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Krise statt Katastrophe

Flüchtlinge im Mittelpunkt des CDU-Neujahrsempfangs Walzbachtal
Neujahrsempfänge sind in aller Regel bestimmt von Grundsatzreden, bei denen weite Blicke in die Zukunft oder die Vergangenheit geworfen werden. Ganz anderen Charakter hingegen hatte die Festrede beim diesjährigen Empfang des CDU-Ortsverbandes Walzbachtal im Jöhlinger Martinussaal. Unter dem Thema: „Aktuelle Umsetzung der Asylpolitik in Baden- Württemberg“ warf Ministerialdirigent Hermann Schröder einen Blick auf die Details eines Ereignisses, das im Jahr 2015 nicht nur die Schlagzeilen der Presse, sondern auch unzählige Helfer in Baden-Württemberg beschäftigt hatte.

Der Leiter der Abteilung Bevölkerungsschutz aus dem Innenministerium berichtete von seinen Einsätzen rund um das Krisenmanagement während des Höhepunkts der Flüchtlingswelle, bei dem er – damals noch Landesfeuerwehrwart – maßgeblich die Hände mit im Spiel hatte. Nur durch genau dieses gelungene, wenn auch vielfach zur schnellen Improvisation zwingende Krisenmanagement sei man in den Wochen nach dem 5. September 2015 im Sinne eines Max-Frisch-Wortes um die Katastrophe herumgekommen: „Jede Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen“, lautete das Credo und in Baden-Württemberg sei man danach verfahren, meinte Schröder: „Wir haben die Katastrophe in eine Krise verwandelt“. Es sei gelungen, die Regelorganisation so anzupassen, „dass wir mit der Situation auf Dauer zu Recht kommen“.

Wie haarscharf allerdings das Land während des Höhepunktes der Flüchtlingskrise an der Katastrophe tatsächlich vorbeischlitterte, machte Hermann Schröder in detailreichen Schilderungen deutlich. Aus seinem persönlichen Engagement berichtete er über Einzelheiten, wie man sie in dieser Eindrücklichkeit noch nie gehört hatte. Etwa als die Bruchsaler Landesfeuerwehrschule binnen weniger Stunden in ein Notlager für Hunderte verwandelt werden musste und „die Verwaltung auf Krisenmodus gesetzt wurde“. Er sei oft vor der Alternative gestanden: „Einrichtungen überbelegen oder die Menschen auf die Straße legen.“

Er habe sich um diese Menschen nicht nur als Bürokrat gekümmert. Er habe immer auch den direkten Kontakt mit den Flüchtlingen gesucht und wollte „spüren, welche Menschen zu uns kommen“. Seine Einschätzung: „Die Menschen hatten die Wahl zu gehen oder zu verhungern“. Er habe schreckliche Schicksale geschildert bekommen. Dennoch dürfe man nicht aus den Augen verlieren, dass große Teile der Bevölkerung die Situation als Bedrohung empfinde. Deshalb sei es wichtig, die Flüchtlinge wieder zurückzuführen oder zu integrieren. Trotz dieser großen Aufgabe appellierte er an die rund 70 Zuhörer, mit Optimismus in die Zukunft zu gehen.

Genau diesen Optimismus zeigte Gastgeber Michael Plaumann. „Wir wagen Demokratie. Wir machen Demokratie“, sagte der Vorsitzende des Ortsverbandes und kündigte an, einen harten aber fairen Bundestagswahlkampf zu führen, bei dem der Disput immer geprägt sei von der Anerkennung des politischen Opponenten. Joachim Kößler zeigte sich nicht minder beeindruckt. Der CDU-Landtagsabgeordnete lobte den „hervorragenden Vortrag eines hervorragenden Beamten“, der bewiesen habe, „was dieses Land zu leisten in der Lage ist.“ Bei Kößler wie bei Schröder bedankte sich Plaumann im Martinussaal, in CDU-Kreisen gern „Schwarzer Adler“ genannt, mit einem „Schwarzen Schaaf“ aus dem Jöhlinger Weingut Schäfer.

Alle drei schließlich wie auch das Publikum schwelgten in den musikalischen Vorträgen von Katharina Trumpf und Stefan Keller, die den Neujahrsempfang kulturell umrahmten. Begleitet von Ruth Popp am Klavier war beispielsweise der Ohrwurm „Hallelujah“ von Leonhard Cohen zu hören, aus den Musicals „Tanz der Vampire“ „Draußen ist Freiheit“ und aus „Elisabeth“ „Wenn ich tanzen will“. Nicht nur Michael Plaumann („Überragend“!) kam aus dem Staunen über die Duette der beiden kaum heraus. Das Publikum reagierte mit begeistertem Applaus.

Es klatschten nicht nur die Anhänger der Schwarzen. Mit den Gemeinderäten Silke Meyer, Uwe Volk, Andrea Zipf, Werner Schön und Kreisrat Wolfgang Eberle war das gesamte konkurrierende politische Walzbachtaler Farbenspektrum vor Ort, was Gastgeber und Ortsverbandsvorsitzender Michael Plaumann als Zeichen guter demokratischer Zusammenarbeit wertete.  

   

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