Header

Opferzahl steigt

Drei weitere Tote im Losenberg / Krise bringt auch Gutes hervor

Fest im Griff hat die Corona-Pandemie das Wössinger Seniorenzentrum Losenberg. Das räumt die Heimleitung auf der Titelseite der Homepage ein. Von 76 Bewohnern sind nach den am Dienstag abgeschlossenen Tests 37 infiziert. Die Demenzabteilung ist nicht betroffen. Abgeschlossen sind die Tests der 85 Mitarbeiter. Zwölf sind ebenfalls positiv. Die ersten kommen nach ihrer Genesung wieder zurück.

Drei weitere Bewohner sind in der Zwischenzeit gestorben, so informierte Heimleiter Frank Huck. Die Zahl der Opfer steigt damit auf sechs. Wie die Entwicklung unter den positiv Getesteten weiter gehe, könne er nicht prognostizieren, meinte Huck: „Wir müssen die nächsten Tage abwarten, ob weitere Todesfälle durch die Krise hinzukommen.“

Der Wössinger Losenberg ist eines von zehn Heimen, das im Landkreis von der Diakonie betrieben wird. In den anderen neun Einrichtungen fanden bisher keine Testungen statt. informiert Gudrun Mund, Geschäftsführerin des Trägers Diakonie. Deshalb zermartere man sich den Kopf, wie es zum Eindringen des Virus in den „Losenberg“ habe kommen können. Er frage sich natürlich – so ergänzt Frank Huck, „was wir hätten anders machen können oder früher und was noch auf uns zukommt.“ Als Eingangsschneise mochte Huck Mitarbeiter nicht ausschließen.

Im ganzen Haus würden alle an einem Strang ziehen und daran arbeiten, die Auswirkungen so gering wie möglich zu halten. „Dafür geben wir alles,“ sagt Huck. Die Mitarbeiter engagierten sich in einer Art über das übliche Maß hinaus, das unvorstellbar sei: „Sie kämpfen für ihre Bewohner“. Die Arbeit sei wegen der hohen Temperaturen in den letzten Tagen sehr schwer: „Die Mitarbeiter kochen unter den Schutzanzügen“. Das normale Pflegepersonal habe die Herausforderung alleine nicht mehr stemmen können, aber auf viel personelle Unterstützung aus den anderen Häusern der Diakonie im Landkreis zurückgreifen können.

Bei der Bewältigung der Herausforderungen habe sich viel Gutes entwickelt, das im Normalzustand gar nicht zum Vorschein gekommen wäre, meint Gudrun Mund. Der Zusammenhalt werde auch die zukünftige Arbeit im Losenberg prägen. Das Personal leiste unter Frank Huck und der Pflegedienstleiterin Sahra Muratovic hervorragende Arbeit, um die Katastrophe so schnell wie möglich einzudämmen, lobt Gudrun Mund. Die Kooperation mit der Geschäftsführung, so gibt Huck das Lob zurück, klappe hervorragend.

Die große Krise sei „über uns gekommen trotz der vielen Schulungen und Vorsichtsmaßnahmen“, und obwohl schon bald das Haus für jeglichen Besucherverkehr gesperrt worden sei, sagt Huck. Das Virus sei eben „brutal tückisch“. Schwierig sei es gewesen, sich die notwendige Schutzkleidung zu besorgen. Die normalen Lieferketten seien weggebrochen. Sehr schnell habe es Engpässe gegeben.

Selbstverständlich habe man mit Umstellungen der Arbeitsabläufe im Haus reagiert. Die sehr beliebten und im großen Saal durchschnittlich mit 40 Personen besuchten Gottesdienste und Bingo- Nachmittage, seien ebenso sofort abgesetzt worden wie Gymnastik oder Singen. Die Bewohner müssten auf alle gemeinsamen Veranstaltungen verzichten. Das Essen werde schon seit Wochen nicht mehr im Speisesaal eingenommen, sondern in die Zimmer gebracht. Dennoch wolle man den Charakter der Kasernierung der Bewohner vermeiden. Alltagsbetreuung versuche man bei den nicht Betroffenen aufrecht zu erhalten. Bei positiv Getesteten werde das nach dem Ablauf der Quarantäne wieder aufgenommen. Die Infizierten seien räumlich getrennt worden und würden von einem festen Mitarbeiterstamm versorgt. Dafür habe man mittlerweile eine ausreichende Anzahl an Schutzkleidungen, zumal das Haus nach der Bestätigung der ersten Infektion vom Landratsamt sehr gute Unterstützung erhalten habe. Die Isolierungsmaßnahmen hätten selbstverständlich Auswirkungen auf den psychischen Zustand der Bewohner. Aber alle reagierten äußerst geduldig, berichtet Frank Huck.

Sehr verständnisvoll hätten auch die Angehörigen reagiert. Sie seien seit dem 13.März ausgesperrt, informiert der Heimleiter. So wurde z.B. ein  größerer Betrag gespendet, mit dem man immer wieder Bestellungen für das Personal bei einer örtlichen Pizzeria finanziere. Überhaupt erhalte das Haus, sofern es noch geht, von außen hervorragende Unterstützung. Eine Delegation des Posaunenchors habe vor dem Haus ein kleines Platzkonzert gegeben, dem die Bewohner bei gekippten Fenstern zuhören konnten. Der Akkordeonring habe sich ebenso beteiligt wie eine kleine Gruppe von Sängern. Kleine Gesten, die in diesen schweren Zeiten mehr als willkommen sind.

Trackback von deiner Website.

Kommentieren

Home Footer Links