Sechs Monate für reuigen Rambo

In Oberderdingen den Marktplatz aufgemischt

Zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe mit einer dreijährigen Bewährungsfrist und einer Geldstrafe von 1000 Euro wurde ein junger Türke verurteilt, der am 19. September 2020 rund um den Oberderdinger Marktplatz den Rambo gab. Er trägt überdies die Kosten des Verfahrens. Mit diesem Schuldspruch habe er noch Glück gehabt,

waren sich Richter Fabian Weisse, der Staatsanwalt und Verteidiger Christoph Wingerter einig. Glück deshalb, weil der 27-jährige Fensterbauer kein unbeschriebenes Blatt, aber mit einem Rauschgiftdelikt zumindest nicht einschlägig im selben Metier vorbestraft war.

Als entscheidend für das relativ milde Urteil bezeichnete Fabian Weisse eine günstige Sozialprognose für den jungen Familienvater, dessen bei einer Rechtsanwältin arbeitende Ehefrau kurz vor der Geburt eines Kindes steht. Als mildernden Umstand wertete der Richter auch das voll umfängliche Geständnis, das der Angeklagte schon zu Beginn der Verhandlung ablegte.

Die Ereignisse nahmen im September 2020 ihren Lauf in einem Spielsalon an der Ecke zur Sternenfelser Straße. Red Bull mit Jacky brachten den Angeklagten so richtig in Fahrt. Aus nicht mehr ermittelbaren Gründen habe er die dortige Wirtin aggressiv angegangen, deren Bruder beleidigt und mit einer Tätowierung auf seiner Brust geprahlt. Des Lokals verwiesen ging es wenige Meter entfernt auf dem Oberderdinger Marktplatz im gleichen Stil weiter. Der 27-Jährige habe, so lautete der Tatvorwurf des Staatsanwalts, eine Gruppe Jugendlicher angegangen und zunächst eine junge Dame hochgehoben und geschubst.

Einem ihrer Freunde habe er ein dermaßen heftige Ohrfeige gegeben, dass der tagelang unter Tinnitus litt. Die von den Jugendlichen verständigte Polizei machte den Täter noch in der gleichen Nacht auf dem Parkplatz eines Supermarktes in der Sternenfelser Straße ausfindig. Auch die eintreffenden Beamten wurden wie alle anderen beteiligten Personen mit den wüstesten Schimpf-Tiraden überzogen, von denen die meisten nicht zitierfähig sind. Die Abläufe wurden von zwei Polizeibeamten als Zeugen bestätigt, die die zahlreichen Anzeigen protokollierten.

Wie auch in vielen anderen vergleichbaren Fällen von Körperverletzung versagte auch hier angesichts des Alkoholisierungsgrad das Gedächtnis. Im Verlauf der Verhandlung schüttelte der Angeklagte immer wieder ungläubig den Kopf über seine eigenen Taten für die er sich schäme, wie er versicherte.

Dass seine Frau ihn für den Besuch eines Polterabends allein gelassen hatte, mochte selbst der Angeklagte nicht als Grund für seinen Ausraster in Anspruch nehmen. Was Richter Fabian Weisse mit der Bemerkung bestätigte, „nicht jeder Strohwitwer kann sich im Suff zu so etwas hinreißen lassen.“

Der Staatsanwalt kam bei der gesamten Würdigung der Straftaten zu einem Strafmaß von sechs Monaten. Sogar der Verteidiger schloss sich diesem Plädoyer an. Sein Mandant habe über die Stränge geschlagen. Richter Fabian Weise kam nach einer nur kurzen Bedenkzeit zu dem gleichen Urteil.

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