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Ex-denkmalgeschützt soll die Jöhlinger Straße 116 einem Neubau weichen.

Präzedenz oder nicht

Großes Bauvorhaben in der Jöhlinger Straße geplant
Die Jöhlinger Straße ist Kernpunkt der baulichen Entwicklung in Jöhlingen. Eine Vielzahl an historischen Bauten konzentriert sich dort. Große Teile wurden aber auch schon abgerissen. Jetzt soll es auch dem Haus Jöhlinger Straße 116 so ergehen. Die Wössinger Simon Ingenieurgesellschaft plant dort den Neubau eines Mehrfamilienwohnhauses mit elf Wohneinheiten und Tiefgarage und elf Stellplätzen. Das Landratsamt hat bereits im vergangenen Jahr die Genehmigung zum Abbruch erteilt.

Der auf dem Haus ruhende Denkmalschutz wurde auf Betreiben des Bauherren im letzten Jahr aufgehoben. Man habe der Denkmalschutzbehörde überzeugend darlegen können, dass eine wirtschaftliche Nutzung des historischen, mit einem schönen Torbogen versehenen Gebäudes nicht mehr möglich sei, erklärt Frank Simon auf Nachfrage. Er wolle in einer „vernünftigen Verdichtung mit viel Grün“ in moderner Bauform ein Passiv-Energiehaus errichten. Die Bebauung überschreite mit ihren 5137 Kubikmetern nicht die bisherige Kubatur.

Die Gemeindeverwaltung sieht Art und Maß der baulichen Nutzung sowie die Bauweise denn auch unkritisch. Die Nutzung von Potentialflächen im Innenbereich werde von Seiten der Verwaltung begrüßt, heißt es in der Verwaltungsvorlage. Die Firsthöhe des geplanten Neubaus entspreche nahezu dem Altbestand. Nach Paragraph 34 des Baugesetzbuches sei ein Neubau dann zulässig, wenn sich das Gebäude in die Eigenart der näheren Umgebungsbebauung einfügt. Das Ortsbild darf durch das Bauvorhaben nicht beeinträchtigt werden.

Ein Pferdefuß bleibt. Der Bau soll in dritter Reihe erstellt werden. Doch bereits 2001 und 2009 wurden aus genau diesem Grund Bauvoranfragen für dieses Grundstück abgelehnt. Die Gemeinde befürchtete damals, dass ein Präzedenzfall geschaffen werden könne. Ein deshalb vorgeschlagener Bebauungsplan kam wegen mangelndem Interesse weiterer betroffener Grundstückseigentümer nicht zustande.

Not amused reagiert ein großer Teil der Anlieger auf die Bauvoranfrage. Insbesondere von Nachbarn im Bereich der Freiheitstraße wird das Bauvorhaben sehr kritisch gesehen. In der Nachbaranhörung äußert beispielsweise Emil Kohler gewaltige Bedenken. Er fürchtet eine große optische Beeinträchtigung für sein Grundstück. Entscheiden über seine Bedenken soll der technische Ausschuss des Gemeinderats nach einem Vor-Ort-Termin am Montagabend in seiner um 18:30 Uhr folgenden Sitzung in der Scheune des Wössinger Hofs.

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Kommentare (10)

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    Michael

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    zum Beitrag „Präzedenz oder nicht

    Ich denke nicht, dass sich in dieser Lage 11 Wohnungen verkaufen lassen, schließlich schlägt die Kirchturmuhr alle 15 Minuten 🙂

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      stephanie

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      Zum Beitrag „Präzedenz oder nicht

      Wenn die Häuser an der Bundesstrasse beim Badischen Hof verkauft werden, warum dann nicht hier? Nur wegen der Kirchenglocken? Wenn man länger dort wohnt hört man sie auch nicht mehr. Ich höre bei uns die Stadtbahn auch nicht mehr vorbeirauschen. Schade finde ich nur, dass wieder ein altes Gebäude weichen muss.

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        Kirchplatz

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        Das Bewußtsein registriert den Lärm vlt. nichtmehr, aber das Trommelfell sehr wohl und das leitet den Impuls über das Innenohr – Nerv ins Gehirn, sofern vorhanden :-). Das ist es was auf lange Sicht krank macht.

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    Philipp

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    Zum Beitrag „Präzedenz oder nicht

    Würde zu Jöhlingen passen ein weiteres historisches Gebäude verfallen zu lassen um es dann abzureißen. Siehe Wiesenmühle usw. Auch bei der sog. Ortskernsanierung hat man viel Potential verspielt. Wie es anders geht zeigt Weingarten…

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    Siggi

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    Es wohnen soviele ältere Menschen schon ihr ganzes Leben im Bereich des Kirchplatzes, man kann auch anfangen Flöhe husten zu hören. Krank macht nicht der Kirchenschlag sondern die Grundeinstellung der Menschen.

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      Lars

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      leider komplett falsch. Lärm ist messbar = Dezibel, da spielt es keine Rolle, was das Geräusch emmitiert. Der Uhrschlag der Kirchturmuhr ist im Sinne des BimSch zu prüfen und nach den Vorschriften der TA Lärm zu beurteilen: Werden die Grenzwerte eingehalten, darf weiter „gebimmelt“ werden 4 mal die Stunde. Wenn nicht nicht.
      Das Morgenläuten ist durch die Freiheit zur Religionsausübung geschützt, aber deswegen nicht weniger schädlich. Für beides wäre es aber ein Akt der Nächstenliebe, wenn die Kirche von 22-6 Uhr auf den Uhrschlag und auch auf das morgentliche Weckläuten verzichten würde.

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    Lars

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    Das sich das Leben seit 1780 grundlegend geändert hat, haben Sie aber mitbekommen? Bei der Kirche habe ich da jedenfalls meine Zweifel, was dort so einige Themen betrifft…. Es gibt Regelungen und Gestze, die Grenzwerte definieren, damit aus und fertig. Und diese gelten für alle. Ganz simpel.

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    Glockenfreund

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    Der Uhrschlag ist wohl durchgängig, aber was das „Läuten“ betrifft: Zwischen 22 Uhr abends und 6 Uhr morgens läuten die Glocken der kath. Kirche überhaupt nicht!
    Das erste „Tagesläuten“ am Morgen (ist wohl das, was hier als „Weckläuten“ bezeichnet wurde) ist das 3-minütige Angelusläuten (mit einer einzelnen Glocke) um 6.01 Uhr; das letzte Läuten am Abend das ebenfalls 3-minütige Angelusläuten um 20.01 (im Sommer; im Winter läutet es bereits um 18.01 Uhr!)
    Später als beim Angelus läutet eigentlich nichts mehr.
    Allerdings gibt es im WInterhalbjahr Ausnahmen: Da üblicherweise donnerstags und alle paar Wochen auch mal samstags um 18.30 Uhr Gottesdienst ist, wird hier jeweils 10 Minuten vorher per Geläute eingeladen.
    Auf jeden Fall läutet nach 20.05 Uhr gar nix mehr, weder Sommer oder Winter, werktags oder Sonntags. Die einzige Ausnahme ist zum Jahreswechsel, und da fällt bei all dem Lärm das Läuten ganz bestimmt nicht mehr ins Gewicht.

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    Raimund Würtz

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    “Der Lärm ist die impertinenteste aller Unterbrechungen, da er sogar unsere Gedanken unterbricht, ja zerbricht. Wo jedoch nichts zu unterbrechen ist, da wird er freilich nicht sonderlich empfunden werden.“ Arthur Schopenhauer

    Dieses Phänomen ist jedem bekannt durch leidenschaftliche Aufführungen der Politiker oder sonstiger Diskutanten. Die Frage ist, ab wann Geräusche als störender Lärm wahrgenommen werden. Hier einige Parameter zur Problemerfassung: Frequenz, Lautheit (dB), Impulshaltigkeit, Schärfe, Rauhigkeit, Dauerhaftigkeit, Periodizität. Es kommt viel zusammen, wenn die Glocken läuten… Verweise auf die Historie sind schnell auch Steilvorlage für Fehlinterpretationen. Um 100 n.Chr. soll es im alten Rom so laut gewesen sein, dass mancher am Krach erkrankt ist oder gar an den Folgen starb. Im alten China nutzte man Lärm als Foltermethode. Menschen wurden mit einer großen Glocke, deren Anschlagsimpuls Stressreaktionen hervorrief, die nach relativ kurzer Zeit zum Tode führten, hingerichtet.
    Amnesty Internatioal berichtet, dass Lärm vermehrt auch heutzutage der Folter von Menschen dient. Auch “weiße Folter“ genannt, weil später keine Spuren nachgewiesen werden können. Ob wir alle bewusste Folterer sind, sei dahin gestellt. Lärmend ist unsere Gesellschaft allemal und ein Rechtfertigungsgrund dafür findet sich immer. Gott sein Dank gibt es die Evolution, die das Krankmachende, ja das Tödliche überwindet. Damit erübrigt sich die Diskussion über Lärm …

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    Siggi

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    Natürlich hat sich das Leben in den letzten 200 Jahren geändert keine Frage. Wenn sich Richtlinien, Regelungen und Gesetzte ändern, egal zu welchem Zeitraum und egal wo, müssen sich entsprechend die Gemeinden und auch Städte daran halten. War früher so, ist heute so, und daran wird sich auch nichts dran ändern. Zweifler gabs früher schon und die wird es leider immer und überall geben.

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