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Kinder in den Wald

Lange Wartelisten in den KiTas / Walzbachtal  muss beim Ausbau der Kindergärten schnell reagieren

  Die Zahl der Kinder, die in Walzbachtal einen Anspruch auf Betreuung im Kindergarten haben, steigt rasant. Ende 2010 waren es noch 223 Kinder unter drei Jahren, im Moment sind es 293. Ähnlich ist die Entwicklung bei den über Dreijährigen. Verantwortlich für diesen Anstieg sind vor allem Zuzüge. Eine Entwicklung, die die Gemeinde völlig überraschte. Trotz einer vorbildlichen Versorgungsquote von 39 Prozent und damit kreisweit an zweiter Stelle liegend, musste  Bürgermeister Karl-Heinz Burgey den  Gemeinderat über lange Wartelisten in allen Kindergärten unterrichten. Man sei weit davon entfernt, alle Kinder unterbringen zu können. Dies obwohl erst vor kurzem mit dem Jöhlinger „Regenbogen“ eine große Kindertagesstätte in Betrieb genommen wurde. „Damit  glaubten wir uns auf der sicheren Seite, aber dem war nicht so. Die Zahl der Kinder ist schneller gestiegen, als wir je gedacht haben“, sah Burgey schnellen Handlungsbedarf. Um das hohe Niveau und die Qualität in den Walzbachtaler Kindergärten zu halten, schloss er die Vergrößerung bestehender Gruppen ebenso aus wie in vorhandenen Einrichtungen zusätzliche Gruppen zu schaffen. Es bleibe nur die Alternative, Räume in der alten Schule in Jöhlingen und im Wössinger Hof oder eventuell in einem Privathaus in Anspruch zu nehmen. Externe Trägerschaft in diesen Räumen sei geprüft worden. Er schließe sie aber aus, meinte der Bürgermeister. Drei Lösungsansätze schlug er vor. In den Räumen in der alten Jöhlinger Schule, in denen mit den „Flöhen“ eine Vorgängergruppe des „Regenbogen“ untergebracht worden war, soll eine Gruppe für Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren eingerichtet werden. Sie könnte entweder der „Arche“ oder dem „Regenbogen“ zugeordnet werden. Eine weitere Gruppe im Wössinger Hof könnte als sogenannte „Tigergruppe“ vom Tageselternverein übernommen werden. Und zum dritten schlug er die Einrichtung eines Waldkindergartens vor, der ebenfalls an einen existierenden Kindergarten „angehängt“ werden könnte.   Das begreife er gleichzeitig als Ergänzung des pädagogischen Angebots. Er sei sicher, dass dieses Modell nachgefragt würde. Es könne aber nicht mehr garantiert werden, dass alle Kinder in ihrem jeweiligen Ortsteil untergebracht werden können. Der Gemeinderat stimmte diesem Konzept einstimmig zu.     kita-versorgungsquote     

Dazu im Folgenden die ausführliche Sitzungsvorlage der Gemeindeverwaltung

  Sachverhalt: Die Abdeckung des Bedarfes an Kinderbetreuung für Kinder im Alter von 0 – 6 Jahren, was gemäß Kindertagesbetreuungsgesetz (§ 3 KiTaG) gesetzlicher Auftrag und Aufgabe der Gemeinde ist, wird aufgrund des Zuzuges und wachsender Kinderzahlen in diesem Alterssegment in Walzbachtal immer schwieriger. Allein in den Jahren 2013 – 2016 wuchs die absolute Zahl von Kindern im Alter von 0 – 6 Jahren in Walzbachtal um 25 % (Quelle: Sozialberichte des Landkreises Karlsruhe). Zusätzlich ist zu beobachten, dass die vor einigen Jahren noch vorhandene gesellschaftliche Konvention, in der Regel Kinder erst ab 3 Jahren in eine Betreuungseinrichtung zu geben, mittlerweile fast vollständig verschwunden ist. Mittlerweile ist es „normal“, Kinder im Alter von 1, spätestens im Alter von 2 Jahren zur Betreuung in die Kindertageseinrichtung zu geben. Der frühere „Normalfall“ ist mittlerweile praktisch die Ausnahme geworden. Deshalb reicht die Versorgungsquote im Bereich U3 (Kinder unter drei Jahren, „Krippe“), die in den Jahren 2011 – 2016 in Walzbachtal um 9 Prozentpunkte angestiegen ist, trotzdem nicht aus (siehe Anlage 1) bzw. wird vor allem zukünftig die steigende Nachfrage nicht abdecken können. Im selben Zeitraum ist zudem im Bereich der Kinder ab 3 Jahren die Versorgungsquote 10 Prozentpunkte von 108 % auf 98 % gefallen. Die fünf Kindertageseinrichtungen Walzbachtals melden daher praktisch ausnahmslos Vollbelegung, trotz des massiven Ausbaus der vergangenen Jahre der Platzzahlen in den Kitas in Walzbachtal. Derzeit besteht kurzfristig vor allem im Bereich der Betreuungsplätze Ü3 (Kinder im Alter von 3 – 6 Jahren) eine Lücke bei der Versorgung mit Betreuungsplätzen. Der nachfolgenden Tabelle kann der derzeitige Fehlbestand in Jöhlingen entnommen werden: Monat Fehlende Krippenplätze Fehlende Kitaplätze Sep 16 1 4 Jan 17 3 7 Sep 17 8 8 Jan 18 10 8 Bei Berücksichtigung noch zu erwartender Unterbringungen von Flüchtlingen im Rahmen der Anschlussunterbringung (Bau der Unterkünfte in der Jahnstraße und „Im Gageneck“) folgende vorsichtige Schätzung für Jöhlingen: Monat Fehlende Krippenplätze Fehlende Kitaplätze Sep 16 1 4 Jan 17 3 7 Sep 17 8 + 2 = 10 8 + 10 = 18 Jan 18 10 + 4 = 14 8 + 20 = 28 Die konkret zu erwartenden, absoluten Zahlen des „regulären“ Zuzuges und der Zuweisung von Flüchtlingsfamilien durch das Landratsamt sowie Zuzug von Kindern von Flüchtlingsfamilien im Rahmen des sogenannten Familiennachzuges bleiben weiterhin schwer einzuschätzen. Das Statistische Landesamt geht derzeit im Bezug auf den Landkreis Karlsruhe für die nächsten Jahre mit einem jährlichen Zuzug von 10.000 Personen aus, unabhängig von den Entwicklungen der Fluchtbewegungen aus Syrien, Afghanistan, Nordafrika usw. und dem dabei noch zu erwartenden Familiennachzug von anerkannten Asylbewerbern. Es ist daher auch für Walzbachtal sehr realistisch, dass die Bevölkerungszunahme insbesondere im Bereich auch der jungen Familien weiter anhalten wird. Vor diesem Hintergrund geht die Gemeindeverwaltung alles in allem davon aus, dass in den nächsten Jahren der heute vorhandene Bestand an Kinderbetreuungsplätzen in den Altersgruppen 0 – 3 Jahren und auch 3 – 6 Jahren nicht ausreichen wird und deshalb weiter ausgebaut werden muss. Die mittelfristige Inbetriebnahme von noch einmal jeweils einer kleineren (z.B. zweigruppigen) Kita in Wössingen und Jöhlingen wird daher als notwendiges Planungsziel für die kommenden Jahre gesehen. In der Gemeinderatssitzung am 08.04.2016 (GR 47/2016) war man noch bei der Prognose für das Spätjahr 2016 vom Fehlen einer Krippengruppe und einer halben Kitagruppe in Jöhlingen ausgegangen. Um aber die aktuelle Bedarfssituation noch einmal besser abschätzen zu können und die bestehenden Lösungsalternativen gemeinsam zu diskutieren fand am 07.09.2016 eine außerordentliche Sitzung der AG Bedarfsplanung statt. Die Mitglieder der AG Bedarfsplanung empfahlen (auch vor dem Hintergrund der bestehenden räumlichen und finanziellen Begrenzungen) der Gemeindeverwaltung Walzbachtal die kurzfristige Einrichtung einer VÖ-Gruppe für Ü3-Kinder im Alten Schulhaus in Jöhlingen (Räume der ehemaligen Flöhe-Gruppe). Perspektivisch kann dann dort im Erdgeschoss des Alten Schulhauses (nach der vollständigen Auflösung der Werkrealschule, voraussichtlich schon ab September 2017) eine zweigruppige Kindertagesstätte mit einer Kita- und einer Krippengruppe betrieben werden. Die Verwaltung hatte Kontakt zu drei verschiedenen, möglichen freien Trägern, die die Einrichtung im Alten Schulhaus betreiben könnten und auch Interesse daran signalisiert haben: 1. KitaFam e.V. Bretten: Pädagogik angelehnt an Waldorf-Kindergärten, Kinder bekommen kein „fertiges“ Spielzeug, kein „offenes“ Konzept, feste Strukturen. Um 12 Uhr warmes Mittagessen wichtig. Der Verein betreibt derzeit eine eingruppige Einrichtung (altersgemischt, Kinder im Alter von 2 – 6 Jahren) in Diedelsheim, wird in den nächsten Jahren zusätzlich eine viergruppige Einrichtung in Bretten betreiben. 2. IB (Internationaler Bund), betreibt Kitas u.a. in Kämpfelbach, Karlsruhe, Pforzheim; Schwerpunkte bei Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen (ehemalige Musikakademie Kürnbach), Integration von arbeitslosen Jugendlichen in Gesellschaft/Arbeitsmarkt…, etc. Arbeitet auf der Grundlage der „Reggio-Pädagogik“, siehe auch Anlage 2. Hat auch Erfahrung im Bereich Betrieb von Wald- und Bauernhofkindergärten. 3. AWO Karlsruhe-Land, betreibt in der Region Kitas in Linkenheim-Hochstetten, Bruchsal und Ettlingen, keine Erfahrung mit Wald- und/oder Bauernhofkindergärten, will auf die Ausgabe warmer Mahlzeiten in der Einrichtung eher verzichten, sehr offen für eine Einrichtung mit wenigen Schließtagen (z.B. nur 6 Schließtage), Musterkonzeption siehe Anlage 3 Die kirchlichen Träger haben bislang kein Interesse am Betreiben der Einrichtung im Schulhaus gezeigt, kennen durch die Sitzung der AG Bedarfsplanung aber die Pläne zur Errichtung einer weiteren Kita in Walzbachtal. Es wurden im Rahmen der AGSitzung lediglich folgende Angebote gemacht: In Jöhlingen könnte die katholische Kirchengemeinde dauerhaft die derzeit nur vorübergehend im OG des Martinussaales untergebrachte Krippengruppe betreiben (Außengruppe der Kita St.-Elisabeth), zusätzlich zu den nach Abschluss der Sanierungsmaßnahme dann bestehenden zwei Krippengruppen im Elisabethenhaus. Die evangelische Kita Oberlinhaus in Wössingen könnte sich die Einrichtung einer weiteren Kita-Gruppe in Form einer „Waldgruppe“ vorstellen. Eine weitere Möglichkeit zur kurzfristigen Deckung von Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen in Walzbachtal außerhalb der schon bestehenden Kindertagesstätten für Kinder im Krippenalter (0 – 3 Jahre) sieht die Gemeindeverwaltung Walzbachtal in der Einrichtung einer sogenannten „TigeRGruppe“. Die AG Bedarfsplanung hat am 07.09.2016 die Pläne dazu aufgrund der angespannten Bedarfslage grundsätzlich befürwortet. Ein möglicher Standort wären die Räume des ehemaligen Jugendzentrums im Wössinger Hof; es gibt aber noch zumindest eine weitere Standort-Alternative, und zwar im ehemaligen Kirchengebäude der neuapostolischen Kirchengemeinde in Wössingen. Die Gemeindeverwaltung ist deshalb im Gespräch mit der neuapostolischen Kirche, um Möglichkeiten der Anmietung bzw. des Erwerbs des ehemaligen Kirchengebäudes zu besprechen. In einer TigeR-Gruppe betreuen zwei selbständig tätige Tagespflegepersonen unter fachlicher Aufsicht des Tageselternvereins in Räumen der Gemeinde bzw. von der Gemeinde angemieteten Räumen zeitgleich maximal 7 Kinder im Alter von bis zu 3 Jahren. Ist eine der beiden Tagespflegepersonen eine Fachkraft (z.B. anerkannte Erzieherin), so ist die zeitgleiche Betreuung von bis zu 9 Kindern möglich. Insgesamt können bis zu 12 Betreuungsplätze in einer TigeR-Gruppe angeboten werden. Die Abkürzung „TigeR“ steht für (Kinder-)Tagespflege in anderen geeigneten Räumen. Die Tagespflegepersonen, die das Team der TigeR-Gruppe bilden, müssen über eine entsprechende Qualifikation verfügen und mit einer Pflegeerlaubnis durch das Jugendamt ausgestattet sein. Jedem Projekt ist eine Vertretung zugeordnet, die auch eine Pflegeerlaubnis zur Kindertagespflege-Betreuung besitzen muss. Derzeit gibt es schon fünf TigeR-Gruppen in der Kernstadt von Bruchsal sowie jeweils eine TigeR-Gruppe in Helmsheim und Heidelsheim. 2015 wurde zudem jeweils eine TigeR-Gruppe in Eggenstein und in Waghäusel eröffnet, 2016 soll in Graben-Neudorf eine TigeR-Gruppe eröffnet werden. Einen Muster-Vertrag, der zwischen der Gemeinde Walzbachtal und dem Tageselternverein zur Einrichtung und Betreuung einer neuen TigeR-Gruppe in unserer Gemeinde abgeschlossen werden könnte, finden Sie als Anlage 4 im Anhang zu dieser Vorlage. Die Gemeindeverwaltung sieht in der Einrichtung einer TigeRGruppe in Walzbachtal folgende Vorteile: – Sinnvolle Ergänzung zu den Betreuungsplätzen in den Kindertageseinrichtungen – Hohe Flexibilität der Tagesmütter – Umsetzbar ohne größere Baumaßnahmen, z.B. im ehemaligen Juze – Aufnahme in die Bedarfsplanung möglich – Bereicherung der Kinderbetreuungsangebote, mehr Auswahlmöglichkeiten für Eltern mit Kinderbetreuungsbedarf (Wunsch nach einer „häuslicheren“, weniger institutionellen Betreuung) Am 07.09.2016 hat eine kleine Abordnung des Gemeinderates und der Gemeindeverwaltung die zwei TigeR-Einrichtungen in den Bruchsaler Stadtteilen besichtigt und sich vor Ort ein Bild gemacht. Auf die Gemeinde kämen für die Einrichtung dieser bis zu 12 möglichen, zusätzlichen Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren schätzungsweise folgende Kosten zu (siehe Anlage 5). Für Rückfragen aus dem Gremium wird ein/e Vertreter/in des Tageselternvereins in der Sitzung zur Verfügung stehen

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