Krippenfeier als Ausweg

Kirchen suchten Alternativen zu den Gottesdiensten

Corona hat in diesem Jahr fast alles verändert. Mit dem Weihnachtsfest blieb selbst die christlichste aller Traditionen nicht verschont. Die Kirchen waren dennoch darum bemüht, so vielen Menschen wie nur irgend möglich den Besuch eines Gottesdienstes zu ermöglichen. In Jöhlingen fand die katholische Pfarrgemeinde einen besonderen Ausweg aus der Misere mit „Krippenfeiern in Wald und Flur“. An zehn Stellen der Jöhlinger Gemarkung durften nach Voranmeldung jeweils maximal 15-20 Personen teilnehmen. Orientierungspunkte waren zumeist die zahlreichen Feldkreuze, etwa beim Wegkreuz in der Waldstraße, beim Bildstöckle am Heuberg oder dem Ortelsbrunnen Wegkreuz.

Krippenfeier der katholischen Pfarrgemeinde Jöhlingen bei der Kapelle. Maria Hilf konnte gegen den Regen nicht helfen

Zentraler Punkt war allerdings die Maria-Hilfe-Kapelle. Dort hatte Gemeindereferentin Ute Jenisch direkt unter dem Kapellen-Kreuz schon im Vorfeld eine schlichte Krippe aus großen Rindenplatten aufgebaut und die genauen Positionen für fünf Familien mit rund 20 Mitgliedern mit Sägemehl und einer Kerze markiert. Niemand hatte sich trotz Kälte, strömendem Regen und Windböen von der Teilnahme abhalten lassen und alle hielten durch. Das war eine bunte Mischung von den Allerkleinsten bis hin zu Oma und Opa. Die Begrenzung der Teilnehmerzahl wurde sehr ernst genommen. Eine zufälligerweise gerade die Kapelle besuchende Familie brach deshalb ihren Besuch ab.

Musik blieb Nina Willeke vorbehalten.

Singen durfte an diesem Nachmittag niemand. Das musikalische Element blieb Nina Willeke und ihrem Saxophon vorbehalten. Einzig bei dem „Oh du fröhliche“ durften die Krippenfeierer in ihre musikalische Vorlage einstimmen. Ein wenig gedämpft, denn selbst hier im Freien und unter Windböen blieb die Pflicht zum Tragen von Mund und Nasenschutz bestehen.

Selbst an so einem Tag schien nicht jeder Heilig-Abend-gestimmt. Mal joggte ein Unentwegter vom strömenden Regen unbeeindruckt an der Gruppe vorbei, mal löste sich ein Traktor mit riesigen Langholzstämmen beladen aus dem nahe gelegenen Lehrwald und tuckerte an der Kapelle vorbei.

Patschnass wurde Ute Jenisch während der Krippenfeier

Obwohl durchgefroren und klatschnass fiel das Resümee von Ute Jenisch positiv aus. „Ich bin tief berührt, froh und dankbar – das Wahrwerden dieser Feiern ist ein wunderschönes Weihnachtsgeschenk für mich!“ meinte die Gemeindereferentin. Für sie sei dadurch, dass diese Krippenfeiern stattfinden konnten Weihnachten geworden, gerade auch, weil sie in den letzten Wochen vermehrt dem derzeitigen Leid und der Not vieler Menschen begegne. Mit welcher Freude die Familien die Figuren gebastelt und mitgebracht hätten zeige ihr deren Bereitschaft, sich einzubringen. Genau das zeige sich an den Krippen, die noch bis zum 6. Januar besichtigt werden können.

Die ersten zufälligen Besucher freuten sich am ersten Weihnachtsfeier-tag darüber. Einer von ihnen war Sebastian Wimmer. Er ließ sich von dem schlechten Wetter nicht von einem größeren Spaziergang zusammen mit seiner Familie abhalten und bewunderte das schlichte Kunstwerk neben der Kapelle.

Immer gut beschirmt.

Ruhig mussten es hingegen viele Ältere zwangsweise angehen lassen. Die von der Landesregierung empfohlene Reduzierung der Kontakte ließ die Senioren weitaus öfter als in den Vorjahren einsam zurück. „Das hat man in diesem Jahr besonders stark gespürt“, berichtete DRK-Kreisgeschäftsführer Jörg Biermann. Es seien während der Feiertage besonders viele Hausnotrufe eingegangen. Vor Ort angekommen sei aber sofort spürbar gewesen, dass die Senioren einfach jemanden haben wollten, mit dem sie reden konnten. „Unsere Teams haben sich dann einfach eine halbe Stunde hingesetzt und zugehört“, freut sich Biermann.

Die einzelnen Krippen kann man übrigens zu einem Rundwanderweg zusammenstellen. Jede hat ihren ganz eigenen Charakter. Zu finden sind sie auf einer Google-Maps-Karte, die sich hinter diesem Link verbirgt:

Walzbachtal, 75045 nach Jöhlingen, 75045 Walzbachtal – Google Maps

Darauf sind die Standorte in kleinen, gelben, rot umrandeten Punkten eingezeichnet. Wenn man dem Link folgt, kann man auf einer Tageswanderung alle Krippenorte nacheinander zu Fuß ansteuern (rund 15 Kilometer) .

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