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Mehr als nur ein Beschrieb

Sozialbericht zeigt Steuerungsmöglichkeiten auf

(PM)  Der Kreistag hat in seiner jüngsten Sitzung, die am 18. Juli in der Ravensburghalle in Sulzfeld stattfand, den Sozialbericht des Landkreises Karlsruhe fortgeschrieben. Dieser enthält wesentliche Daten und ermöglicht die Beobachtung längerfristiger Entwicklungstrends. Die jüngste Fortschreibung ist durch den Bevölkerungszuwachs geprägt, der auch auf die seit 2014 verstärkte Zuwanderung im Rahmen der Flüchtlingskrise

sowie der arbeitsmarktbedingten Zuwanderung vor allem aus südosteuropäischen EU-Beitrittsstaaten zurückzuführen ist. Bei der Unterbringung und Betreuung, insbesondere auch von unbegleiteten Minderjährigen, mussten Landkreis und Kommunen enorme Herausforderungen bewältigen. Inzwischen sind die Flüchtlingszahlen deutlich rückläufig und die Aufgaben der Sozialverwaltung verlagern sich zunehmend in die Anschlussunterbringung vor Ort. Als wervolle Ergänzung staatlicher Leistungen hat sich das ehrenamtliche Engagement erwiesen.

Vor dem Hintergrund steigender individuelle Leistungen der Erziehungs- und Eingliederungshilfe wie z.B. bei Autismus-Spektrum-Störungen oder bei Teilleistungsstörungen für schulpflichtige Kinder braucht es eine Hilfeinfrastruktur, die von der Geburt eines Kindes bis zum Berufseinstieg reicht. Die mit dem Begriff „Präventionskette“ bezeichnete Handlungsstrategie setzt auf eine Vernetzung mit anderen Einrichtungen und Diensten aber auch auf eine Förderung von Elternverantwortung. Am Wachsen sind Erziehungshilfen, auch für Kinder aus geflüchteten Familien bzw. zugewanderten Familien aus Südosteuropa. Zentrale Aufgabe ist die Schaffung eines ausreichenden und qualifizierten Betreuungsangebotes in Kindertagesstätten. Wegen der Einklagbarkeit des Platzanspruches standen in der Vergangenheit Angebote für Kinder unter drei Jahren im Fokus. Eine große Zahl an Plätzen wurde geschaffen, was aber einen finanziellen Kraftakt erforderte. So sind die Aufwendungen für die laufenden Betriebs- und Personalkosten ohne Gebäudeinvestitionen trotz umfangreicher Landesförderung gegenüber 2015 um 32 % gestiegen. 70 % der erzieherischen Hilfen betreffen Kinder alleinerziehender Eltern bzw. von Stieffamilien. Die Präventionsstrukturen und Beratungen der Sozialen Dienste und der Psychologischen Beratungsstellen zielt deshalb auf die gemeinsame Elternverantwortung ab. Große Bedeutung wird dem gelingenden Übergang junger Menschen in den Beruf zugemessen. Der Ausbau der Schulsozialarbeit an den allgemeinbildenden und beruflichen Schulen, die Angebote der Jugendberufshilfe und der „Kümmerer“ für junge Geflüchtete geben zusammen mit Projekten im Rahmen des Europäischen Sozialfonds gezielte Hilfestellungen. Im Aktionsbündnis Schule/Beruf, in dem unterschiedliche Träger zusammenarbeiten, werden die Hilfen insgesamt abgestimmt und koordiniert.

In der Hilfe zur Pflege für ältere Menschen, aber auch im Bereich der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung sind die Auswirkungen der demographischen Entwicklung deutlich spürbar: die Zahl der Menschen, die ambulant und stationär versorgt werden müssen, steigt. Durch die Ausrichtung der Kreispflegeplanung auf ambulante und teilstationäre Tagespflegeangebote ist es im Landkreis gelungen, ein flächendeckendes Bedarfsgerechtes Angebot vorzuhalten. Der weitere Ausbau vorstationärer Angebotsstrukturen entspricht den Wünschen der Betroffenen nach einem selbstbestimmten Leben. Weiter zu nimmt auch die Zahl der Menschen in Eingliederungshilfe und mit psychischen Erkrankungen. Durch eine individuelle Teilhabeplanung und den Ausbau ambulanter und familienentlastender Angebote können hier notwendige Hilfen zunehmend außerhalb von Einrichtungen erbracht werden. Gleichzeitig kann durch eine wohnortnahe und sozialraumorientierte Ausrichtung der Leistungsangebote steuernd auf die sich verändernden Bedarfe eingewirkt werden.

„Der Sozialbericht ist viel mehr als nur eine Bestandsaufnahme wichtiger sozialer Entwicklungen“, führte Landrat Dr. Christoph Schnaudigel aus. Aus der Analyse erwachsen konkrete Maßnahmen, um neuen Entwicklungen und Herausforderungen gerecht zu werden. Der Landrat verwies hierzu insbesondere auf die Sozialraumorientierung und Quartiersentwicklung, wo beschrieben wird, wie die Gesellschaft in einem beteiligungsorientierten Prozess generationengerecht weitergeführt werden kann. Kritik übte er gegenüber Bund und Land in Bezug auf das Bundesteilhabegesetz; von der anfänglichen Bereitschaft im Hinblick auf eine Kostenbeteiligung sei aktuell nicht mehr viel zu hören, und dies, obwohl mit Kostenerhöhungen um 15 bis 20 % zu rechnen seien. Zu befürchten sie weiterhin, dass es bei der Umsetzung einen erhöhten bürokratischen Aufwand gebe mit der Folge, dass bei den Betroffenen kaum finanzielle Verbesserungen ankommen.

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