Meditieren für die Freiheit

Furcht um Einschränkung der Grundrechte

Die Rechtsverordnung der Landesregierung „über infektionsschützende Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus“ stoßen nicht bei allen auf Gegenliebe. Nicht wenige Bürger begreifen die Auflagen als Einschränkung ihrer Grundrechte. Es gibt sie auch in Bretten. Seit April protestiert jeden Sonntag eine Gruppe auf dem Marktplatz mit einer “Meditation für Freiheit“. Gestern trafen sich dazu genau 64 Teilnehmer aus Wössingen, Oberderdingen, Gondelsheim und selbstverständlich aus Bretten selbst.

Die Aktion traf nicht bei allen auf Verständnis. Anwohner des Marktplatzes brachten am Marktbrunnen etwas abseits vom Geschehen ihren Unwillen zum Teil drastisch zum Ausdruck: „Wenn ich in meinen Laden einen ohne Maske reinlassen würde, dann müsste ich gleich zahlen wie ein Blöder“, zeigte der Besitzer eines benachbarten Modegeschäfts gegenüber Ordnungsamtsleiter Simon Bolg wenig Verständnis für die auf dem Pflaster Kauernden. Ein anderer Anwohner des Marktplatzes pflichtete ihm bei und tröstete sich gleichzeitig: „Einen Lichtblick gibt es bei der skurrilen Gesellschaft: Es werden wenigstens nicht mehr.“

Das wollte Günter Stahl nicht stehen lassen. Im April habe er mit 15 Gesinnungsgenossen spontan an einem Sonntag begonnen. Schon beim nächsten Mal seien es 35 gewesen. Seither habe sich die Gruppe regelmäßig jeden Sonntag auf dem Marktplatz getroffen, sei immer größer geworden und bis auf 65 Teilnehmer angewachsen. Die Verordnungen der Infektionsbekämpfung seien ein Vorwand, um systematisch die Grundrechte einschränken zu können. „Wir aber wollen das Grundgesetz schützen, friedlich und gewaltfrei,“ argumentierte Stahl.

Für Andreas Krall, der als Versammlungsleiter für den Anmelder Günter Stahl in die Bresche sprang, hatte die gestrige „Meditation für Freiheit“ genau das unter Beweis gestellt. Das Meditieren sorge für die notwendige Gelassenheit, um selbst mit der Polizei oder der Presse „ganz ohne jede Aufregung“ sprechen zu können. In der Tat hatte Günter Stahl während einer kurzen Ansprache der Polizei, darunter auch Polizeirevierleiter Bernhard Brenner, „ganz, ganz herzlichen Dank“ für die Anwesenheit ausgesprochen. „Wir brauchen eine Polizei, die nicht missbraucht wird“, sagte er.

Das Polizeirevier war in der Tat mit einem massiven Aufgebot vor Ort. Acht Polizisten dürften es gewesen sein, die rund um den Marktplatz Position bezogen hatten, um das Geschehen zu beobachten. Darunter auch ein Beweissicherungs- und Dokumentationsbeamter. Anfangs habe man noch auf das Abstandsgebot der Landesverordnung hinweisen müssen, berichtete Bernhard Brenner.

Diskussion Über Ordnungsgeld mit Ordnungsamtsleiter Simon Bolg

Ordnungsamtsleiter Simon Bolg musste mit Unterstützung von Assistentin Christine Klein ebenfalls noch ein wenig für Ordnung sorgen. Es sei kein Versammlungsleiter gemeldet worden. Der habe zunächst festgelegt werden müssen. Der Oberderdinger Andreas Krall habe sich kurzfristig bereit gefunden und sei vor Beginn auf die Spielregeln hingewiesen worden.

So vorbereitet ging dann tatsächlich alles ordentlich und friedlich über die Bühne des Marktplatzes. Bei zwei Grad hatten sich viele Teilnehmer ohne Schuhe auf ISO-Matten auf dem kalten Pflaster niedergelassen und meditierten still, ehe Anita Schad zum gemeinsam gesungenen Deutschlandlied aufforderte, gefolgt von der Europahymne. Die „Gedanken sind frei“ hingegen – die 1848er Revolutionshymne – dürfte die Gruppe als eher kritischen Ton angestimmt haben, ehe sie sich nach einer halben Stunde friedlichen Protestes wieder auflöste.

Zum Schluss noch die Nationalhymne

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Kommentare (9)

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    Lars

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    “ Nicht wenige Bürger begreifen die Auflagen als Einschränkung ihrer Grundrechte.“

    Das ist nicht nur Empfinden, es IST eine massive Einschränkung der Freiheitsrechte. Das ist FAKT. Ist diese Einschränkung nötig? Das ist die Frage. Im Frühjahr, als niemand irgendetwas über das Virus wusste, kann man das verstehen. Aber jetzt, 1 Jahr später? Die Behörden habe es nicht geschafft, eine Konzept auf dei Beine zu stellen, das es uns Bürgern ermöglicht, ein weitgehend normales Leben zu führen. Es wird derzeit auf die hohen Todeszahlen als Begründung für den härtesten Lockdown der Nachkriegszeit verwiesen. Warum hat man in 10 Monaten keine Infrastruktur aufgebaut, die genau diejenigen schützt, die an (oder MIT) Covid19 sterben, die über 80 Jährigen? In der Altersgruppe bis 70 gibt es keine 2000 Todesfälle.Fakt. Kein Fakenews oder „Quergedenke“. Schützt die Alten, dann ist ein kompletter Lockdown mit massiven Kollateralschäden in der Wirtschaft, dem Einzelhandel und unserer Jugend nicht nötig. Die Einschränkungen können deutlich milder sein. Netter Nebeneffekt: Die Milliarden an Staatshilfe sind gar nicht nötig und können in besser bezahltes Pflegepersonal, besser ausgestattete Krankenhäuser, die Ihr Angebot nicht nach wirtschaftlichen Punkten ausrichten müssen und besser ausgestattete Gesundheitsämter, die auch Inzidentien von 100 Neuinfektionen nachvollziehen können investiert werden. Und schon sind noch weniger Einschränkungen nötig.

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      Ernst

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      Hallo Lars,
      bei so viel Fachwissen solltest Du unbedingt in die Gesundheitsbranche wechseln 😉
      Spass beiseite. es geht beim Lockdown nur darum die Systeme (Krankenhäuser, Intensivstationen usw.) nicht zu überlasten. Die waren in den letzten Wochen auf Anschlag. Bei Überlastung sterben Menschen, die unter normalen Bedingungen ohne Probleme kuriert/gerettet werden können und nicht nur an Covid (Unfall, Sepsis, Schlaganfall, Infarkt……) . Das ist, entschuldige den Ausdruck, ALTERNATIVLOS!

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    Lars

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    wenn in der ALtergruppe bis 70 keine 2000 Menschen gestorben sind, und in der über 80 35.000 verstehe ich einfach nicht warum man diese Gruppe nicht schützt. Das sind die schweren Verläufe, die auch die Intensivstationen belasten. Aber da Konzepte zu erarbeiten, ist ja nicht nötig. Gibt ja das Mittel des Lockdowns, muss man nicht nachdenken sondern einfach nur neue Schulden machen. Der Lockdown funktioniert, keine Frage. Ist er Alternativlos? Ich glaube nicht. Man muss bei derart heftige Grundrechtseinschränkungen immer im Auge behalten, ob nicht ein anders Mittel auch zum Ziel führt. Und da hapert es derzeit gewaltig. Aber seien Sie ruhig von der Alternativlosigkeit überzeugt. Macht Ihnen die Akzeptanz auch einfacher. Ich Kann dies nach Monaten der Untätigkeit und Fehlentscheidungen und einseitiger wissenschaftlicher Beratung unserer Regierung nicht mehr. Ich halte mich an die Regeln, aber nicht mehr aus Überzeugung. Wenn ich jetzt noch das Turboimpfen in unserem Land anschaue…Versagen mit der Konsequenz weiterer Grundrechtsentzüge…

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      Ernst

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      Auch ich finde den Lockdown, wie viele Andere auch, zermürbend. Die Gefahr von Covid besteht nicht nur wie schon beschrieben in resultierenden Toten in Risikogruppen. Du möchtest aber zu deren „Eigenschutz“ alle Risikogruppen „wegsperren“, also deren Freiheit zum Freiheitsgewinn der nicht Risikogruppen noch stärker einschränken. Was sämtliche zu erarbeitenden „Konzepte“ letztendlich bedeuten würden.
      Man könnte das natürlich wohlwollender formulieren. Ich bin überzeugt, dass viele Fachleute sich viel Gedanken machen, aber was letztendlich herauskommt muss gerecht sein und ist an viele Variablen geknüpft.
      Alle zusätzlichen Konzepte kosten Allerdings auch Geld und wer als erstes schreit, wenn auf Grund von Konzepten und Maßnahmen die Gebühren (Krankenkasse, Steuern…) steigen, kann ich mir gut vorstellen….
      Übrigens bin ich selbst überrascht wie schnell manche Entscheidungen im Vergleich zu vor-Corona-Maßstäben ablaufen.

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      Nachbar

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      @ Lars:
      Lügen werden nicht zur Wahrheit, nur weil man sagt, dass es die Wahrheit ist:
      Oder sind die 5754 Leute, die jünger als 70 verstorben sind (Stand 26.01.) irgendwie nicht in deiner Statistik aus dem Oktober angekommen?

      „https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1104173/umfrage/todesfaelle-aufgrund-des-coronavirus-in-deutschland-nach-geschlecht/

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        Waidelich Arnd

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        Ich möchte jetzt aber doch darum bitten, diese Corona-Diskussion in der bundesweiten Variante zu beenden.

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    Lars

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    bei 400Mrd€ NACHTRAGSHAUSHALT wg Corona sollte genug Geld vorhanden sein, jeden Mitarbeiter, jeden Besucher und alle anderen Personen beim Kommen und verlassen von Pflegeeinrichtungen zu testen. Genau die Milliarden, die an Hilfen dann nicht nötig sind. Und schon werden Infektionen frühzeitig erkannt. Aber vielleicht haben einfache logische Denkansätze in diesem Land keine Chance, weil wir nur kompliziert können. Und leider gibts es in diesem Land die Gruppe der „Querdenkenden“, die dafür sorgen, dass Menschen, die kritische Fragen stellen gleich in deren Ecke gestellt werden. Bleib du bei deiner Überzeugung, dass dies alles nötig ist. Ist ja dein gutes Recht. Lass mir auch das meine, der festen Überzeugung zu sein, dass aufgrund von Unfähigkeit, Inkompetenz und Bürokratentum uns Einschränkungen aufgezwungen werden, die in diesem Umfang nicht nötig wären und noch riesige Konsequenzen haben werden. Denk an meine Worte, wenn du in ein paar Jahren durch unserer Innenstädte gehst…

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      Waidelich Arnd

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      Ich will schon wieder den Zeigefinger heben, liebe Kommentatoren. Guckt mal auf den Titel dieser Website: Neues aus der Region. NadR will regionale Informationen liefern, keine nationalen, schon gar keine internationalen. Genau so würde ich mir das bei den Kommentaren wünschen. Wenn jemand regionale und besser noch lokale Informationen zu dem Thema Corona hat, bitte sehr. Aber bitte hier keine Diskussionen führen, die auch in Buxtehude oder in Berlin geführt werden könnten.

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        Radfahrer

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        Als Antwort auf: Meditieren für die Freiheit Als Antwort auf: Waidelich Arnd 👍

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