Header

Platzt der Kragen?

Gondelsheimer Kritik an der Planung der Schnellbahnstrecke

Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil. Der grobe Klotz, der den Gondelsheimern ab dem 10. April mit der Sperrung des Bahnübergangs für 205 Tage vor die Füße gelegt wird, wurde denn auch während einer Informationsveranstaltung in der Saalbachhalle mit deutlichen Worten belegt. Ein Unding sei es, diese Hiobsbotschaft erst am 30. August erhalten zu haben, meinte beispielsweise Markus Rupp.

Der Vorlauf sei viel zu kurz gewesen, um von Seiten der Gemeinde genügend Zeit zu haben, ausreichend Notfallpläne auszuarbeiten. Gastronomie, Wirtschaft, Landwirtschaft und Pendler würden von der Sperrung ungeheuer in Mitleidenschaft gezogen. Auswirkungen habe die Maßnahme auf viele andere Maßnahmen in der Gemeinde, da Arbeitskraft gebunden werde. Beeinträchtigt werde etwa der Feuerwehrhausbau. „Da könnte ich schon mal laut werden“, nutzte er sein ausfallendes Mikrophon für eine Gemütsbeschreibung.

Was an Notfallplan bis dato dennoch gelungen ist, stellte der Bürgermeister in vielen Details vor, angefangen von dem Schotterparkplatz, der für die Bewohner des östlich gelegenen „Schlossbuckels“ diesseits der Bahnlinie eingerichtet werden wird, über den Ersatz-„Wertstoffhof light“ oder eine mobile Einkaufsmöglichkeit für den Osten. Am 18. und 19. Juni werde es ein großes Ost-West-Fest geben.

Eine Ausweichmöglichkeit zwischen Gondelsheim und Diedelsheim über den Postweg schloss Rupp ebenso aus wie zuvor schon sein Brettener Kollege Michael Nöltner während der Informationsveranstaltung in Diedelsheim (die BNN berichteten). Das komme aus Sicherheitsgründen nicht in Frage.

Teil der Bemühungen ist eine funktionale Fußgängerbrücke, die keine „architektonische Kostbarkeit“ sei, wie Projektleiterin Anke Engelmann einräumte. Von Markus Rupp als „wenig mobilitätsfreundlich aber unverzichtbar“ eingeschätzt. Schließlich wolle man alle Gefahrensituationen an der Stelle minimieren, meinte der Bürgermeister und erinnerte daran, dass an der Stelle vor nicht allzu langer Zeit ein Schüler zu Tode gekommen sei. Bei allen Bemühungen werde man die entstehenden Probleme nicht lösen, sondern nur lindern können.

Der Büchiger Ortsvorsteher Uve Vollers bat um Informationen über Halteverbote in der Büchiger Hügellandstraße

Eine solche Situation mit der kompletten Spaltung der Gemeinde habe niemand anders als Gondelsheim. Trösten kann da nicht, dass die Bahn mit Gondelsheim ein wenig mehr Mitgefühl als mit anderen betroffenen Gemeinden zeigt. Während in Diedelsheim der Bahnübergang schon am 2. April geschlossen wird, wird das in Gondelsheim erst am 10. des gleichen Monats erfolgen.

Viel mehr Trost hatte DB-Netze-Vertreter Rüdiger Weiß nicht parat für die genau 110 Besucher der Informationsveranstaltung. Die Bahn sei in der Pflicht, den Menschen zwischen Mannaheim und Stuttgart während der Sanierungsarbeiten der Schnellbahnstrecke einen Ausweichstrecke anzubieten. Nach 30 Jahren weise die Schnellbahnstrecke einen immensen Sanierungsbedarf auf. 380 Kilometer Schienen müssten raus und auf 300.000 neuen Schwellen und 200.000 Tonnen Schotter wieder rein.

Unvermeidlich sei damit die Überlastung der Ausweichstrecken, die nur mehr wenig Spielraum zur Öffnung der betroffenen Bahnübergänge biete. „Da wird ihnen manchmal der Kragen platzen“, befürchtete die Anke England.

Weit in die Zukunft musste sie mit dieser Befürchtung nicht schauen. Schon in der unmittelbar folgenden Fragerunde platzte dem ein oder anderen Besucher der Kragen und zeigte massives Unverständnis für die komplette Schließung des Bahnübergangs. Die Notwendigkeit der Maßnahme wollte dennoch niemand in Frage stellen.

Dennoch gab es für Markus Rupp den wohl lebhaftesten Beifall des Abends, als er von der Bahn forderte: „Das ist nichts, was Gondelsheim ein zweites Mal erleben darf“. Der Bahnübergang müsse dringlichst beseitigt werden.

Dazu mochten sich die DB-Netze-Vertreter nicht äußern. Wohl aber gaben sie das Versprechen ab, dass die Maßnahme am 31. Oktober abgeschlossen sei, zumal sie sich unter der direkten Beobachtung des Vorstandes der Bahn sähen, wie Anke Engelmann abschließend informierte.

Trackback von deiner Website.

Kommentieren

Home Footer Links