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Nachdenklich und tief berührt

Viele Emotionen beim Adventskonzert des Chores an der Versöhnungskirche Jöhlingen
Ja, wo ist er denn, der Chorleiter? Das mag sich manch ein Zuhörer in der katholischen Kirche St. Martin in Jöhlingen gefragt haben, als die Musiker vom Kammerorchester Weiherfeld schon mal Platz genommen hatten, um die Instrumente für das Konzert des Chores an der Versöhnungskirche zu stimmen. Und dann wurde man überrascht von harmonischer Orgelmusik – zurückhaltende Klänge im Wechsel mit einem kraftvollen Klangteppich, der einen Laien vielleicht ein wenig an den 70er-Jahre-Artrock von Genesis erinnerte. Es waren die Christmas Pipes von Brendan Graham. Während man die letzten Töne noch genussvoll im Geiste nachschwingen ließ, erschien der Organist und Maestro dieses Abends, Hauke Lemberg, auch schon eine Etage tiefer im Kreise seiner Sänger und Musiker.
Das Publikum in der nahezu voll besetzten katholischen Kirche „Sankt Martin“ ließ sich zu Beginn zu einem schüchternen Applaus hinreißen, fiel jedoch sogleich in die gewohnte „Disziplin“, während des Konzertes keinen Mucks von sich zu geben, um an Ende seiner Freude mit umso größeren Ovationen Ausdruck zu verleihen. Die Freude war gerechtfertigt, aber sie war in diesem Jahr eine vielleicht etwas gedämpfte, weil nachdenkliche Freude, die zu den „nachdenklichen Zeiten“ passte, in denen wir momentan leben, wie es Pfarrer Oliver Hoops in seinem Schlussort formulierte.
Chorleiter Hauke Lemberg sagte zur Auswahl der Werke, dass er nach einem teilweise eher experimentellen, fast schon herausfordernden „Abdriften“ mit Karl Jenkins im letzten Jahr dieses Mal „einen Schritt zurück“ treten, den Schwerpunkt auf eine Musik setzen wolle, die gefällig ist, Emotionen transportiert und die Herzen der Menschen direkt erreicht. So legte er sein Augenmerk hauptsächlich auf weihnachtliche Musik von Max Reger und auf die Messe brève no. 7 von Charles Gounod, einem Komponisten des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Also Musik aus einer geschichtlich spannenden Zeit, Kunst zwischen Klassik und Moderne.
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Eine Orchesterfassung dieser Messe hatte bis dahin nicht existiert und wurde von Lemberg eigens für diese Aufführung geschrieben. Und so durften die Zuhörer das Wechselspiel zwischen Chor und den beiden Solistinnen Sandra Danyella, Sopran und Sigrun Bornträger-Knorre, Mezzosopran, genießen. Dabei wurde der Chormusik in diesem Jahr wieder deutlich mehr Raum gegeben, was viele Freunde dieser besonders im Advent gern gepflegten Klänge sehr gefreut haben dürfte.
Mal romantisch, mal fast schon meditativ – das sind Eindrücke, die man bei zwei Stücken von Felix Mendelssohn-Bartholdy und Stuart Townend, dem britischen Schöpfer zeitgenössischer Hymnen und christlicher Musik, empfunden haben mochte. Es war eine weitere künstlerische Nuance, die auf wunderbare Weise den roten Faden dieses Abends ergänzte – eingängige Musik im besten Sinne des Wortes auf hohem Niveau zu bieten. Das Publikum dankte es den Beteiligten mit einem langanhaltenden herzlichen Applaus.
Man darf wohl vermuten, dass Hauke Lemberg an diesem Abend Kraft schöpfen konnte für den 3. Advent 2017, denn das ist der Tag, an dem er mit allen 150 Sängerinnen und Sängern seiner Chöre zwischen Pfalz und Kraichgau das 25-jährige Jubiläum seines Wirkens für den Chor an der Versöhnungskirche in Jöhlingen feiern wird.

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