Lösungen müssen her

Kindergartenleiterinnen üben heftige Kritik an der Landesregierung

Erst jüngst sorgten zwei positive Corona-Tests im Jöhlinger kommunalen Kindergarten „Arche“ für Aufregung. Mittlerweile sind dort drei Personen positiv getestet, im benachbarten Hort eine weitere. Für die Ärztin Florine Groß, die die Abstrichaktion durchführte, steht fest: „Es ist wahrscheinlich, dass bei ähnlichen Testreihen in anderen Einrichtungen ähnliche Fälle entdeckt werden würden.“

Angst und Sorge vor Ansteckung gingen schon vorher um und nicht nur unter den Walzbachtaler pädagogischen Fachkräften. Jetzt, da Infektionen in allen Altersgruppen stark zunehmen, wächst diese Angst. Kindergärten und Schulen seien keineswegs die ungefährlichen Orte, als die sie von Bundes- und Landesregierung immer wieder mantrahaft beschrieben werden, sagt Sabine Gemmel-Krauß. Politik und Politiker verhielten sich scheinheilig. Dass Landesvater Winfried Kretschmann einzig das Stoßlüften als  Gebot der Stunde empfiehlt, empfindet nicht nur sie als Zumutung.

Von Kindern im Kindergartenalter unter sechs Jahren das Einhalten von Abständen zu erwarten sei einfach nicht realistisch. Kinder in diesem Alter würden immer wieder auf dem Boden spielen. Die Böden aber wie auch das Zimmer selbst würden durch das Stoßlüften zu sehr abgekühlt. „Das Rezept Stoßlüften ist gerade in der Winterzeit schwer durchzuhalten“, ist Nadine Kühn überzeugt. Sobald das Zimmer sich temperaturmäßig vom Stoßlüften wieder erholt habe, müsse schon wieder geöffnet werden.

Während im Landesparlament in Stuttgart umfänglich Lüftungssysteme eingebaut worden seien, werden diese den Kindertagesstätten verweigert. „Wir fühlen uns von den politisch Verantwortlichen und vom Landesgesundheitsamt im Stich gelassen“, meint die Leiterin der Wössinger kommunalen Kindertagessstätte „Moby Dick“. Das Landesgesundheitsamt lasse beispielsweise in Kaufhäusern auf zehn Quadratmetern nur einen Kunden zu. In den Kindergarten hingegen werde mit weniger als drei Quadratmetern pro Kind gerechnet.

Als geringe Wertschätzung der Arbeit in den Kindergärtenempfindet das alles Nadine Kühn. Wer fordere, dass Schulen und Kindergärten unter allen Umständen offen bleiben müssen, der müsse auch das Not-wendige tun und finanzieren. Not-wendig wäre ein umfassendes Hygiene-Konzept, das sich nicht auf das Stoßlüften beschränkt. Schließlich hätten die Kindergärten und Schulen enorme Bedeutung für das Funktionieren der Wirtschaft und sogar des Home Office. Wenn dort die Betreuung wegbreche, werde auch die Wirtschaft in Mitleidenschaft gezogen.

Die Corona-Problematik werde überdies verstärkt durch ungute Entwicklungen im Personalbereich. Die Landesregierung konterkariere nach dem Motto „Hauptsache es geht irgendwie weiter“ die von ihr propagierte Qualitätsoffensive. Tür und Tor würde geöffnet, um minder qualifziertes Personal einstellen zu können. „Eigentlich hatte ich gedacht dass wir uns von diesem Denken verabschiedet hätten“, zeigt Gemmel-Krauß wenig Verständnis.

Während die Zusammenarbeit und das Finden von zeitnahen Lösungen in der Gemeinde Walzbachtal vorbildlich funkioniere, empfinde sie die Vorgehensweise der Landesregierung als Zumutung. Sie plädiert für eine von den politisch Verantwortlichen erarbeitete und finanzierte Lösung, die sich vor allen Dingen auf Lüftungssysteme stützen müsse. Und das solle möglichst nicht so langsam und schleppend wie die Digitalisierung der Schulen vorangeht, teilt sie einen Seitenhieb auf das Kultusministerium aus. Sie versuche im Moment alles um Landtagsabgeordnete und politische Entscheidungsträger für diesen Weg zu gewinnen und rührt kräftig die Werbetrommel dafür.

Lob hat Sabine Gemmel- Krauß und Nadine Kühn für die Eltern übrig. Sie verhielten sich sehr verantwortungsbewusst und ließen ihre Kinder bei den Kleinsten Symptome schon zu Hause. Den Kita-Alltag meistere man mit unzähligen, penibel ausgeklügelten Hygienekonzepten. Eltern trügen durchweg Masken beim Bringen und Abholen. Doch es vergehe keine Woche, in der nicht Tests stattfinden. Da Infektionen in allen Altersgruppen rasant zunehmen, wächst im Team verständlicherweise die Angst vor Ansteckung.

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Kommentare (1)

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    Lars

    |

    Als Antwort auf: Lösungen müssen her
    Die strikte Gruppentrennung verstärkt nur ein altbekanntes Problem. Schon früher wurden Öffnungszeiten eingeschränkt wegen krankheitsbedingt fehlendem Personal. Wie wäre es, wenn die Gemeinde dem Betreuungsauftrag nachkäme und die Einrichtungen ganz einfach mit ausreichend Mitteln ausstatten würde? Für einen Kreisel ist ja auch ne halbe Million € da…Und die Erzieher mal endlich einen Lohn erhalten, der den Beruf nicht nur aus persönlichem Idealismus attraktiv macht…Und mal so nebenbei, es gibt Bundesländer, das kostet ein Betreuungsplatz…. „Trommelwirbel“…nichts….

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