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Licht aus

Mit Albert Kunz schließt die letzte Walzbachtaler Metzgerei

Der Letzte, der geht, macht das Licht aus. Nach diesem Motto wird es am 27. Juli ganz schön duster in Walzbachtal. Denn am 27. Juli schließt der Letzte aus der Zunft der Metzger in Walzbachtal seine Tore. Albert Kunz hat die tägliche Ochsentour zwischen seiner Wurststube in der Grombacher Straße und seinem Laden in der Jöhlinger Straße satt.

Die Kosten und die räumliche Entfernung zwischen seinen beiden Standorten seien ihm einfach zu viel geworden, sagte er mir gegenüber.

Mit einem Plakat in der Schaufensterscheibe in seinem Laden in der Jöhlinger Straße 69 verabschiedet es sich von seiner Kundschaft: „Abschied ist oftmals nicht leicht aber manchmal muss es dennoch sein. Mit einem weinenden und einem lachenden Auge teile ich Ihnen mit, dass ich meine Metzgerei schließen werde“.

Ein Schritt der ihm nicht leicht fällt. Der geborene Wössinger und Sohn des ehemaligen Wössinger Adlerwirts Albert Kunz ist tief in Walzbachtal verwurzelt. „Ich bin mit fast allen meinen Kunden per Du“, sagt er und man spürt förmlich den Abschiedsschmerz. Selbstverständlich erinnert er sich noch gut und gern an die alten „Adler-Zeiten“, als sein schwergewichtiger Vater als einer der dicksten Wirte Deutschlands galt.

Albert Kunz Senior mit den Wössinger Originalen Heinrich Wagner, Franz Weckesser und einem Onkel am Stammtisch im ehemaligen Wössinger Adler.

Der 52-jährige („Ich hab schon noch ein paar Jährchen vor mir“) wird seinen Ausbildungsbetrieb Meinzer in Neureut übernehmen. In der zweiten Septemberwoche wird es dort in der Kirchhofstraße 111 für ihn weitergehen.

Nach ihm bleibt aus der Reihe der ehedem vielen Bäcker und Metzger in Wössingen und Jöhlingen nur mehr die Wössinger Bäckerei Friebolin übrig. Horst Friebolin ist allerdings gewillt, die Bäcker-Fahne aufrecht zu halten.

Dennoch bleibt es nach wie vor fast beängstigend, wie viele schon gegangen sind. Ich habe mir mal die Mühe gemacht und bin die Gassen durchgefahren und will hier ohne Wertung all die Läden auflisten, bei denen die Inhaber aus den verschiedensten Gründen aufgegeben haben.

Ex-Metzer und Ex-Gärtner Seestraße
Ex-Lamm Wössinger Straße
Ex-Apotheke Wössingen
Ex-Primo Wössinger Straße
Ex-Einzelhandel Stöckle Wössinger Straße
Ex-Bäckerei Nussbaumer
Bald Ex-Kunz
Ex-Gerweck
Ex-Bohmüller
Ex-Kaiser, Ex-WJVS – bald neues Bürgerbüro.

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Kommentare (11)

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    ARO

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    Als Antwort auf: Licht aus
    Ja, es ist beängstigend. Und ich finde es für jeden einzelnen schade. Jeder hat seine eigenen Beweggründe. Aber müssen wir uns nicht alle an die eigene Nase fassen? Immer nur „jammern“ aber dann selbst zum Vollsortimenter rennen ist aus meiner Sicht fast schon scheinheilig. Leider ist dieses Phänomen nicht nur in Walzbachtal zu beobachten sondern seit vielen Jahren Deutschland weit. Und selbst das Argument „Preis“ zieht nicht wirklich. Würde jeder, so wie früher, am Ort kaufen, wären die Preise nicht viel höher als beim Discounter.
    Schade.

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    Thomas

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    Tja, und somit wird Walzbachtal zum “ Black Hole“. Wenn dann noch die Umgehung kommt ist es endgültig vorbei mit dem Einzelhandel.
    Die erwähnten „Ex“ sind noch lange nicht alle. Viele werden sich noch erinnern was Walzbachtal mal alles hatte. Von Fahrad über Motorrad, mehrere Metzgereien, Bäckereien, Textilgeschäfte etc. Wer hat jetzt noch Interesse an Walzbachtal? Industrie? Familien?

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    Manu

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    Sehr guter und trauriger Bericht zugleich. Allerdings muss ich anmerken, dass Bäckerei Nussbaumer und Gerwick, nur die Standorte verändert haben und nicht geschlossen haben. Zudem sollte man berücksichtigen, dass hinter diesen beiden Bäckereien keine Handwerkskunst dahinter steht, sondern fertige Industrieware. Ob man das dann als traurig bezeichnen kann, dass diese Läden geschlossen bzw. umgezogen sind, ist jedem selbst überlassen.

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      ARO

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      Als Antwort auf: Licht aus Als Antwort auf: Manu
      Das ist vollkommen richtig. Deshalb halte ich die Nennung dieser „Läden“ in der Aufzählung auch für nicht korrekt. Das hat mit dem „Einzelhandel Sterben“ nichts zu tun. Wie schon in einem anderen Bericht kommentiert, sollte man aus meiner Sicht über Möglichkeiten nachdenken, wie man im Unternehmerverbund eigene Lösungen entwickeln kann.

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    Christian S.

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    In den guten alten 80er Jahren, als ich in Jöhlingen zur Schule ging, gab es allein im Ortsteil: Bäckereien Spitz und Bohmüller, Metzgereien 2 oder 3 (Namen alle vergessen), den Textilladen, Schreibwaren Feger mit der Podologiepraxis daneben, Farben Veit, Foto Schaier, den kleinen Primo (oder Prima?), Rosa Volks Tante-Emma-Lädchen. Badischer Hof und Hofburg waren noch betrieben. Ich habe noch einen schönen alten Fotoband aus ca. 1981, da sind die alle drin. Schon traurig, wie wenig davon übrig ist.

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      Bernhard

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      Als Antwort auf: Licht aus Als Antwort auf: Christian S.
      Die Namen der Metzgereien waren Koch (Weingartener Str.) sowie Glasstetter und Herzig (beide Jöhlinger Straße. Die Bäckereien: Spitz (früher: Trapp, später Rühle), Bohmüller (früher: Vogel) und nur wenige Jahre vorher gab es auch noch den „Schulbäcker“ (Schäfer). Die beiden Bäckereien Volk (oberer Teil der Jöhlinger Straße) und Hasenfuß (Weingartener Straße, Nähe „Grüner Baum“) waren da schon ein paar Jahre länger aufgegeben worden, und ich bin sicher, dass das noch nicht mal alle Metzger und Bäcker waren.
      Was die „Tante-Emma-Läden“ betrifft: Neben der „Rosa Volk“ gab es da zumindest bis in die 80er Jahre noch einige andere und es wäre vielleicht tatsächlich interessant, mal genau darüber einen separaten Artikel zu schreiben. Denn zumindest im OT Jöhlingen gab es in den 60er und 70er Jahren noch zahlreiche andere „Tante-Emma-Läden“. Wenn unsere älteren Mitbürger (die in der unmittelbaren Nachkriegszeit zur Welt kamen) irgendwann mal nicht mehr leben wird niemand mehr wissen, wie die alle hießen, wo sie waren und was sie führten…

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    Klaus S.

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    Mir als nostalgischem Träumer tut es weh, wenn ich miterleben muss wie die Zeit der „Tante-Emma-Läden“ leider dem Ende zugeht. Walzbachtal ist aber kein 500-Seelen-Dorf! Wenn in einer 8000-Einwohner starken Gemeinde kein Platz mehr sein soll für eine vernünftige Metzgerei und eine Bäckerei dann ist das ein Alarmsignal.
    Da gibt es kleinere Ortschaften, die kulinarisch mehr zu bieten haben als Walzbachtal. Mit der neuen Umgehung wird Walzbachtal vom Durchgangsverkehr abgeschnitten. Die Situation für den Einzelhandel und insbesondere für die Gastronomie wird sich dadurch nochmals drastisch verschlechtern,. Die „Laufkundschaft“ fällt damit ersatzlos weg. Wollen wir das wirklich?

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    Klaus Kußmann

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    Die Reihe der Schließungen wird nicht abreisen, neue Mieter sind nicht in Aussicht und unser Gewerbeverein schläft.

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    Lukas L.

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    Hallo Herr Kußmann,
    ihr Kommentar ist ein Widerspruch in sich. Weniger innerörtlicher Verkehr bedeutet weniger Umsatz für den Einzelhandel. Diese Erkenntnis gilt nicht nur für die Sperrung der Weingartener Strasse. Sie gilt ebenso für die geplante Umgehung. Wössinger, die auf ihrem Nachhauseweg von Karlsruhe über die geplante B293 Umgehung fahren, fahren sicherlich nicht mehr von Wössingen zurück nach Jöhlingen um ihre Besorgungen zu machen. Die Umgehung wird die Kaufkraft von Wössingen dem Jöhlinger Einzelhandel dauerhaft entziehen und ihn weiter schwächen.
    Ein kurzer Blick in die Veröffentlichung der Lärmwerte des RP sollte auch Sie von dem Märchen befreien, dass die Anwohner der jetzigen Ortsunfahrung tatsächlich vom Lärm spürbar befreit werden. Das Gegenteil ist der Fall: Alle Bürger vom Walzbachtal würden zukünftig durch einen massive Steigerung von Emissionswerten durch die Freigabe der Schwerverkehrs-Alternativtrasse Heilbronn/Karlsruhe mehr belastet. Übrigens: Durch den Bau der geplanten Umgehung werden mehr als 90.000 m2 Boden neu versiegelt, was zu einer weiteren Senkung des Grundwasserspiegels und Verknappung des Trinkwassers in unserer Gemeinde führt und damit letztlich auch Ihnen schadet.

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    Klaus Kußmann

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    Als Antwort auf: Licht aus
    Hallo Lukas L.
    mit meinem Kommentar habe ich mich nicht für die jetzige Lösung der Umgehungsstraße ausgesprochen. Ich bin allerdings der Meinung, dass die allermeisten Pendler nicht in die Jöhlinger Straße einfahren, um dort einzukaufen. Wenn das so wäre, würden nicht so viele Geschäfte aufgeben müssen.
    Was ich allerdings zum Ausdruck bringen möchte ist die Tatsache, dass es eigentlich nicht sein kann, dass die Einwohner einer Gemeinde n der Größe von Walzbachtal innerörtlich nicht die Kaufkraft aufbringen, dass alteingesessene Geschäfte schließen müssen, weil sie schlicht unwirtschaftlich geworden sind. Wie wertvoll etwas ist, das immer da ist, merkt man oft erst, wenn es nicht mehr ist.

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    Michael

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    Wie eine große Anzeige heute im Gemeindeblatt zeigt, wagt sich Metzger Kleinhans wieder nach Jöhlingen in sein altes Geschäft. Neben dem Laden wird sicherlich der Partyservice ein wichtiges Standbein sein. Endlich wieder ein Metzger, wo man täglich frische Wurst und Fleisch kaufen kann, auch wenn es sicherlich etwas teurer ist als bei den Discountern. Nun liegt es an uns…..

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