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OB überfordert

Viel Dampf in die Diskussion um Hochwasserschutzmaßnahmen entlang des Saalbachs hat das Hochwasserereignis in Ruit gebracht. Den Dampf lässt jetzt der Ruiter Ortsvorsteher Aaron Treut ab. Er übt in einem persönlichen Beitrag außergewöhnlich scharfe, direkte Kritik an Oberbürgermeister Martin Wolff und wirft ihm Untätigkeit und persönliches Versagen vor. Hier seine Kritik im Wortlaut:
Als Ortsvorsteher der betroffenen Ortschaft Ruit bin ich sowohl enttäuscht als auch verärgert über die Aussagen und das Verhalten des Oberbürgermeisters zum Thema Hochwasser und Hochwasserschutz. Nach dem Hochwasser vom 01.06.2013 gab es auf mein Betreiben hin einen Hochwasserkatalog für Ruit, der in die Hochwasserkonzeption des Ingenieurbüros Wald & Corbe mit eingeflossen ist. Unter Anderem habe ich in diesem Hochwasserkatalog die Gründung eines Hochwasserschutzverbandes gefordert. Das war am 11.07.2013. Andere Bürgermeister haben sich im Laufe der nächsten Monate dieser Forderung angeschlossen, wie z.B. Herr Rupp aus Gondelsheim im Okt. 2013. Seither sind fast 3 Jahre vergangen in denen nach meinem Empfinden so gut wie nichts passiert ist. Ich kann mich lediglich an Einzelmaßnahme wie Baggerarbeiten im Bachbett Diedelsheim, an eine Schutzmauer an der Jugendmusikschule und einen Beckenbau in Neibsheim erinnern. Erst jetzt in der kommenden Gemeinderatssitzung soll es einen Beschluss geben, dass man so einen Schutzverband überhaupt haben möchte. Eine Umsetzung von Maßnahmen ist dadurch aber noch lange nicht erfolgt. Das gebetsmühlenartige Herunterbeten des Oberbürgermeisters, dass es angeblich kein Mittel gegen solche Regenereignisse gibt, ist inhaltlich völlig falsch und nur als Schutzbehauptung zu sehen. Die Realität sieht anders aus. Sicherlich kann man ein Hochwasser nicht verhindern, aber man kann zumindest versuchen die Wassermassen entsprechend zu lenken, wenn man das nur will. In der Vorstellung der Hochwasserkonzeption für Bretten und Umgebung durch das Ingenieurbüro Wald & Corbe am 23.10.2013 im Gemeinderat war als eine der Hauptmaßnahmen eine Dammerhöhung am Einlaufbauwerk der Bachverdolung in Ruit für etwa 30.000€ vorgesehen. Diese wurde in den Maßnahmenplan auch so aufgenommen. Um diese Maßnahme kostengünstig und schnell umzusetzen, habe ich am 05.02.2016, nachdem hier viel zu lange nichts passiert ist, den Antrag gestellt, dass der Erdaushub aus dem Ruiter Wohngebiet „Am Knittlinger Weg“ ins obere Tal als Dammerhöhung eingebracht wird. Aber statt die Erde in Ruit zu behalten wurde sie nach Kleinvillars an einen Landwirt vergeben, der diese seit Wochen fleissig abfährt. Die Anwohner im Ruiter Tal schauen dabei mal wieder in die „Röhre“. Man muss einfach mal die Frage an den OB stellen, welche Maßnahmen zum Hochwasserschutz seitens der Stadtverwaltung in den letzten 3 Jahren wirklich umgesetzt oder bewilligt wurden? Die Antwort dürfte recht ernüchternd und die Aufzählung sehr überschaubar bleiben. Außer zu prüfen (das Lieblingswort und die Lieblingstätigkeit unseres OB’s) ist hier empfindungsgemäß nämlich nicht viel passiert. Seit fast 3 Jahren hört man Entschuldigungen und erfährt eine Verzögerungstaktik die mit „Keine Schnellschüsse machen“ begründet wird. Helfen tut das den betroffenen Menschen aber nicht. In Ruit wurden am vergangenen Mittwoch 18 Häuser und Grundstücke vom Hochwasser heimgesucht, mindestens ein Drittel davon hätte man durch geeignete Maßnahmen retten können. Weitere Maßnahmen müssen daraufhin auch folgen. Dass die Ruiter Festhalle nicht noch zusätzlich ein Opfer der Flut wurde, ist lediglich einigen freiwilligen Helfern zu verdanken die sich in Gefahr begeben haben und eine im Wasser befindliche Absperrung entfernt haben die auch leicht einen Rückstau in Richtung Dorfzentrum verursacht hätte. Es ist erfreulich, dass Alles zum Thema Hochwasserschutz in Bretten und Diedelsheim laut Aussage des OB’s funktioniert hat. Das war in Ruit leider nicht der Fall. Die Meinung des OB’s kann ich leider in keinem einzigen Punkt teilen, da in Ruit die Situation eine ganz andere ist. Befremdlich für mich ist die Reaktion des OB vor allem deshalb, weil Martin Wolff neben mir stand, als Ruit von der zweiten Hochwasserwelle, die übers Tal kam, getroffen wurde. Zum einen hat das viel gerühmte Sandsackmanagement völlig und nachhaltig versagt. In Ruit spielten sich dadurch peinliche Szenen ab, als ein kleiner LKW mit lediglich 3 Gitterboxen Sandsäcke anrückte und dies am Ruiter Dorfbrunnen ablud. Diese reichten gerade um eine ca. 20m breite Kette zu verlegen. Als die Leute fragten wie es weiter gehen würde, kam die Aussage, dass es nicht mehr gibt für Ruit, da Bretten und Diedelsheim ja schließlich auch gefährdet seien. Weiterhin wurde vom OB vor Ort am Abend mehrfach die Aussage getroffen, dass man den Damm im Ruiter Tal ja nicht erhöhen könne, weil das ja ein Schnellschuss wäre. Ein Schnellschuss der von Wald & Corbe bereits vor 3 Jahren untersucht und vorgeschlagen worden war, der mehrfach eingefordert wurde? Was muss man von einem Stadtoberhaupt halten, das in einem Katastrophengebiet auftaucht und mehrfach die Aussage von sich gibt: „Man kann da nichts machen!“ Die Aussage dass die Bürgerinnen und Bürger zunehmend routinierter mit der Situation umzugehen wissen, ist ein Schlag ins Gesicht eines jeden Geschädigten, die in Ruit nach bekannt werden des online Interviews der Brettener Woche bereits für sehr viel Unmut gesorgt hat. Und „mit einem blauen Auge davon gekommen zu sein“ wie es der OB sieht, ist mitten in dieser brisanten und verzweifelten Lage, in der sich viele Ruiter Bürgerinnen und Bürger befanden und noch befinden, ein sehr schlechter Trost und entbehrt jeglicher Empathie. Nach den Aussagen des OB’s an diesem Abend und seinem Interview, muss ich bekennen dass ich mich als Ortsvorsteher meinen Mitbürgerinnen und Mitbürgern gegenüber aus tiefstem Herzen geschämt habe, für diese untätige Verwaltung zu arbeiten. Ich kann meine betroffenen Ruiter Mitbürger nur um Verzeihung bitten und versichern dass ich alles in meinen Kräften stehende tun werde um weitere Schäden in dieser Art so gut es geht zu verhindern. Ich kündige deshalb an, falls ich bis zum kommenden Winter noch keine Maßnahmenumsetzung der Stadtverwaltung in Ruit feststellen kann, ich in Abstimmung mit den entsprechenden übergeordneten Fachbehörden, dem Nabu und vor allem mit Hilfe vieler Ruiter Bürger, die sich dafür angeboten haben, die geforderten Maßnahmen selbst umsetzen werde. Entsprechende Maschinen und Erde für den Dammbau sind in Ruit vorhanden. Das Budget für die Sonderhaushaltsmittel 2017 sollte für diese Maßnahme ausreichend sein. Andere Projekte, für die unsere Sonderhaushaltsmittel vorgesehen waren, müssen wir dann wohl oder übel zurückstellen. Eine längere Untätigkeit kann und werde ich weder tolerieren noch weiter hinnehmen. Weiterhin sind Pflegearbeiten an den Bachläufen mehr als dringend notwendig. Wenn die Stadtverwaltung hier weiterhin auf Verzögerungstaktik setzt, obwohl Maßnahmen ausdrücklich bewertet und ausgewiesen sind, dann muss Ruit diese Taktik nicht zwangsläufig mitgehen. In diesem Fall wäre eine Beschwerde über den OB beim Regierungspräsidium wegen Untätigkeit zu prüfen und ich behalte mir diesen Schritt auch vor.   Aus der Analyse der aktuellen Hochwassers in Ruit ergibt sich für mich folgender Maßnahmenkatalog: 1.) Gefüllte Sandsäcke werden im Rathaus und im Feuerwehrhaus in Ruit in Zukunft gelagert, hierzu hat der Ortschaftsrat bereits einen Beschluss gefasst. 2.) Großeinläufe in die Bachverdolung beim Krabbenbrunnen, am Eingang Schützenweg und am Wiesengrund zwischen Bauschlotter Str.1 und 3 sind zu installieren. 3.) Bankette von Gehwegen und Hofeinfahrten sind für eine Oberflächenableitung im Straßen Bereich auf zu profilieren. 4.) Rückhaltungen / Dammbauten im oberen Tal bei der Kreitermühle und im Bereich Einlaufbauwerk (wie oben beschrieben) sind aufzubauen bzw. zu verstärken. 5.) Zulaufreduzierung in die Bachverdolung und vorgebauten Rechen sind einzubauen. 6.) Schutzwände bei den Grundstücken nahe des Einlaufbauwerkes sind aufzubauen. 7.) Ein Ableitungsgraben von der Bauschlotter Straße auf Höhe Haus Nr. 17 in den Wald ist auszugraben. 8.) Oberflächenableitung im Gewann Alet-Geisbrunnen zum Salzachtal ist umzusetzen. 9.) Ableitungsgraben oberhalb des Neubaugebietes „Am Knittlinger Weg“ Richtung Bretten ist ebenfalls umzusetzen. 10.) Kontinuierliche und regelmäßigere Wartung der vorhandenen Straßeneinläufe. Aaron Treut, Ortsvorsteher   In einem persönlichen Schreiben bedankt sich Aaron hingegen bei den vielen Helfern, die schnell und ohne Prüfen zu Schlamm-Schaufel, Pumpen und Besen griffen  

Einzigartig

Ortsvorsteher dankt den Helfern des Hochwasserereignisses für die Hilfsbereitschaft und Solidarität

Nachdem die Hochwasserflut am Abend des 08. Juni unseren Stadtteil völlig überraschend traf, wurde dank der Kommunikation über die sozialen Medien innerhalb kürzester Zeit die katastrophale Situation in Ruit bekannt und rief viele freiwillige Helfer, auch aus benachbarten Gemeinden auf den Plan. Betreiber von online Portalen wie Hügelhelden.de berichteten von über 10.000 Klicks innerhalb von 30 Minuten.   Was wir dann in Ruit erfahren durften war einzigartig und von unschätzbarem Wert. Nicht nur dass die Einsatzkräfte der Feuerwehr einen erstklassigen Job verrichteten, sondern auch der selbstlose Einsatz vieler unaufgeforderten Helfer, die tatkräftig mit anpackten bei der Schlammbeseitigung und beim Ausräumen der überfluteten Gebäudeteile und Höfe, war für alle Betroffenen eine große Entlastung und auch moralische Stütze. Mir jedenfalls erging es so, dass sich die riesige Anspannung langsam minimierte, als sich plötzlich junge Leute einfanden, die wortlos mit Hand anlegten, während ich mit den Schlammmassen kämpfte. Diese außergewöhnliche Solidarität und Hilfsbereitschaft und das lückenlose Zusammenwirken aller verfügbaren Kräfte im Dorf haben dazu beigetragen, diesen schweren Schicksalsabend durchzustehen.   Ich war tief beeindruckt und unendlich dankbar, wie schnell und problemlos Hand in Hand gearbeitet wurde. Mein Respekt und tiefer Dank gilt allen Helferinnen und Helfern von Ruit und auswärts, allen Einsatzkräften der Freiwilligen Feuerwehr, die Außerordentliches geleistet haben, dem Technischen Hilfswerk, dem Deutschen Roten Kreuz und Baubetriebshof, der Polizei, den Nachbarn, Freunden und nicht zuletzt der Ruiter Nachbarschaftshilfe, dank deren raschen Handelns wichtige organisatorische Maßnahmen ergriffen wurden. Sehr betroffen und schockiert waren wir alle über die lebensgefährliche Verletzung eines Feuerwehrkameraden beim Einsatz in Ruit. Ich wünsche ihm von Herzen einen stabilen Heilerfolg. Meine Gedanken sind bei ihm und seiner Familie. Allen Betroffenen, die noch immer mit den schmerzlichen Auswirkungen der Überflutung zu kämpfen haben, wünsche ich viel Kraft und Erfolg bei der Schadensbehebung

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