Header

Kratzen, fegen, laden

Der Walzbachtaler Gemeinderat Uwe Volk ist in Karlsruhe bei der Straßenreinigung unterwegs

In den Parlamenten ist die Zahl derer, die einem handwerklichen Beruf nachgehen, sehr klein. Eine von diesen Ausnahmen ist Uwe Volk, der für die SPD im Walzbachtaler Gemeinderat sitzt. Er ist stolz auf seine Arbeit, die er bei der Karlsruher Straßenreinigung verrichtet.

Für eine Reportage für das Karlsruher Karlsblatt begleitete ihn Daniel Schmid vom Presse- und Informationsamt. Er stellte mir seinen Beitrag für NadR zur Verfügung:

Bei der „Reportage Außendienst“ begleiten Reporterinnen und Reporter des Karlsblatts Kolleginnen und Kollegen aus dem handwerklichen Bereich, packen selbst mit an und berichten von ihren Erfahrungen.

Ohne richtige Kleidung geht nichts beim Amt für Abfallwirtschaft (AfA) und so führt der erste Gang zum Magazin. Mehmet-Akif Güdül ist der Herrscher über meterlange Regale gefüllt mit T-Shirts, Sicherheitsschuhen, Hosen und Regenjacken. Fertig eingekleidet in orange nimmt mich Uwe Volk unter seine Fittiche. Er ist der Kapo auf dem Kleinlaster 64 (KL). Gemeinsam mit seinem Trupp, Andreas Luk und Aloklat Waleed, kümmert er sich um die Straßenreinigung in seinem Bezirk. Seit sechs Uhr sind sie bereits rund um die Nordweststadt und in Knielingen unterwegs, um 14:30 Uhr endet die Schicht. „Ein guter Tag heute“, meint Volk ganz ohne Ironie und deutet mit seinem Arm auf das schmutzig graue Regenwetter, das am Fenster von KL 64 vorbeizieht. Das Thermometer zeigt 16 Grad an. Ich versuche mir meine Skepsis nicht anmerken zu lassen. In der Landauer Straße angekommen besteht die Aufgabe darin, die Parkbuchten und Umrandungen vom Unkraut zu befreien. Mit einem Kratzer machen sich Luk, Waleed und ich an die Arbeit. nach wenigen Minuten ist mir klar, warum ein kühler, regnerischer Tag ein guter Tag sein kann. Der Schweiß strömt. Auf die angebotene Regenjacke verzichte ich gerne. „Das Schilfgras ist hartnäckig“, meint Volk. Tatsächlich schienen sich die unscheinbaren Halme über meine Bemühungen eher lustig zu machen. Und noch eine zweite Gemeinheit lerne ich von einer anderen Seite kennen: Kopfsteinpflaster. Jedes Mal wenn man mit dem Kratzer über die Steine schabt, bleibt er plötzlich hängen und  schickt einen kurzen Gruß zurück zu meinem Schulterblatt. Wer hat so etwas bloß erfunden?

Dennoch arbeite ich mich Zentimeter um Zentimeter voran und freue mich über die erste saubere Parkbucht. „Du musst den Kratzer weiter hinten festhalten“, erklärt mir Volk meinen typischen Anfängerfehler. Auch beim Kehren ist bessere Technik gefragt. Stück für Stück und Meter für Meter werden freigekehrt, um am Straßenrand kleine Dreckhaufen aufzuschichten. Zuviel Schwung bedeutet zusätzliche Arbeit, da sich der Dreck breiter verteilt. Waleed und Luk haben dies längst verinnerlicht. Routiniert säubern sie Parkbucht für Parkbucht von Unkraut und Blättern. Kaum ein Wort fällt, jeder Handgriff sitzt. Während mir bereits die Unterarme und die Schulter schmerzen, ziehen sie unbeirrt ihre Bahnen.

Volk hat zwischenzeitlich den Kleinlaster vorgefahren und beginnt damit die Dreckhaufen mit einer Schaufel auf die Laderampe zu werfen. Hierbei ist ebenfalls Geschicklichkeit gefragt, zu viel Schwung führt zu viel Kraftverlust. „Beim Parken des KL achte ich darauf, dass ich soweit auf der Straße stehe, damit die Autofahrer langsamer werden, aber nicht soweit, um den Verkehr zu behindern“, erklärt Volk. Als eine junge Frau ihren weißen Kleinwagen genau dahinparken möchte, wo gleich gesäubert werden muss, spricht Volk sie an. „Können Sie bitte auf der anderen Seite parken, soweit kommen wir heute nicht mehr“, sagt er freundlich. Sofort parkt die Frau um. „Freundlichkeit ist mir wichtig“, erklärt Volk. Bei seiner Truppe lege er darauf auch großen Wert.

Nachdem alle Dreckhaufen aufgeladen sind, geht die Fahrt weiter durch den Bezirk. Die ehemaligen Kasernengebäude rund um die Kentucky Allee gehören ebenfalls dazu. „Hier haben wir vor drei Monaten das Unkraut beseitigt“, erklärt Volk. Man sieht es noch, aber teilweise steht es schon wieder viele Zentimeter hoch. Die Straße scheint sich endlos zu ziehen und kein Ende mehr zu finden. Hunderte Meter voller Parkbuchten machen deutlich, welche Sisyphusarbeit Volk und seine rund 100 Kolleginnen und Kollegen der Straßenreinigung jeden Tag vor sich haben.

„Ich bin zufrieden, wenn die Straße sauber ist und ich sehen kann, was wir alles geschafft haben“, sagt der 58-jährige Volk und seine Mundwinkel ziehen sich dabei zu einem Grinsen nach oben. Stolz sei er, wenn die Leute aus seinem Trupp an ihren Aufgaben wachsen und zunehmend mehr Verantwortung übernehmen. „Ich bin für die Jungs verantwortlich und setze mich für sie ein, das ist die Aufgabe eines Kapos“, so Volk. Am wichtigsten sei dabei immer: „dass wir alle wieder gesund nach Hause bringen“. Der freundliche 1,90-Mann mit dem Schnauzbart kann jedoch auch zornig werden. „Dass regt mich wieder auf“, meint er und deutet auf mehrere abgestellte Taschen mit Glasflaschen und Müllsäcke neben dem Altglascontainer. „Viele Leute lassen ihr Zeug einfach stehen, wenn dann am Wochenende noch ein paar Jugendliche auf den Gedanken kommen sie könnten die Flaschen zerstören, haben wir eine riesen Sauerei“, so Volk. Gemeinsam befördern wir alles auf die Laderampe. Am folgenden Glascontainer, einige Straßen weiter, zeigt sich jedoch ein ähnliches Bild. Auf dem Dach der Container sammeln sich die leeren Gläser und Flaschen. Der Grund: Der Glascontainer ist randvoll. „Dies ist nicht unsere Aufgabe, aber wir räumen die Flaschen trotzdem weg, weil ich mich für den Bezirk verantwortlich fühle“, so Volk.

Der Müll und die wilde Entsorgung hätten in den vergangenen Jahren zugenommen. „Die Leute sind einfach egoistischer geworden“, so Volk. Alles was er sagt, unterstreicht er mit weitausholenden Armbewegungen. Dennoch sei er kein Italiener sondern gebürtiger Jöhlinger, erklärt er schmunzelnd. Besonders auffällig sei der viele Müll immer nach dem Wochenende. „Wenn ich Wochenenddienst habe, bin ich immer froh, wenn es am Samstag regnet“, erklärt Volk. „Dann sind weniger Leute auf der Straße und müllen alles zu. Etwas mehr Rücksicht würde uns die Arbeit sehr erleichtern“.

Die Jungs vom AfA sind 365 Tage im Jahr im Einsatz“, so Volk, Am Sonntagmorgen seien alleine für die Fußgängerzone mehrere Mann und zwei Kehrmaschinen rund drei Stunden im Einsatz um alles wieder sauber zu machen. „Wir können nur unterstützen, ohne die Bürgerinnen und Bürger schaffen wir es nicht, die sind viel mehr als wir“, erklärt Volk und hofft auf mehr Verständnis und Rücksichtnahme für die Arbeit von ihm und seiner Kolleginnen und Kollegen beim AfA.

Am Ende der Schicht geht die Fahrt zurück auf den Betriebshof in der Ottostraße. Die Ladefläche von KL 64 kann gekippt werden und so rutschen Stück für Stück die Glasflaschen, das Schilfgras und die Dreckhaufen in die Müllpresse und werden zusammengepresst. Die Schicht ist zu Ende und Karlsruhe ist für den Augenblick wieder etwas sauberer geworden.

Von Daniel Schmid – Presse und Informationsamt Stadt Karlsruhe

Das AfA reinigt rund 550 Kilometer Radwege, 1.250 Kilometer Straßen sowie alle öffentlichen Plätze. 805 öffentliche Papierkörbe im Stadtgebiet leert das AfA bis zu drei Mal täglich und sammelt rund 500 Kilogramm Abfälle.

Bild links: Andreas Luk, Uwe Volk und Aloklat Waleed (v.l.n.r.) sind der Trupp vom Kleinlaster 64 bei der Straßenreinigung des AfA.

Bei einem solchen Anblick verliert der sonst gelassene Uwe Volk seine Ausgeglichenheit. Leider gehören überfülle Glascontainer und wild entsorgter Müll zum Alltag bei der Straßenreinigung des Amts für Abfallwirtschaft in Karlsruhe. | Foto: Schmid

Trackback von deiner Website.

Kommentieren

Home Footer Links