Header

Protest

Landwirtschaftsminister Hauk hört in Binsheim bittere Bauern-Klagen

Noch immer stehen Kreuze an vielen Straßenrändern und signalisieren den Bauernprotest gegen das im letzten Jahr von Umweltverbänden initiierte Volksbegehren Artenschutz. Das Volksbegehren ist zwar abgewendet aber jetzt drückt ein neues Kreuz den Rücken vieler Landwirte. Die volle Breitseite des bäuerlichen Unmuts

über die neue Verordnung zur Gülledüngung bekam Landwirtschaftsminister Peter Hauk ab bei einer vom Walzbachtaler CDU-Ortsverband in Kooperation mit dem designierten CDU-Landtagskandidaten Ansgar Mayr organisierten Veranstaltung in einer Lagerhalle des schwer betroffenen Familienbetriebs Gretz.

Die beiden Gastgeber waren denn auch nach der Eröffnung und kurzen Einführung durch Moderator Tino Villano die Protagonisten in der Kategorie Attacke. Unsicherheit spüre er nicht nur wegen des Auslaufens der Förderung seiner Biogas-Anlage. Noch schwerer belasteten ihn die Auflagen der neuen Düngeverordnung. Nicht nur dass die Förderung für die Bewirtschaftung von Flächen in Wasserschutzgebieten in Höhe von 15 bis 20.000 Euro pro Jahr wegfalle, stehe er jetzt auch noch in der Pflicht, einen neuen Güllebehälter zu bauen. Kosten: 250.000 Euro. „Ich weiß gar nicht, wieso meine Kollegen da so ruhig bleiben“, empörte sich Karl-Heinz Gretz.

Landwirtschaftsminister Peter Hauk bei der Versammlung des CDU-Ortsverbands Walzbachtal beim Binsheimer Bauern Karl-Heinz Gretz flankiert von Tino Villano, Joachim Kößler und Ansgar Mayr

Auf die Empörung musste er am Montagnachmittag allerdings nicht lange warten. Dem Gondelsheimer Erhard Walz trieb es „angesichts der Bestimmungen in den roten Gebieten die Röte ins Gesicht“. Ein Jungbauer aus dem Weingartener Sallenbusch sah auch keineswegs die Verantwortung der Landwirte für die hohen Nitratwerte in einem zwischen Weingarten und Jöhlingen liegenden Brunnen. Der Kreisvorsitzende des Bauernverbandes Werner Kunz räumte zwar ein dass die niedersächsischen Kollegen „ihre Böden mit Gülle geflutet haben“. Dass die baden-württembergischen Bauern deshalb mit einer neuen Verordnung überzogen würden, sei aber völlig inakzeptabel. Es gehe nicht an, „dass die Landwirtschaft im Schweinsgalopp auf den Kopf gestellt wird“ von Politikern, „die den Leuten Sand in die Augen streuen mit dem Bioanbau“. „Ich habe die Schnauze voll. Ich bin nicht bereit diesen Betrieb unter diesen Umständen weiterzuführen“, explodierte schließlich gar Junior Leonhard Gretz und lieferte damit den Höhepunkt der fast dreistündigen Empörung an die sich eine Besichtigung der Biogasanlage anschloss.

Nix zu machen – Peter Hauk sah zusammen mit CDU-Landtagskandidat Ansgar Mayr die Gülleverordnung als unvermeidlich.

„Ich gebe ihnen in allen Teil recht“, reagierte der Landwirtschaftsminister nicht minder empört über diese und viele andere Agrar-Bestimmungen. Viel mehr als ein hilfloses Schulterzucken blieb ihm jedoch nicht. Deutschland habe nun mal „massiv verstoßen gegen die Nitrat-Richtlinien der EU“ und deshalb sei es unmöglich gewesen, die Düngeverordnung abzuwenden, sagte Hauk. In einer Tour d`horizon hatte er zuvor die Skandale in der fleischverarbeitenden Industrie („wegen dieses Einzelfalls darf man nicht das Instrument der Werkverträge abschaffen“) ebenso gestreift, wie die seiner Ansicht nach überzogenen Forderungen bei der Schweinemast und zum Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Es dürfe keine weiteren Zugeständnisse mehr geben an die „grüne Front der Gutmenschen“, die die Landwirtschaft verantwortlich machen wollen für Arten-, Boden- und Pfanzensterben. Wer wie die Grünen 120 Prozent biologischen Anbau fordere, sei der Totengräber der bäuerlichen Familienbetriebe.

Trackback von deiner Website.

Kommentare (1)

  • Avatar

    Harald Kann

    |

    Als Antwort auf: Protest
    Wer sonst als die Landwirtschaft soll denn verantwortlich sein Arten-, Boden- und Pflanzensterben? Etwas wir Bürger? Indirekt vielleicht schon, wenn wir unsern Umgang mit Lebensmitteln nicht ändern. Aber freiwillig ändert kaum jemand was. Das geht leider nur mit Verordnungen und Gesetzen. Und da muss man halt bei den Lebensmitteln-Produzenten anfangen.

    Und das hatte ich heute (25.06.2020) bei t-online gelesen:
    „Soja aus Brasilien für Kühe in Europa, deren Milch als Pulver nach China verkauft wird: Es ist ein durchoptimierter Kreislauf, der bei betriebswirtschaftlicher Betrachtung außerordentlich lukrativ ist. Bei nüchterner Betrachtung ist er pervers.“

    Auch die Landwirte müssen endlich begreifen, dass wir uns alle in einem Umbruch befinden. Ob Klima- oder Corona-Krise. Nichts wird mehr sein wie es mal war. Anstatt Energie fürs Selbstmitleid zu verschwenden, wäre es besser nach vorne zu schauen und die Herausforderungen für den Umbruch anzunehmen.

    Reply

Kommentieren

Home Footer Links