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Loddelt in Frieden

Jöhlinger Guggemusiker gestalten Narrenmesse

Harald Maiba ist kein Pfarrer der traurigen Art. Er lebt einen fröhlichen Katholizismus und hat das an vielen Stellen schon bewiesen, so etwa mit seinen legendären Auftritten als Boxer im Namen des Herrn bei der Brettener Bütt.

So verwundert es keineswegs, dass er eine Anfrage von Loddler-Dirigent Thomas Widmann sofort positiv beantwortete, zusammen mit seinen Guggenmusikern eine Narrenmesse in Sankt Martin zu feiern.

Die Katholiken spürten gern der Freude nach, meinte Maiba, „weil sie in unserem Glauben eine große Rolle spielt.“ Von der gab es am Samstagabend in Sankt Martin eine große Portion. Schon beim Einmarsch, den der Pfarrer zusammen mit Guggen zu den Klängen des „Narcotic“ absolvierte, war davon viel zu spüren und die ersten rhythmischen Bewegungen waren in den bis auf den letzten Platz besetzten Kirchbänken zu sehen, später auch einiges Schunkeln. „Schön, dass wir eine so kräftige Musik dabei haben!“, freute sich der närrische Pfarrer und mischte selbst kräftig mit.

Zur Predigt zupfte er plötzlich eine rote Pappnase aus dem Altar und schnallte sich das närrische Teil ins Gesicht. Selbst seine Predigt hatte er in närrische Reimform solcher Art gegossen. Beispiel: „Liebe Kinder, liebe Frommen, heut sind wir zur Mess mit den Narren gekommen, um zu beten mit den Loddlern aus Jöhlingen, die können besser spielen als singen.“

Doch auch am Ambo beherrschten die ihre neue Rolle perfekt. Loddler-Vorsitzende Stefanie Jung machte dort zunächst bei einer gemeinsamen Ansprache mit Joachim Seeger eine gute Figur, später auch bei den gemeinsamen Fürbitten, die sie mit einem „Gehet hin und loddelt in Frieden“ abschloss. So richtig bedächtig war es also während des Gottesdienstes nicht. Zwar war zum „Credo“ oder dem „Friedensgruß“ auch die traditionelle Orgelbegleitung zu hören. Ansonsten aber beherrschten Basstrommel, Trompeten oder Rasseln das Kirchenschiff.

Ganz ruhig wurde es nicht nur während der eucharistischen Teile des Gottesdienstes, die ganz selbstverständlich eingebettet waren. Ruhig nahmen die Narren auch die Segnung ihrer neuen Kostüme entgegen, selbst als der Pfarrer sie großzügig mit Weihwasser bespritzte und ein gelegentliches Zucken kommentierte mit einem: „Ein bisschen nass muss man dabei auch werden“

Besonders gefreut haben dürften sich Thomas Widmann (der sich am Ende mit einer Flasche Eierlikör beim Pfarrer bedankte) und seine närrische Truppe über eine Schlussbemerkung von Harald Maiba. Aus dem gelungenen Auftakt könne durchaus eine kleine Tradition entstehen, so meinte er und so war wohl auch die Meinung der zahlreichen Gottesdienstbesucher, die auf diese Bemerkung mit starkem Applaus reagierten. Im persönlichen Gespräch nach dem Gottesdienst war denn auch die Stimmung eindeutig: “Super“ sei der Gottesdienst der anderen Art gewesen, lustig und die eingefahrenen Bahnen verlassend.

Damit war rund um die Kirche allerdings noch lange nicht Schluss mit lustig. Die „Loddler“ hatten sich zu ihrem traditionellen Vorglühen nicht weniger als sechs befreundete Guggenmusik-Gruppen eingeladen. Die Basselschorra aus Büchenau, die Spöcker Scheireborzla, das Männerballett Olching, die Bääreglopfa aus Keltern und die Grötzinger Notenchaoten sorgten für mächtig Rabatz im benachbarten Speyerer Hof. Selbst Bürgermeister Timur Özcan hatte seine wahre Freude an dem Treiben in der Scheune des Speyerer Hofs.

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