Kein Raubbau an der Natur

Stellungnahme der Grünen zu dem Zementwerksantrag

Der Gemeinderat trifft seine Entscheidungen zum Wohle der Gemeinde! Die Firma Opterra beabsichtigt Probebohrungen im Gemeindewald jeweils nahe an den Grenzen zu Bretten und Königsbach-Stein durchzuführen, um ihre Abbaufläche um weitere 20 Jahre sicherzustellen. Das Zementwerk produziert seit 70 Jahren in Wössingen Zement mit einer genehmigten Abbaufläche von inzwischen 100 Hektar.

Durch den jährlichen Emissionsbericht wird der Gemeinderat und die Bevölkerung über die Auswirkungen auf die Luft informiert. Natürlich halten sie die geforderten Grenzwerte laut Emissionsbericht ein. Man darf aber nicht vergessen, dass Schadstoffe u.a. Kohlendioxid, Stickstoffe und Quecksilber in nicht unerheblicher Menge in die Luft abgegeben werden, denn die Zementindustrie hat gegenüber anderen Großfeueranlagen höhere Grenzwerte. Vielen Einwohnern ist nicht bekannt, dass das Zementwerk zwei Brunnen hat mit einer Entnahmemenge von 110 Tausend Kubikmeter jährlich, die bis ins Jahr 2030 genehmigt sind. Das entspricht einem Viertel der Trinkwassermenge der gesamten Gemeinde Walzbachtal. Da die Grundwasserneubildung um 30% gesunken ist, finden wir diese Entnahme des Grundwassers sehr kritisch. Der interessierte Bürger weiß, dass wir im Moment auf der Suche nach weiteren Brunnen sind, um die Trinkwasserversorgung für die Zukunft zu sichern. Und jetzt soll auch noch Wald für den weiteren Abbau des Kalksteins gerodet werden. Für uns ist der Wald jedoch nicht verhandelbar. Im Moment kämpfen wir um jeden Baum, da der Wald ein wichtiger CO2 Speicher ist. Ausgerechnet ein Zementwerk, wo doch jeder weiß, dass es mit die größten CO2 Emittenten überhaupt sind. Wäre die Zementindustrie ein Staat, läge sie bei den CO2 Emissionen an dritter Stelle hinter China und den USA. Ausgerechnet der Wald, in dem das Flächenhafte Naturdenkmal Hungerquelle mit dem Landschaftsschutzgebiet Waldwiesen liegt. Ausgerechnet der Wald, in dem sich Keltengräber befinden. Ausgerechnet der Wald, der zum Wandern und Radfahren einlädt. Wie sich eine neue Abbaufläche auf das Schifftal auswirken würde, weiß man auch nicht, da sich die Firma Opterra noch keine Gedanken darüber gemacht hat, wie der Kalkstein ins Werk kommen könnte. Einmal sprechen sie von einem Förderband, oder vielleicht einer Seilbahn, was aber beides eine hohe Lärmbelastung mit sich bringt. Man kann davon ausgehen, dass an der Stelle eine neue Industrieanlage entstehen würde und die Belastung der Bevölkerung weiter zu nimmt. Im Vorfeld hat man öfter gehört oder gelesen, dass wir in Deutschland Zement zum Bauen brauchen und wir deshalb der Erweiterung zustimmen müssen. Deutschland exportierte im Jahr 2019 6,5 Mio Tonnen Zement und Klinker und importierte im selben Jahr 1,1 Mio Tonnen. Das heißt, wir haben einen Exportüberschuss in diesem Bereich. Die Firma Opterra produziert ca. 500 Tausend Tonnen im Jahr, dies entspricht einem Marktanteil von unter 1 Prozent. Man sieht, es kann weiterhin mit Zement gebaut werden, auch wenn das Zementwerk in Wössingen nicht mehr produzieren würde. Vor 70 Jahren, als sich das Portland Zementwerk angesiedelt hat, stand der Gemeinderat von Wössingen zusammen mit dem damaligen Bürgermeister vor einer ähnlichen Entscheidung wie wir heute.

Zu deren Entschuldigung muss man anführen, dass sie damals die Auswirkungen auf die Umwelt, oder auf die Gemeinde nicht abschätzen konnten. Im Laufe der Zeit hat sich das Zementwerk durch den halben Lugenberg gefressen und will sich jetzt noch weiter in unseren Gemeindewald ausdehnen. Wir sind heute in der Lage, die Folgen abschätzen zu können. Die Emissionen, die sich auf die Luft, den Boden und das Wasser auswirken, sind bekannt. Einzig und allein die Gewerbesteuer wäre ein Argument, den Probebohrungen zuzustimmen. Wir dürfen aber unseren Wald nicht verkaufen, denn eine intakte Natur ist unbezahlbar. Auch eine Aufforstung oder Renaturierung würde Jahrzehnte dauern und das Landschaftsbild wäre trotzdem verändert. Wir möchten den nachfolgenden Generationen nicht noch mehr Raubbau an der Natur hinterlassen. Wir denken, wenn in 30 Jahren der Steinbruch erschöpft ist, Wössingen 100 Jahre lang seinen Beitrag bei der Zementproduktion geleistet hat. Jeder einzelne Gemeinderat muss sich bewusst sein, dass es zwar „nur“ um Probebohrungen geht, aber durch eine Zustimmung Fakten geschaffen würden. Der Gemeinderat trifft seine Entscheidungen zum Wohle der Gemeinde, deshalb lehnt die Grüne Fraktion die beantragten Probebohrungen ab. Da es sich hierbei um eine sehr wichtige Entscheidung handelt, beantragen wir eine namentliche Abstimmung

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Kommentare (4)

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    Wössinger

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    Intakte Natur…

    Die Opfern die Grünen doch für ihre windräder…

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    Zuhörer

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    An Scheinheiligkeit nicht zu überbieten. Aber Beton in den Wald kippen für den Bau von Windrädern. Abgesehen von sehr großen Flächen die gerodet werden müssen. Und hier noch ein Schmankerl der Grünen Gemeinderätin Sonja Günter aus Weingarten, die in der GR Sitzung Weingarten am 07.06.21 zum Besten gab, dass der Wald ja eh schon stark durch die Trockenheit geschädigt sei, da könne man ruhig Windräder reinbauen. Nachzulesen in den BNN vom 08.06.21 Dieser Logik folgend muss das Zementwerk in Wössingen den Wald von seinem Leid erlösen und erweitert werden – Wald ist doch sowieso schon kaputt.

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    Ernst

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    Als Antwort auf: Kein Raubbau an der Natur
    Lieber Wössinger, dieser Kommentar wäre nicht mal für einen Jöhlinger geistreich 😉

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      S.Fabry

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      Als Antwort auf: Kein Raubbau an der Natur Als Antwort auf: Ernst
      Vorweg, bin keine echte Jöhlingere sondern e sogenannte Neigschmeckte von vor über 50 Jahren. Vielleicht denkt es manchem Walzbachtaler noch -ist schon wirklich sehr lange her- als Jöhlingen und Wössingen zusammengelegt wurden gab es noch ein Walzbachtal 1 für Wössingen und ein Walzbachtal 2 für Jöhlingen. Die 1 für Walzbachtal 1 wurde damit begründet, weil die Wössinger nicht bis 2 zählen könnten. Späßle :-)))

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