PREFAG-Bau verzögert sich

Diesel-Gate und Corona gingen an dem größten Walzbachtaler Unternehmen nicht spurlos vorbei

Für die Prosperität einer Gemeinde ist die Höhe der Gewerbesteuer einer der wesentlichsten Indikatoren. Walzbachtal tut sich damit schwer. Die zur Verfügung stehenden Gewerbeflächen sind vergeben. Flächenmäßige Entwicklungsmöglichkeiten stehen im Moment nicht mehr zur Verfügung. Wesentliche Entlastung brachte auch nicht das neue Gewerbegebiet im Wössinger „Hafnersgrund“. Nach dem ersten Spatenstich am 26. Juli 2017 war das Gebiet schon bei der Übergabe im September 2018 vollständig vergeben. Damit hatte sich der Flaschenhals der gewerblichen Entwicklung in Walzbachtal erneut geschlossen.

Umso überraschender ist es, dass der Löwenanteil des schon seit zweieinhalb Jahren erschlossenen Gewerbegebiets brach liegt. Die 37.000 Quadratmeter große Fläche, die sich die Wössinger Firma PREFAG aus dem zur Verfügung stehenden Kuchen von insgesamt 57.593 Quadratmetern geschnitten hatte, liegt immer noch nahezu unberührt. Die Bauarbeiten haben sich bisher beschränkt auf das Schaffen eines riesigen Plateaus, das das Fundament der PREFAG-Hallen bilden soll. Mit einer Änderung des Bebauungsplans hat sich die Firma sogar eine eigene Zufahrt sichern lassen.

Noch in einer Presseerklärung am 7.September 2018 hatte die Betriebsleitung darauf hingewiesen, dass das Werk auf den 11.000 Quadratmetern am gegenwärtigen Standort in der Prefagstraße an seine Kapazitätsgrenze stoße. Bereits 2017 mussten Teile des Logistikbereichs in das Gebäude des ehemaligen Lebensmittelmarkts Edeka an der Wössinger Straße ausgelagert werden. Der Präzisionsdrehteile-Hersteller platzte an seinem derzeitigen Standort aus allen Nähten. Die räumlichen Kapazitäten an der Prefagstraße seien spätestens 2020 ausgeschöpft, versicherte das Unternehmen in einer Presseerklärung im September 2019. Der in Walzbachtal ansässige Zulieferer von hochminiaturisierten Baugruppen für Weltunternehmen verdoppelte binnen acht Jahren die Zahl seiner Mitarbeiter von 160 auf 350. Ein erster Baustart im Hafnersgrund war deshalb auf Ende 2019 signalisiert worden.

Umso größer ist die Verwunderung über die mittlerweile so lange brach liegende Fläche. Sie gibt im Dorf natürlich vielen Rätsel auf. Jürgen Umhang räumt jetzt ein, dass alles nicht so schnell gehen werde. Die wirtschaftliche Situation von PREFAG sei zwar stabil sagt der Vorsitzende der PREFAG-Leitung. Seine Firma habe aber im letzten Jahr mit mehreren Herausforderungen zu kämpfen gehabt, die entsprechend gut gemeistert worden seien. PREFAG sei als Zulieferer für die Automobilindustrie auch von deren Krise betroffen. Die Dieselgate-Affäre und die anschließende Corona-Pandemie hätten für seine Firma deutliche Auftragsverschiebungen gebracht. Deshalb hätten die ursprünglichen Planansätze nicht vollumfänglich realisiert werden können. Das vor zwei Jahren noch erwartete, sich fortschreibende Wachstum habe durch diesen Einschnitt nicht realisiert werden können. Das werde Auswirkungen auf das geplante Bauvorhaben Haffners Grund haben. Der Baubeginn werde sich aufgrund der allgemeinen unsicheren Wirtschaftslage in Deutschland und Europa allerdings um zwei bis drei Jahre verzögern.

Nachdem aufgrund eines Vermessungsfehlers die vorbereitete Fläche noch einmal nachgearbeitet werden musste, sei die Bauplanung dort weiter vorangetrieben worden. Nachdem sämtliche Rückfragen seitens des Bauamtes bearbeitet und beantwortet worden seien, werde derzeit noch immer auf die Baugenehmigung gewartet. In der Bauabteilung der Gemeinde reagierte man überrascht auf diese Mitteilung. Das Baurechtsamt des Landratsamtes bestätigte jedoch, dass noch Fragen des Brandschutzes geklärt werden müssten. Das werde voraussichtlich im Laufe des kommenden Monats geschehen, informiert der Sprecher des Landratsamtes, Martin Zawichowski.

In dieser schwierigen Corona Situation habe PREFAG alle Maßnahmen zum Schutz seiner Mitarbeit ergriffen und umgesetzt, versichert Jürgen Umhang. Hierzu zählten unter anderem Homeoffice, Maskenpflicht, Mindestabstände, Schichttrennungen, regelmäßiges Lüften und noch manches andere. Darüber hinaus sei ein PREFAG Corona-Stab eingerichtet worden, der sich regelmäßig mit dem Thema Corona-Pandemie auseinandersetze. PREFAG bleibe damit nach wie vor ein relativ sicherer Ort.

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