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Tradition lebt fort

Die Kirsche ist und bleibt die charakteristische Frucht für den Kirschenort Unteröwisheim

Kraichtal-Unteröwisheim (art) Die Kirschen fangen bereits an, rötlich zu leuchten an den zahlreichen Kirschbäumen in der Kraichtaler Flur. Erste frühe Kirschen wie die Sorte „Burlat“ sind sogar bereits reif und verlocken zum Naschen. „Die Haupternte erwarten wir in der zweiten Junihälfte“, sagt Bernhard de Bortoli, Kirschbaumbesitzer und Kirschenverwerter als Schnapsbrenner. Die Glanzzeiten allerdings der seinerzeit sehr bekannten und beliebten Unteröwisheimer Glanzkirsche als Essfrucht sind lange vorbei.

„Die diesjährige Entwicklung deutet auf ein gutes Kirschenjahr“, sagt de Bortoli. „Frostschäden waren bei uns persönlich nicht oder nur ganz geringfügig zu verzeichnen. Jetzt dürfen wir nur keinen Hagel bekommen und müssen verschont bleiben von Schädlingen, die die Ernte beeinträchtigen. Gegen letztere müsse man in diesen Tagen Pflanzenschutzmittel einsetzen, um die Kirschen nicht noch kurz vor dem Ziel zu verlieren. „Denn nur gesunde, saubere und vollreife Kirschen ergeben bestes Kirschwasser in der Flasche“, sagt de Bortoli. Er achtet peinlich genau auf die Qualität seiner Brennerei-Erzeugnisse und kann dafür Jahr für Jahr bei Qualitätswettbewerben, Auszeichnungen und erste Preise erzielen – und das nicht nur bei den Kirschen.

Andere Kirschbaumbesitzer, besonders die mit Bäumen in tieferen Lagen, wo sich die Kälte gestaut hat, hatten weniger Glück und erleiden Einbußen durch die Minusgrade in der Blütezeit. Dies betrifft insbesondere die frühen Sorten, die recht ausgedünnt sind.

Geerntet wird übrigens kaum mehr mit Leiter und Eimer am Haken in den Ästen. Die Kirschbaumbesitzer schütteln die Kirschen von den oft recht hohen und weit verzweigten Bäumen. Hierzu dient eine Rüttelmaschine, die den ganzen Baum ins Schwingen bringt. Die Früchte fallen dann in ein weitgespanntes Tuch – wie in einen umgedrehten Regenschirm. Eine Öffnung in der Mitte lässt die Kirschen direkt auf ein Förderband purzeln und ab geht’s in die Bottiche, die schon auf einem Anhänger bereitstehen.

Die Kirschen in Unteröwisheim dienen heute fast ausschließlich den örtlichen Brennereien als Rohmaterial. Auf den Märkten sind sie verschwunden. „Waren die Glanzkirschen zum Verzehr früher eine wichtige zusätzliche Erwerbsquelle, haben heute andere Kirschensorten den Markt erobert“, sagt de Bortoli. Er selbst hat die Sorten Dolleseppler und Bodensee-Schüttler auf seinen zum Teil 50 Jahre alten Bäumen. Einen jungen Baum hat er noch mit Glanzkirschen als Erinnerung an frühere Zeiten.

Und wo kommen dann die Esskirschen her, die es auf dem Markt und in den Geschäften zu kaufen gibt? Hans Lehar, Geschäftsführer der Bruchsaler Obst- und Gemüseabsatzgenossenschaft Nordbaden(OGA), weiß es: „Diese kommen aus dem südlichen Baden, aus der Ortenau und der Freiburger Region“, sagt er. „Unsere Umgebung hat hier den Anschluss verpasst auf die vom heutigen Verbraucher gefragten Sorten mit großen Früchten.“ Diese wachsen auch üblicherweise nicht auf den für den Kraichgau typischen Streuobstwiesen mit ihren großen ausladenden Bäumen. Für die heutigen Mengen benötigt man kleinwüchsige Bäume in plantagenartigen Anpflanzungen. „Zum Teil sind sie sogar mit engmaschigen Netzen ‚überdacht‘, die die Kirschen vor den Staren, den Kirsch-Fliegen und dem Hagel schützen“, sagt Lehar. „Hier sind die Kirschen auch leicht und maschinell zu ernten.“

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