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Stolpersteine

Schüler des Melanchthongymnasiums sorgen für Gedenken an Opfer des Nationalsozialismus in Bretten und Flehingen

Die Liste der in Bretten verlegten Stolpersteine ist lang. Am Dienstag 11. Februar wird der Kölner Künstler Gunter Demnig an der Fußgängerampel in der Weißhoferstraße 29 einen weiteren zu den 33 hinzufügen,

mit denen bisher schon den Brettener Opfern des Nationalsozialismus gedacht wird. Die Erinnerung wird dieses Mal einem Zeugen Jehovas gelten.

Oskar Tretter starb am 9. Mai 1940 im Konzentrationslager Neuengamme, laut Bericht des Lagerkommandanten an einem Magen- und Darmkatarrh sowie Herz- und Kreislaufschwäche. Sein einziges Vergehen: er hielt treu an seinem Glauben fest, der ihm den Dienst mit der Waffe und das „Heil Hitler“ verbot.

Dem Schicksal des Gölshäusener Kraftwagenfahrers im Dienst der Firma Harsch haben Schüler des Geschichts-Neigungskurses des Brettener Melanchthon-Gymnasiums und ihr Lehrer Dirk Lundberg nachgespürt. Im Stadtarchiv und im Karlsruher Generallandesarchiv haben sie unzählige Dokumente gesichtet und aufgearbeitet, mit Zeitzeugen und mit seinen Glaubensbrüdern gesprochen. „Er hat die gleiche Berechtigung seiner zu gedenken wie die Juden. Auch die Zeugen Jehova waren Opfer der Nationalsozialisten“, meint Samuel Gutjahr. Sein Kurskollege Patrick Opacic sieht damit die Gedenkkultur um einen wichtigen Aspekt erweitert, dass nämlich neben den Juden sehr viele andersgläubige Menschen diskriminiert wurden.

Besonders eindrücklich, so sagt Dirk Lundberg, sei die Beschäftigung mit Oskar Tretter für die Schüler geworden, als sie von einem Zeitzeugen erfuhren, dass selbst der zehnjährige Sohn von Oskar Tretter von der Polizei aus seinem Unterricht in der Hebelschule herausgeholt und in ein Heim gebracht wurde.

Den Stolpersteine für ihn wird Günter Demnig am 11. Februar aus Köln mitbringen. Seit 9 Jahren hingegen warten schon drei Stolpersteine in einer Vitrine im Flehinger Rathaus auf ihre Verlegung. Das ist bisher gescheitert. Umso mehr freut sich Dirk Lundberg, dass jetzt auch diese drei Stolpersteine am Mittwoch den 11. Februar zusammen mit dem für Oskar Tretter verlegt werden können. Der Stein für Oskar Tretter wird um 11:15 Uhr in der Weißhoferstraße 29 verlegt, der für den Flehinger Synagogenvorsteher und seine beiden Familienmitglieder wenig später gegen 11:15 Uhr in der Flehinger Bahnhofstraße 3.

Der Stolpersteinverlegung voraus geht eine Gedenkveranstaltung in der Aula des Melanchthongymnasiums. Ab 10:15 Uhr werden dort zuerst die Schüler die Schicksale von Oskar Tretter und der Schlessingers präsentieren, ehe ein Vertreter der Zeugen Jehovas, der jüdischen Kultusgemeinde Karlsruhe, ein Schlessinger-Enkel, Gunter Demnig und die beiden Bürgermeister Wolff und Nowitzki das Wort ergreifen werden.

Der Kölner Künstler Gunter Demnig hatte das Projekt 1997 mit der Verlegung des ersten Steins ins Leben gerufen. Stolpersteine sind Gedenksteine an Menschen, die im Dritten Reich von den Nationalsozialisten verschleppt, gefoltert, ermordet oder in den Selbstmord getrieben wurden. Die Opfer waren hauptsächlich Juden, aber auch Homosexuelle, Sinti, Roma und Menschen mit Behinderungen.

Zu ihrem Gedenken werden Stolpersteine in den Gehwegen vor den einstigen Häusern der Opfer verlegt. Die von Gunter Demnig gefertigten Gedenksteine haben eine Messingtafel, auf der Name und Lebensdaten des Opfers stehen.

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