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Strom für den Zement

Auf einem Dach der Wössinger Opterra entstand eine riesige Photovoltaikanlage
Umwelt und Zementproduktion – die beiden Themen sind selten konfliktfrei. So wird auch die Geschichte des Wössinger Zementwerks begleitet von vielen Protesten gegen Lärm-, Staub- oder Verkehrsbelästigung. Zuletzt richteten sie sich gegen den Anfang 2016 vom Regierungspräsidium genehmigten Einsatz von Ersatzbrennstoffen. Bis heute haben damit nicht alle ihren Frieden gemacht.

WössingenDagegen stehen mannigfaltige Versuche der Werksleitung, genau das zu minimieren oder zu reparieren. So kam das Werk 2014 sogar in die engere Auswahl des Landes für den Umweltpreis in der Kategorie „Industrieunternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern“. Die Bemühungen werden von hochrangigen Besuchern gewürdigt. Zuletzt eröffnete Umweltstaatssekretär Andre Baumann einen Naturlehrpfad entlang des alten Abbaugeländes.

Gestern war gar sein Chef, Umweltminister Franz Untersteller, im Werk zu Gast. Ein Minister kommt nicht nur zum Händeschütteln. Mit seinem Besuch würdigte er die Installation einer riesigen Photovoltaikanlage auf dem 12.000 Quadratmeter großen Dach der Mischbetthalle des Zementwerkes. Die Anlage hat eine Leistung von 1,72 Megawatt und liefert auf der 280 Meter langen Dachfläche 1,64 Millionen kWh pro Jahr. Das ist Strom für rund 400 Haushalte oder einen Ort mit rund 1.000 Einwohnern wie etwa das benachbarte Dürrenbüchig, rechnete Jan Vonhöne vor. Der Geschäftsführer des Betreibers Pfalzsolar bezifferte die Kosten mit 1,6 bis 1,9 Millionen Euro.

„So was hab ich nicht alle Tage“, zeigte denn auch Franz Untersteller den gehörigen Respekt vor einer Anlage, deren Leistung einem Prozent des gesamten Zubaus an Photovoltaikproduktion in ganz Baden-Württemberg im vergangenen Jahr entspräche. Der Minister forderte die Werksführung auf, an dem Kurs der stetigen Verbesserung der Umweltbedingungen des Werks weiter zu arbeiten. „Ich erwarte von Ihnen“, so sagte Untersteller wörtlich, „dass sie in den kommenden Jahren weitere Anstrengungen im Bereich der Einhaltung der Grenzwerte unternehmen“.

Der Minister griff mit dieser Bemerkung Informationen auf, die er in einem vorausgegangenen Treffen mit den Fraktionsvorsitzenden des Walzbachtaler Gemeinderat erhalten hatte. Die Zementherstellung, so räumte Tino Villano ein, sei unstrittig eine energieintensive Produktion. Dem werde das Werk allerdings mit einer 2008 erfolgten umfassenden Modernisierung mit einem Investitionsvolumen von über 60 Millionen Euro gerecht. Damit würden 97% der Anforderungen zum besten verfügbaren Stand der Technik erreicht. Die Emissionen seien mit erheblichen Investitionen kontinuierlich verbessert worden. Das Wössinger Opterra-Werk halte als eines der ersten Werke in Deutschland die 200 mg/Nm³ NOx sicher und dauerhaft seit dem 01.01.2017 ein. Der NOx-Ausstoß sei im Vergleich zu 2005 um 61 Prozent, die brennstoffbedingte CO2-Emission um über 5 Prozent reduziert worden. „Durch den Einsatz von Ersatzrohstoffen schonen wir“, so betonte Villano mit einem Blick auf den Minister, „natürliche Ressourcen und arbeiten ganz im Sinne des Koalitionsvertrages der Landesregierung.“

Opterra-Chef Stephan Schenk

Werkleiter Stefan Schenk begrüßte Minister Untersteller, beschränkte sich im übrigen aber aud die Moderatorenrolle. Ganz rechts Opterra-Deutschland-Chef Danilo Buscaglia..

Ganz besonderes Augenmerk legte Villano auf die Bemühungen zur Verminderung des Quecksilberausstoßes. Dazu habe das Wössinger als erstes Werk der deutschen Zementindustrie im Jahr 2010 in eine Anlage zur Eindüsung von Aktivkohle investiert und betreibe sie seitdem zuverlässig. Der schärfste Grenzwert der deutschen – wenn nicht sogar europäischen Zementindustrie – werde deutlich unterschritten. Gleichzeitig arbeite Opterra stark an der Lärmminderung. Für den Fall, dass dennoch einmal etwas schief laufe, greife ein Beschwerdemanagementsystem für Anwohner, Nachbarn und Interessenverbände.

Von den Bemühungen profitieren im alten Steinbruch Kreuzkröten, Fledermäuse, Uhus und Falken. Fast 3.000 streng geschützte Kreuzkröten seien in den letzten Jahren mit Investitionskosten von rund 150.000 Euro in ein neues Habitat umgesiedelt worden. Das Melanchthon Gymnasium Bretten habe – so erinnerte Villano weiter – einen Naturlehrpfad im bereits rekultivierten Bereich des alten Steinbruchs entwickelt.

Die Inbetriebnahme der Photovoltaikanlage zeige, dass ein Zementwerk durchaus auch Platz biete für die Energien der Zukunft, ergänzte Opterra-Deutschland-Chef Danilo Buscaglia. Er freute sich darüber, „dass die Sonnenenergie künftig hier ein neues Zuhause haben wird“.
Immer im Fokus - der Chef

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Kommentare (5)

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    Wössinger

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    Zum Beitrag „Strom für den Zement

    Mit der Wärme, die vom Zementwerk erzeugt wird, könnten bestimmt alle Haushalte in Wössingen mit Strom versorgt werden, ganz nebenbei noch fernwärme. Das wäre ein Beitrag zum Umweltschutz.

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    Revo

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    Zum Beitrag „Strom für den Zement

    Lieber Wössinger.
    Da sieht man mal wieder wie engstirnig manche Leute sind. Von Thermodynamik keine Ahnung haben, aber schön gegen alles sticheln was getan wird. In Pfinztal wird gerade ein Windrad gebaut, das es hier schon gibt, und stellen sie sich vor, manche Leute finden das gar nicht schön. Es verschandele das Ortsbild. Na dann stellt doch euren Strom selber her. Oder ist Ihnen das zu teuer? Immer nur meckern und selbst nichts auf die Beine bekommen.

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      Wössinger

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      Zum Beitrag „Strom für den Zement
      Ich sage nichts gegen die Photovoltaik Anlage, habe kein Wort dagegen geschrieben, oder gestichelt. Bin allgemein kein Freund von Photovoltaik. Und zum Thema Thermodynamik : ich habe davon durchaus eine Ahnung. Ich habe lediglich einen Vorschlag gemacht, wie die Energie die erzeugt wird zusätzlich genutzt werden könnte.

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        Revo

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        Zum Beitrag „Strom für den Zement

        Nein wahrscheinlich haben sie keine Ahnung von der Thermodynamik, zumindest nicht von der Abstrahlwärme eines Zementofens. Vorschlag war gut kann aber leider nicht umgesetzt werden. Wert Q ist zu gering..versteht man, wenn man sich damit auskennt. Kein einziger Haushalt könnte damit versorgt werden. Hauptsache wieder was gegen einen Betrieb gesagt. Wie sieht es mit ihrer Abwärme aus? Können sie die nicht auch nutzen? Bremsenergie Rückgewinnung am Auto etc.??? Ich hasse Kommentare die irgenwie gegen alles sind. Ich finde, dass das Zementwerk mit der Photovoltaik Anlage einen großen Beitrag zur Umwelt beiträgt. Ich weiß nicht wie weit sie sich mit dem Umwelt und Klimaschutz beschäftigen, aber ich persönlich habe eine PV Anlage und trage selbst dadurch zum Klimaschutz bei. Der Strom kommt zwar aus der Steckdose aber wo er im Endeffekt her kommt wissen wir alle…..

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          Gondelsheimer

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          Komisch, was ist an dem Wössinger Zementwerk anders, als denen, an denen a) die Abwärme bereits genutzt wird oder b) für die Modellrechnungen vorliegen, die eine Nutzbarkeit wirtschaftlich prognostizieren?

          Googlen Sie doch mal „Zementwerk Abwärme“…

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