Bei der Hitze hilft nur noch untertauchen

Sorgen unbegründet

Gemeinsame Exkursion zum Windpark in Winterbach schafft Klarheit / EnBW: Gute Standortbedingungen auf dem  Heuberg

(PM) Gemeinderäte aus Walzbachtal und Weingarten unternahmen am vergangenen Samstag den 7. Mai eine Exkursion nach Winterbach. Sie besuchten dort den Windpark Goldboden, der mit 230 Meter Gesamthöhe (Turmhöhe 165 Meter, 131 Meter Rotordurchmesser) zu den höchsten Windparks in Baden-Württemberg gehört. In seiner Einführung machte der Betreiber (EnBW, Michael Soukup) deutlich, dass der Windpark seit 2017 in Betrieb ist, technisch stabil läuft und die erwarteten Energiemengen produziert.

Im Vergleich zur dort installierten Leistung von 3 mal 3,3 MW plant EnBW am Standort Weingarten Anlagen mit deutlich höherer Leistung. Die neueste Generation von Binnenlandanlagen ist vor allem mit größeren Rotoren aus-gestattet, hat eine Gesamthöhe von rund 250 Meter und leistet 5 bis 6 MW pro Anlage.

Gemeinderat Jürgen Nachtrieb aus dem nahegelegenen Engelberg berichtete, dass es in einzelnen Ortsteilen in der Nähe der Anlagen im Vorfeld zum Teil massive Bedenken gegeben habe. Der Gemeinderat Winterbach habe sich damals dennoch mehrheitlich für den Bau des Windparks entschieden. Die in der Planungsphase diskutierten Sorgen zeigten sich im Nachhinein unbegründet, so der Gemeinderat, es gebe kaum noch kritische Stimmen.

Akustiker Christian Eulitz von Möhler+Partner aus München hatte sein Messgerät dabei und zeigte, in welcher Entfernung von den Anlagen welcher Schall zu hören ist. „In ungünstigen Lagen, etwa bei Abständen von 500 Metern zur Wohnbebauung und bei ruhiger Umgebung, können Windenergieanlagen richtig störend sein. Bei 1.000 Metern Abstand, wie am Windpark Goldboden (und wie auch bei den derzeitigen Planungen in Jöhlingen absehbar), hielten sich die Störungen in Grenzen. Beim Thema „Infraschall“ konnte Eulitz als technischer Leiter der großen Infraschallstudie des Umweltbundesamtes aus erster Hand Entwarnung geben: „Wir haben Probanden mit Infraschall beschallt. Bei Infraschallpegeln, wie sie rund um Windenergieanlagen auftreten, zeigten sich keinerlei Effekte.“

Die teilnehmenden Gemeinderäte interessierten sich neben möglichen störenden Wirkungen auch für technische Aspekte und wagten einen Blick in den Mast. Thema war auch eine finanzielle Bürgerbeteiligung. Michael Soukup nutzte die Gelegenheit, um den Gemeinderäten aus Walzbachtal und Weingarten die seit kurzem vorliegende Auswertung der einjährigen Windmesskampagne auf dem Heuberg vorzustellen. Die vom zertifizierten Fachbüro renercoplan aus München erstellte Ertragsprognose nimmt die gemessene mittlere Windgeschwindigkeit auf 166 Meter Nabenhöhe von 6,6 Metern pro Sekunde als Basis. Damit bestätigt die Windmessung die im Windatlas Baden-Württemberg ausgewiesene gute Standortbedingungen. „Mit diesen Ergebnissen sind wir sicher, dass sich die nachhaltige Erzeugung von Strom aus Windenergie auf dem Heuberg lohnen wird“, so Herr Soukup. Ein Windpark in Weingarten wird bei diesen guten Windverhältnissen einen deutlichen Beitrag zur stabilen Stromversorgung mit kostengünstigen Stromgestehungskosten liefern. „Wir sind offen dafür, die Bürgerinnen und Bürger an den Erträgen partizipieren zu lassen“, so Soukup.

Christoph Ewen vom Forum Energiedialog Baden-Württemberg, das die Kommunen Walzbachtal und Weingarten begleitet, kündigte an, dass kritische Fragen zu dieser Ertragsprognose transparent geklärt würden. Er plane ein Fachgespräch mit EnBW, mit fachlich versierten Kritikern der Windenergie vor Ort und neutralen Wissenschaftlern. Die Ergebnisse dieses Fachgesprächs und die Positionen der einzelnen Parteien würden dokumentiert und veröffentlicht.

Bürgermeister Öczan, Walzbachtal, bedankte sich am Ende für die Exkursion. In Walzbachtal sehe man eher kritisch auf die geplanten Anlagen, die an der Grenze zu seiner Gemarkung geplant würden. Aber wichtig sei es, die Fakten objektiv in den Blick zu nehmen. Er freue sich, dass das Thema „Windhöffigkeit“ fachlich geklärt werde. „Ich habe heute mitgenommen, dass der Lärm von Anlagen in Entfernungen von deutlich unter 1.000 Meter in der Tat störend wirken und empfindliche Menschen belasten kann – dass aber das Thema Infraschall offenbar weniger brisant ist, als ich bislang gedacht habe.“ Das Forum Energiedialog, so auch die fast einstimmige Meinung beider Gemeinderäte, solle die Fakten wissenschaftlich objektiv und aus einer neutralen Position heraus klären, öffentlich informiert und einen Dialog anbieten.

Die Exkursion wurde organisiert und moderiert vom Forum Energiedialog. Weitere Fragen beantwortet Dr. Christoph Ewen, c.ewen@energiedialog-bw.de 0175 2975888.

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Kommentare (10)

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    Lars

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    „Im Vergleich zur dort installierten Leistung von 3 mal 3,3 MW plant EnBW am Standort Weingarten Anlagen mit d e u t l i c h h ö h e r e r Leistung. Die neueste Generation von Binnenlandanlagen ist vor allem mit g r ö ß e r e n R o t o r e n ausgestattet, hat eine Gesamthöhe von rund 250 Meter und leistet 5 bis 6 MW pro Anlage.“
    Wie kommt man auf den Schluss? das die „Sorgen unbegründet“ sind? Die geplanten anlagen weichen nicht unwesentlich von den besichtigten anlagen ab, somit dürfte auch der emittierte Schall ein anderer sein…Wievie dB emmitieren die besichtigten Anlagen und wieviel die auf dem Heuberg geplanten? Und das der Betreiber EnBW kein Interesse daran hat, negative Aspekte bei so einen Termin darzustellen, ist ja wohl selbstredend. Die wollen die Anlagen ja nicht aus Wohltätigkeitgründen erstellen, sondern um subventionierten Gewinn zu erwirtschaften.

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      Dorfmuggel

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      @Lars: Man findet in jeder Suppe ein Haar, wenn man will. Sie unterstellen hier dem künftigen Betreiber Täuschung, was ich nicht erkennen und nicht nachvollziehen kann. Bisher war die EnBW ziemlich transparent unterwegs. Wenn die prognostizierten Erträge in Ordnung sind und die Berechnungen zu den Prognosen verständlich und valide, bin ich für den Bau, auch wenn es nicht ohne die bekannten Nachteile geht. Die muss man dann in Kauf nehmen. Es ist wie bei so vielen, es gibt nicht die Lösung, die gar keine Nachteile hat. Vollkommen perfekt ist nichts. Insofern sehe ich in den Heuberg-WKA einen kleinen aber wichtigen Schritt hin zur Unabhängigkeit von Energieimporten.

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        bauigel

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        „Ziemlich transparent“ ist wohl auch der ‚Akustiker‘, der mal schnell aus München zu diesem Termin angereist ist – als Geschäftsführer (im Internet einfach nachvollziehbar) eines wachsenden Beratungsunternehmens mit mehreren Dutzend Mitarbeitern an 5 Standorten hat man ja genügend Freizeit sowas ehrenamtlich und ohne weitere Interessen zu tun, oder?

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    Karl

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    Kann man nicht mal das ICT befragen, wie Ertragsreich dessen Windrad in Berghausen ist? Ist ja geographisch nicht weit weg gelegen…

    Desweiteren die Frage ob der Betreiber. Schallpegel garantiert, falls diese nicht eingehalten werden, dann Stilllegung etc. denkbar ist 🙁

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      Anonymous

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      „Schallpegel garantiert, falls diese nicht eingehalten werden, dann Stilllegung etc. denkbar ist“ hahahahahaha. Der korrekte Kommentar ist: sicherlich nicht, siehe Opterra

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      Mona

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      Als Antwort auf: Sorgen unbegründet Als Antwort auf: Karl
      Das Windrad könnte rund 4.000 Haushalte mit Strom versorgen, es läuft aber nicht unter Volllast (2 MWh). Wird z.B. nachts runtergedrosselt. Habe ich gefunden durch google Suche, innerhalb von 1 min. Artikel in KA-News und BNN. Manchmal denke ich, die Gegner der Weingartner Windräder stellen sich als bewusst doof.

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    Michael

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    Als Antwort auf: Sorgen unbegründet
    Wenn man von uns aus in Richtung Rheinebene schaut, sieht man auch sehr viele Windräder stehen (siehe auch https://www.proplanta.de/Maps/Windpark+Rheinland-Pfalz-karten.html). Warum dies bei uns nicht möglich ist, erschließt sich für mich auf den ersten Blick nicht. Sicherlich bringen Windräder einen höheren Ertrag auf dem Heuberg. Die baulichen Maßnahmen für die Erstellung und die Netzanbindung sind dafür aber sicherlich um ein vielfaches höher als in der Rheinebene!

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    Zuhörer

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    Als Antwort auf: Sorgen unbegründet
    Wie blauäugig unser GR doch ist. Die WKA dort sind nicht mit den in Weingarten geplanten zu vergleichen. Deutlich geringere ngere Maße. Wir sollen 250 Meter bekommen mit noch größeren Rotoren Man schließt über einen anderen Standort mit völlig anderen Gegebenheiten, Topographie mit Wald drumherum usw, dass die Schallemissionen in Weingarten auf freiem Feld, in exponierter Lage genau so sind wie dort. Oh Mann. Es wird auch überhaupt nicht erwähnt bei welche Windgeschwindigkeit der Schall gemessen wurde. Aber der Autor des Berichts in Wössigen wohnend spricht völlig neutral von „unbegründeten Sorgen.“ Man hätte auch schreiben können „Sorgen „wohl“ unbegründet“. Stimmungsmache ohne gleichen. Wir retten das Klima und sind total unabhängig von anderen Energiequellen, koste was es wolle. Gesundheit, Geld der Steuerzahler und Stromabnehmer, sowie der Eigenheimbesitzer in unmittelbarer Nähe, die den Wertverlust hinnehmen müssen. Ich warte schon auf die Antworten, der Weltenretter, die jetzt schreiben: „Aber irgendwo müssen wir ja anfangen….“ Mein Gott.

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      Waidelich Arnd

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      Nur eine kleinen Anmerkung zur vermuteten Urheberschaft des Artikels, die der Zuhörer jemandem aus Wössingen zuschreibt. Wenn man alles so genau und besser weiß, dann sollte man selbst solche Fehler nicht machen. Es handelt sich um eine Pressemeldung („PM“) aus dem Walzbachtaler Rathaus. Vielleicht kann der Zuhörer dort mal recherchieren, wo der Autor wohnt.

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    Randfichte

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    Was soll man denn von einer Aussage wie: „Wir haben Probanden mit Infraschall beschallt. Bei Infraschallpegeln, wie sie rund um Windenergieanlagen auftreten, zeigten sich keinerlei Effekte.“ halten? Das ist auf einem so unsäglichen Niveau, dass man nun wirklich besorgt sein muss. Wir erinnern uns: Ein großer deutscher Autohersteller hat Affen mit Stickoxiden begast und keine Wirkungen festgestellt. Es soll sogar Zeiten gegeben haben, da man Gesichtscremes mit Radium wegen des „strahlenden Teints“ beworben hat (https://www.constoria.ch/stories/radium). Vor 100 Jahren… Ich hoffe sehr, dass wir in Walzbachtal in der Zwischenzeit dazugelernt haben und Menschen und Firmen, die so dreist argumentieren, mit gesundem Misstrauen begegnen.

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