teilnehmer seiner Dorfführung irritierte. Die Antwort führte mitten hinein in die Wössinger Geschichte. Das 1024 bei einer Schenkung von Kaiser Konrad an das Domstift Speyer erstmals erwähnte Wössingen sei nämlich in Unter- und Oberwössingen geteilt gewesen, zwei völlig selbständige Gemeinden mit jeweils Burg, Kirche, Friedhof, Rathaus, Zehntscheune und Ortsverwaltung. Ein durchaus kompliziertes Konstrukt, das zusätzlich durch „Binnen“-Teilung in weitere Kloster-, Kirchen- und Adelsbesitztümer erschwert wurde. Erst Anfang des 19. Jahrhunderts seien Ober- und Unterwössingen durch den Bau der gemeinsamen Kirche zusammengewachsen. Von den Verwaltungsbauten der ehemals selbständigen Gemeinden ist fast nichts mehr übrig.

Bildvergleich beim Löwen im Vordergrund, während Wolfgang Eberle (Strohhut) über die Kelter informiert.

Nicht jeder war allerdings irritiert, denn unter den exakt 14 Teilnehmern waren auch Ur-Wössinger, denen man in Bezug auf ihr Heimatdorf kein X für ein U vormachen kann. Darunter auch etliche ehemalige Wössinger, die über die BNN von dem Termin erfahren hatten. Der in Wössingen gebürtige, aber schon seit Jahrzehnten in Blankenloch lebende Karl-Ludwig Walz beispielsweise konnte selbst einiges zu den Fragen rund um die ehemalige Gastwirtschaft „Kanne“ beitragen, die sein Opa bis ins Jahr 1908 betrieb auf der ehemaligen Grenze zwischen Ober- und Unterwössingen.

An den vielen Stationen, an denen der Trupp die nächsten zwei Stunden Halt machte, musste man sich nicht allein auf das gesprochene Wort verlassen. Claudia Eberle führte in einer geräumigen Tasche einen Schatz mit sich. Uralte Illustrationen der jeweils gerade besuchten Orte zückte sie aus dieser Tasche und sie machten die Runde. Mit so manchem staunenden Raunen wurde der Bild-Vergleich mit der aktuellen Situation bedacht.

Eingebaut wurde das veränderte Informationsverhalten. Direkt unter dem letzten Wössinger Exemplar der ehemaligen Ortsrufanlage nahm Wolfgang Eberle das wechselhafte Informationsverhalten auf die Schippe, das er als vom Dorfbüttel mit seiner Schelle über die Ortsrufanlage bis hin zu Whatsapp und Facebook reichend schilderte.

Kaum vorstellbar ist der ehemalige Krämer- und Viehmarkt, der im 19. Jahrhundert auf dem Platz zwischen dem ehemaligen „Ochsen“ und „Löwen“ stattfand oder die Weinberge, die den Rohstoff lieferten für die direkt daneben liegende Kelter, die sich heute nur noch findet in der Namensgebung der benachbarten Straße. An der Mühle der Durlacher Allee musste natürlich das Thema Wasser und die Wasserrechte der ehemaligen Müller eine Rolle spielen. Detailliert berichtete Eberle über die Müller-Klage, dass die Wössinger ihm das Wasser in jener Zeit abgruben, als sie im Walzbach Bohnerz für die Gewinnung von Eisen freispülten. Die dadurch verursachten Verschmutzungen gaben in jener Zeit dem Bach den Namen Dreckwalzbach. EinTeilnehmer frotzelte: „Wir können froh sein, dass der Walzbach nicht mehr Dreckwalzbachheißt, sonst müsse Walzbachtal Dreckwalzbachtal heißen!“

Weiter ging es über einen der zentralen historischen Wössinger Punkte, den Römerkeller, die ehemalige Unterwössinger Kirche, zur Zehntscheune und dem ehemaligen Badhaus, ehe Wolfgang Eberle zu einem kleinen abschließenden Imbiss und Gespräch in den Wössinger Hof einlud.

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