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Kanonenziehen


Wenn die großen Höhepunkte des Peter-und-Paul-Festes mit der Schlacht, dem Feuerwerk, dem sonntäglichen und dem Schwartenmagenumzug vorüber sind und der Viehmarkt schon geräumt ist, dann bleibt von Peter-und-Paul immer noch viel. Es wäre sicherlich vermessen zu sagen, das Fest wäre in den musikalischen Modus übergegangen. Doch der ruhigere Montag stand zur Abendstunde ganz im Zeichen der Musik. Fast kein Hof, kein Lager, kein Platz, aus dem nicht Beschallung drang. Dabei war musikalisch alles geboten von dem professionellen Riesenauftritt von „Groove Incorporation“ auf dem Marktplatz vor sicher über 1500 Zuschauern, über den Alleinunterhalter auf dem Hof zwischen der Fanfarenschänke und den BNN bis hin zum simplen Ghettoblaster in vereinzelten Gaststätten. Auf dem Kirchplatz herrschte noch Ruhe vor dem Auftritt von Spielvolk Merlin, da brachten am Fuß der Stiftskirche eine Treppe tiefer und nur einige Meter entfernt Ronnie Winkler und Larissa Utescheny vor der Stadtbibliothek das Volk zum Toben. Im Brauhaus Löwenhof war mit der Sean Treacy Band ebenfalls mächtig Alarm.

Das Zentrum des Abends lag aber zweifellos auf dem Markplatz. Sandie Wollasch (Gesang), Dominik Stegmüller (Gesang), Claus Bubik (Bass), Jochen Seiterle (Gitarre), Markus Schramhauser (Keyboard) und Marcel Millot (Schlagzeug) zogen das vielköpfige Publikum in ihren Bann. Die quirlige Sandy Wollasch gab das Tempo vor und turnte die Fans gleich mal ordentlich an: „Tolle Leute, tolle Frauen, tolle Männer“ machte sie beim Blick ins Publikum aus. Da reagierte der ein oder andere coole, sonnenbebrillte Typ mit einem geschmeichelten Lächeln, als ob er ganz persönlich gemeint wäre. Erst recht nach als Wollasch nachlegte mit einem „Je später der Abend desto erotischer die Band“.

Den Abend eingeläutet hatte um 18 Uhr die auf dem Parkplatz beim Rathaus beheimatete Artillerie. Ihr Prunkstück, den dicken Balduff, verlagerte die Gruppe auf das Kopfsteinpflaster vor der Kreuzkirche. Der kleine Platz hatte sich in eine publikumsgesäumte Arena verwandelt. In deren Mitte stand Balduff nicht lange untätig. Heiko Wachter und seine Getreuen hatten zum Paar-Ziehen des immerhin 1,3 Tonnen schweren Kanonen-Ungetüms aufgerufen. Genau 15,04 Meter mussten möglichst schnell absolviert, das Monstrum auf den Zentimeter genau gestoppt werden.

Und siehe da, selbst spontane Meldungen waren erfolgreich. Die Gondelsheimerin Franziska Heck und die Heidelsheimerin Laura Stork hatten sich kurz entschlossen als „die Hohlheiten“ angemeldet und erwiesen sich unter den weiblichen Paaren als unschlagbar: 11,25 Sekunden und damit nur wenig langsamer waren sie als „Em Dennis sei Jungs“, die in nur 10,22 Sekunden am besten abschnitten. Die Sieger durften am Ende einen brutal schweren Eisenpokal in die Höhe halten. Bei der Ehrung mit dabei waren Gianluca Enderle und Julius Zajonc, die als „Fraggles“ und absolut jüngstes Team an den Start gegangen waren.

Wer es am Montagabend ganz ruhig haben wollte, der zog sich auf den Spielplatz neben dem Rathaus zurück. Der hatte sich in ein Moccaparadies im orientalischen Stil verwandelt. Tobias Liehn und sein Frau Nicole hatten sich mit der 14-monatigen Emily und den Großeltern dorthin zum Familientreffen zurückgezogen. „Wir wollten einfach mal eine Pause von dem Trubel einlegen“, meinte der in Karlsruhe wohnende Bretten-Exilantund genoss die Möglichkeit, „die Kleine einfach mal rennen lassen zu können.“

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