Testen statt Sport

Böhnlichhalle verwandelt sich Pop-Up-Zentrum

Die von der Ministerpräsidentenkonferenz angekündigte Corona-Teststrategie hat am Wochenende auch im Landkreis Fahrt aufgenommen. Weingarten startete schon am Samstagmorgen mit einem sogenannten Pop-Up-Zentrum in der Walzbachhalle

bei dem Antigen-Schnelltests zum Einsatz kamen. Walzbachtal folgte am Montag, Stutensee am Dienstagnachmittag.

In Walzbachtal stehen für den Monat März insgesamt 3200 Testkits zur Verfügung, die Facility-Manager Thomas Deuscher aus einem Zentrallager in Grötzingen abgeholt hatte. Das ist genau die Menge, die das Land zur Verfügung stellt. Das ist aber nicht das Ende der Fahnenstange. „Wenn die 3200 Tests weg sind, haben wir noch die Möglichkeit nachzubestellen. Wir rechnen fest damit, dass wir Nachschub erhalten,“ meint Bürgermeister Timur Özcan.

Der Bürgermeister hat in einem Probelauf kurz vor dem offiziellen Beginn der Aktion um 16 Uhr selbst einen Test absolviert. „Ich will schließlich wissen wie sich das anfühlt und wovon ich rede, wenn ich über den Test rede“, sagt er. Fast angenehm sei es gewesen, meint er und steht damit in schroffem Gegensatz nicht nur zu vielen Schilderungen in den Medien, sondern auch zu der Mehrzahl der 39 Personen, die sich an diesem Tag testen lassen.

Eine der ersten Testpersonen war Bürgermeister Timur Özcan. Getestet von Helene Heimberger-Schäfer (rechts).

Die meisten lassen die Prozedur zwar ohne Klagen über sich ergehen. Von angenehm könne aber gewiss nicht die Rede sein, berichtete beispielsweise Monika Schneider. Das sah man ihr deutlich an, als DRK-Bereitschaftsführer Armin Schön den Abstrich bei ihr vornahm und mit dem Wattestäbchen tief bis in den letzten Winkel der Nasenhöhle „bis zum Anschlag“ vordrang. Bei dem ein oder anderen „Opfer“ bahnt sich schon mal eine Träne ihren Weg, die durch den Reiz ausgelöst wurde und den Weg über die Nase ins Freie suchte.

Helene Heimberger-Schäfer (links), Andrea Wackershauser und Sina Knobloch (rechts) analysierten die Proben.

Monika Schneider und ihr Mann haben von der Testmöglichkeit in den BNN gelesen. „Wir haben uns sofort eingeklickt und über das Internet einen Termin reservieren lassen,“ berichtet sie. Das Anmelden sei total einfach gewesen. Dann gibt es von ihr aber doch noch einen Seitenhieb: „Das geht ganz anders als beim Impfen“, für das sie bisher noch keinen Termin für ihre Mann hat ergattern können, der eine Risikogruppe angehört. Das Testen hätte man viel früher organisieren müssen, fügt sie hinzu. Dass das jetzt in Walzbachtal gelungen sei, sei eine super Sache.

Über die abgelaufene Zeit wurde genau Buch geführt

Nach dem Abstrich heißt es, sich in Geduld üben. Fünfzehn Minuten muss sie wie alle anderen warten, dann steht das Ergebnis für sie fest: Negativ! „Eine Riesen-Erleichterung“, empfindet sie. Ein Stein sei ihr vom Herzen gefallen, als Sebastian Höhne ihr die frohe Botschaft verkündet.

Ganz ähnlich beurteilt Werner Schön den Abstrich. Der FDP Gemeinderat hat das Einführen des Wattestäbchens ebenfalls als unangenehm empfunden: „Lieber spende ich zehn Mal Blut, als dass ich das einmal machen lasse,“ sagt er. Er muss es wissen. Für 100-maliges Blutspenden hätte er letztes Jahr geehrt werden sollen.

Es kam auf jeden Tropfen an

Am mangelnden Fachwissen in der DRK Mitglieder kann es auf jeden Fall nicht liegen. Die sieben Mitglieder, die die  Testes ehrenamtlich durchführen, haben am vorausgehenden Wochenende eine Schulung durch die Ärztin Florine Gross erhalten, die in der Regel die Abstriche in der Praxis Dr. Nees durchführt. Sehr lehrreich und kurzweilig sei die Schulung gewesen, bestätigt Sebastian Höhne.

„Jede Nase ist eben anders und jeder reagiert anders“, ist die Erfahrung von Helene Heimberger-Schäfer, die neben Armin Schön die Abstriche durchführt. Deshalb sei es wichtig, vorher ein paar beruhigende Worte mit der Testperson zu wechseln.

Andrea Wackershauser und Sina Knobloch (rechts) analysierten die Proben.

Sicherheit wird bei der Aktion groß geschrieben. Die Testpersonen müssen mit einer FFP2- oder medizinischen Maske tragen. Die DRK-Mitglieder tragen Ganzkörperanzug, Faceshield, selbstverständlich FFP2-Maske und Handschuhe und sind damit optimal ausgerüstet. „Gottseidank hat es draußen keine 40 Grad“, meint Sebastian Höhne sonst würde wir hier mächtig schwitzen.

Ergänzt wird das System durch ein ausgetüfteltes Anmeldeverfahren. Interessierte konnten sich lediglich für ein kleines Zeitfenster registrieren, so dass es zu möglichst wenigen Kontakten kam. Im 3-Minuten-Takt wurden die 39 Testpersonen durch das System geschleust. Das hat immerhin so gut geklappt, dass sich Florine Groß optimistisch zeigte, diese Kapazität in den nächsten Durchgängen von 40 auf 80 Personen erweitern zu können. Und dass das Ergebnis genauso ausfällt wie dieses Mal: Bis kurz vor Ende der Testphase wurde kein einziger positiver Fall festgestellt.

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