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Leistungsdruck

Ex-Bundesligaschiedsrichter berichtet in Büchig über seinen Selbstmordversuch

Vor genau zehn Jahren beging Nationalspieler Robert Enke Selbstmord. Ein Datum, das einem Vortrag von Babak Rafati in der Büchiger Bürgerwaldhalle besondere Brisanz verlieh. Der ehemalige Bundesliga- und FIFA-Schiedsrichter versuchte nämlich ein paar Jahre später ebenfalls, sich das Leben zu nehmen.

Bei ihm blieb es am 19. November 2011 bei dem Versuch, denn der mit hoher Aggression gegen sich selbst versuchte Selbstmord gelang nicht. Er wurde in letzter Minute aus der Badewanne eines Hotelzimmers gerettet.

Die sehr detaillierte Schilderung dieser Situation, der Entwicklung dahin und die beiden folgenden Monate waren der Höhepunkt seines Selbsterfahrungsberichts unter dem Titel „Brennen, statt auszubrennen“. Eine Stecknadel hätte man zwischen den rund hundert Besuchern in der Bürgerwaldhalle fallen hören, als Rafati die dramatischen Minuten schilderte und auch Situationen, die in der geschlossenen Anstalt folgten, in die er für zwei Monate eingewiesen wurde.

Ein Brett habe er vor dem Kopf gehabt, sagte Babak Rafati

Rafati beschrieb zunächst den geradezu unmenschlichen Leistungsdruck, der auf ihm gelastet habe, dem er aber mit allen Mitteln habe gerecht werden wollen. Das gelang anfangs sehr gut und führte ihn sogar ins internationale Fußballgeschäft bis hin zu sportlichen Highlights wie etwa der Leitung des Spitzenspiels der spanischen Primera Division zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid. Stationen, die er stolz mit einem kleinen Filmeinspieler präsentierte.

Erst mit einem Wechsel in der DFB-Kommission, die die Schiedsrichter einteilt, braute sich für ihn etwas zusammen. Die vorher gefühlte Rückendeckung sei weg gewesen. Der „Chef“, wie er den Leiter der Schiedsrichter-Kommission anonymisierend immer wieder nannte, sei mit seinen Leistungen nicht mehr zufrieden gewesen. Fehler, die ein Schiedsrichter immer wieder mal mache, seien gnadenlos gegen ihn ausgeschlachtet worden. Schließlich wurde er wochenlang in der Bundesliga nicht mehr eingesetzt.

Für einen dermaßen leistungsorientierten Menschen wie ihn habe die Nichterfüllung des selbst erzeugten Leistungsdrucks zu Selbstzweifel, Antriebslosigkeit, Schlaflosigkeit geführt, sagte Rafati. Die Schilderungen glichen in fast identischer Wortwahl, denen die Robert Enkes Ehefrau zur Beschreibung des Gemütszustandes ihres Ehemannes vor dessen Selbstmord gebrauchte.

Nach einem Klinikaufenthalt kämpfte sich der gelernte Bankkaufmann wieder ins Leben zurück, verabschiedete sich vom Fußball und berichtet seither als Mentaltrainer über seine Schwierigkeiten aber besonders auch über seine Bewältigungsstrategie. Dem war dann der zweite Teil seines Vortrags gewidmet. Er möchte mit seinen Erfahrungen anderen helfen. Eines seiner Rezepte: „Schwächen zulassen. Denn wer Schwäche zulässt, der ist stark!“ Dem ganzen Problemkomplex Leistungsdruck und Angst galt denn auch die lange Diskussionsrunde, die dem Vortrag folgte.

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