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Metzger-Sorgen

Offener Brief des Ex-OB an den Landrat wegen Regional-Express

Sehr geehrter Herr Landrat Dr. Schnaudigel.
Ich werde immer wieder auf die bekannt gewordene Streichung des bisher durchgängigen DB-Regional-Express zwischen Heidelberg und Stuttgart angesprochen. Die Kappung mit zusätzlichen Umsteigebeziehungen in Mühlacker und Bruchsal würde den Reisekomfort und die Fahrzeit für die Pendler nach Stuttgart und Heidelberg und damit die Standortqualität der an der Strecke liegenden Städte und Gemeinden deutlich verschlechtern. Das sehe ich, wie Sie wissen, ebenso.

Der Mittelbereich Bretten zählt innerhalb des Regionalverbands Mittlerer Oberrhein zu den Wachstumsregionen. Eine maßgebliche Verschlechterung der Verkehrsinfrastruktur durch Wegfall der bewährten Expresszugverbindungen wäre für mich deshalb regionalplanerisch völlig unverständlich. Sachgerecht haushalten können Staat und Kommunen nur, wenn sie mit den betriebswirtschaftlichen Zielen auch deren volkswirtschaftlichen Auswirkungen bedenken. 1995 haben das die Landkreise Ludwigsburg, Enzkreis und die Stadt Bretten in einer konzertierten Aktion mit der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg, der sich später auch der Landkreis Karlsruhe angeschlossen hat, erfolgreich praktiziert. Die Erhaltung der Direktverbindung wurde damals abgesichert, weil sich die Kommunen zur Mitfinanzierung bei der Beschaffung von modernen Expresszügen durch die DB bereiterklärt haben. Wegen der großen Verkehrsbedeutung für das Mittelzentrum die Stadt Bretten mit einer Million ins Obligo gegangen. Nach der späteren Förderung durch den Landkreis Karlsruhe hat sich dieser Betrag auf 500.000 DM reduziert.

Dank der modernen RE-Züge haben sich die Fahrgastzahlen danach vielfach und die Beschäftigungssituation und damit nicht zuletzt auch die Steuerkraft im Mittelbereich Bretten ständig und z.T deutlich verbessert. Über höhere Kreisumlage-Zahlungen und über den Finanzausgleich haben daran auch der Landkreis, das Land und der Bund partizipiert. Das darf durch nur vordergründige Sparbemühungen nicht in Frage gestellt werden. Schnelle Verbindungen sind für die wirtschaftliche Entwicklung in jeder Region von größter Bedeutung. Stadtbahn-Bummelzüge sind dafür kein adäquater Ersatz, sondern lediglich eine wichtige Ergänzung des SPV. Fahrgäste aus dem Mittelbereich Bretten, Arbeitnehmer und Arbeitgeber, fordern deshalb zu Recht die Beibehaltung der durchgängigen RE-Verbindung zwischen Heidelberg und Stuttgart. Im übrigen wird von Anrainern beklagt, dass nach Streichung der RE-Züge die freiwerdenden Kapazitäten für zusätzliche Güterzüge genutzt werden und von der DB-Hauptstrecke eine weitere Verlärmung ausgehen würde. Es kann davon ausgegangen werden, dass das nicht stillschweigend hingenommen wird.

Sehr geehrter Herr Landrat. Die Streichung der durchgehenden RE-Verbindung Heidelberg-Stuttgart hat Verkehrsminister Winfried Hermann mit Kosteneinsparungen für das Land begründet. Dort wo schon verdichtete Angebote bestehen (Stuttgart-Mühlacker-Karlsruhe und Karlsruhe-Bruchsal-Heidelberg) soll weiter verdichtet werden.

Die negativen Auswirkungen auf den Wirtschaftsraum Bretten und dessen Verflechtungen mit Stuttgart und Heidelberg wurden entweder nicht hinterfragt, oder wissentlich in Kauf genommen. Auch die denkbaren zusätzlichen finanziellen Belastungen des Landkreises für den Stadtbahn-Ersatzbetrieb zwischen Mühlacker, Bretten und Bruchsal wurde m.E. nicht gebührend gewürdigt. Ich sehe deshalb nach wie vor Bedarf, die Entscheidung des Landes nochmals auf den Prüfstand zu stellen.

Für Ihre Unterstützung wäre ich Ihnen auch als Mitglied im Vorstand der Vereinigung BRETTENER Unternehmen sehr dankbar. Aus gleichem Grund habe ich diesen offenen Brief auch den Abgeordneten im Wahlkreis Bretten zugeleitet.

Mit freundlichen Grüßen und persönlich allen guten Wünschen für 2017
Paul Metzger, Oberbürgermeister a. D.
Ehrenbürger der Melanchthonstadt Bretten
Mitglied im Kreistag und Regionalverband Karlsruhe
Unternehmensberater

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