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Schlagende Dichter

Poetry Slammer auf dem Brettener Rathausplatz

Poetry-Slam setzt sich aus den beiden englischen Begriffen für „Dichtung“ und „jemanden schlagen“ (to slam) zusammen. Im Sport bezeichnet „slam“ auch einen Volltreffer. Einen solchen landeten am Freitagabend zweifelsfrei Laura Gommel, Stefan Unser und Moritz Konrad auf dem Rathausplatz in Bretten. Das Trio sorgte mit dem gegenwärtig erfolgreichsten Literatur-Format für großartige Unterhaltung.

Rund 100 Besucher folgten der Einladung zur zweiten Veranstaltung im Rahmen des „KulturFreitags“ open air. Bei bestem Sommerwetter brachten sie Rosé mitsamt Weingläsern oder ein kühles Blondes von zuhause mit und genossen das Ende des durch Corona geschuldeten „Kunst-Lockdowns“.

Auf der „Lese-Bühne“ vor dem Rathaus waren die Grenzen fließend an diesem Abend. Die drei Wortakrobaten jonglierten meisterhaft mit tiefgehend poetischen Texten, heiteren Kurzgeschichten, zum Nachdenken anregendem Kabarett und lässiger Stand-up-Comedy. „Wir ‚Slammer‘ verarbeiten unser Leben vor dem Publikum, statt beim Psychiater“, resümierte der Baden-Württembergische Landesmeister Stefan Unser. Er philosophierte über den T-Shirt-Aufdruck „Denken ist wie googeln – nur krasser“, die „WhatsApp-Generation“ und seine 93-jährige Oma, die alles wusste, nur nicht wo Opa zwei Jahre steckte. Am Ende blieb nur noch die Frage offen: „Werden gekochte Kartoffeln vakuumiert verkauft, weil wir zu viel oder zu wenig wissen?“ 

Moritz Konrad verglich den Wunsch nach Berühmtheit mit Diabetes: „Es gibt Typ 1, welcher aus zu wenig erhaltener Liebe und Typ 2, welcher aus zu viel erhaltener Liebe in der Kindheit resultiert“ und rechnete mit den Erwartungen aller Helikopter-Eltern an ihre Kinder ab. Im nächsten Beitrag erzählte der Rhein-Neckar-Meister von Gesprächen am Urinal und der Ungewissheit von Künstlern, ob man später einmal im Museum hänge oder an der Decke. „Als Künstler weißt du in Gesprächen nie, ob du Bewunderung oder Mitleid entgegengebracht bekommst.“ Für die Schilderung der Wohnverhältnisse in seiner WG erntete er viele Lacher, ebenso für die Frage: „Ab wann ist das Insektennetz auf dem Obstkorb noch Schutz, dass nichts rein-, und ab wann, dass nichts rauskommt?“ Laura Gommel zeigte als wahre Slam-Poetin viel Tiefgang bei ihren zugleich unglaublich ruhig und dennoch schwer beeindruckend vorgetragenen Texten. Dass sie mit den Worten „Opa, was ich dir noch sagen will“ nicht nur die Herzen der Besucher auf dem Rathausplatz berührte, zeigte sich durch Begeisterungsrufe nicht nur aus dem Publikum, sondern auch von den umliegenden Balkonen.  Mit viel Beifall belohnt wurde das wortgewandte Trio am Ende dieser gelungenen Veranstaltung und dankte es mit einer Zugabe.

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