Smart Factory

SEW-Chef über die Erfahrungen mit Industrie4.0

„Wird es in der Fabrik der Zukunft keine Arbeiter mehr geben“? Dieser Frage widmete sich Johann Soder beim fünften theologischen Dinner, zu dem Pfarrer Oliver Hoops wieder eine stattliche Anzahl von Gästen in der Jöhlinger evangelischen Versöhnungskirche begrüßen konnte. Die Antwort ist für den Geschäftsführer der Grabener SEW-Eurodrive eindeutig: Ein klares „Nein“ stand am Ende eines eineinhalbstündigen ausführlichen Porträts seiner Firma, in dem er den grundsätzlichen Entwicklungen und Windungen nachspürte, die die SEW seit ihrer Gründung durchlief. Etliche davon hätten sich als Fehleinschätzung erwiesen, die aber rechtzeitig hätten korrigiert werden können.

In dieser Einschätzung befindet sich Soder keineswegs in Übereinstimmung mit der Mehrzahl seiner Kollegen, die genau auf das Rezept der menschenleeren Fabrik setzen. Von diesem als „Industrie 4.0“ benannten Konzept lasse er sich indessen nicht irritieren. Mittlerweile könne er in der „Schaufenster-Fabrik in Graben-Neudorf“ – wie er sie nannte – große Wirtschafts-Delegationen aus China begrüßen, die das neue Modell des Wirtschaftens studieren wollen. SEW schöpfe aus der „Weisheit der Vielen“, aus dem Knowhow und der Kreativität aller seiner Mitarbeiter, die an hochwertigen Arbeitsplätzen stehen, an denen sie sich wohl fühlen, weil Mensch und Technik sinnvoll verknüpft werden. In der „Smart Factory“ würden Mensch, Technik und Organisation miteinander in Einklang gebracht. Dafür sorgten „kleine Fabriken in der Fabrik“, in der die Mitarbeiter Verantwortung übernehmen können und entsprechend motiviert bei der Sache sind. Das Modell demonstrierte Soder nicht nur mit einer Powerpointpräsentation, sondern auch mit kleinen Videoeinspielungen.

Sankt Martin in Jöhlingen

Johann Soder nahm eine PowerPoint-Präsentation zu Hilfe

Schon zu Beginn der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts habe es erste Versuche gegeben, Menschen durch Maschinen zu ersetzen. Davon habe sich SEW schnell verabschiedet als er bemerkt habe, dass die Produktivität dadurch nicht nur nicht gesteigert, sondern gesenkt worden sei.

Er zeigte sich zutiefst davon überzeugt: „Man wird den Menschen nicht ersetzen können!“ Eine leere Fabrikhalle werde es bei SEW nie geben. Diese Position präzisierte er in vielen Detailaspekten in der folgenden Diskussion mit dem Publikum. So mit geistigen Informationen gesättigt war anschließend Aufnahme anderer Art angesagt – schließlich handelte es sich um ein „theologisches Dinner“. . Bei einem Champignoncremesüppchen, einem Boeuf Bourguignon und einem Carpaccio von roter Bete und Ziegenkäse mit einer Apfelvinaigrette und vielen Guten Gesprächen wurde die schwere informationelle Kost bewältigt.

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Kommentare (1)

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    Herbert Froehlich

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    Zum Artikel „Smart Factory
    Einer der besten Vorträge die ich je gehört habe, sowohl vom Inhalt als auch der Präsentation. Man kann es nicht besser machen.
    Es ist legitim von Herr Soder die I 4.0-Welt nicht so menschenleer in der Produktion zu prognostizieren, aber letztlich ist es u.a. das Ziel von I 4.0 .
    Dass CIM das nicht erreicht hat, hat viele Gründe u. a. die „zerfledderte“ Standardisierung. Auch sind wir technologisch heute um vieles weiter als damals zu CIM-Zeiten . Stichworte: Internet (IoT), Ki, MRK, TSN usw.
    Man sollte diese Entwicklung halt auch entsprechend vorausschauend sozialpolitisch begleiten !

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