Zu angeregten Diskussionen führten die Stelltafeln, mit der die Walzbachtaler Gemeindeverwaltung das Thema Radwegekonzept vorbereitet hatte.

Jetzt reiten sie wieder

Oberderdinger Lichtmessmarkt trotzt der Pandemie

Der 2.2.2022 gilt als besonderes Datum. Oberderdingen kann das in besonderem Maße in Anspruch nehmen. Der 2.2. ist „seit ohnerdenklichen Zeiten“, wie es in alten Oberderdinger Chroniken heißt, der Tag des Lichtmessmarkts. Erinnert wird an diesem Tag an den Einsatz lediger Burschen,

die den Müller vor Raub und Plünderung bewahrt hatten. Aus dessen aus Dankbarkeit gespendeten Weißbrotlaiben entwickelte sich der Oberderdinger „Nationalfeiertag“

In diesem Jahr allerdings fiel erneut ein Schatten auf die Tradition. Das sollte sich nicht noch einmal wiederholen. Nachdem das Fest im letzten Jahr Corona gänzlich zum Opfer gefallen war, hatte sich Bürgermeister Thomas Nowitzki in Absprache mit dem Musikverein und dem Reitervereins auf eine „abgespeckte“ Form verständigt. Deshalb wurde das Programm der Vorjahre an vielen Stellen stark eingeschränkt. Schulen und Kindergärten hatten der Pandemie Halber ihre Teilnahme abgesagt und damit auch den bunten Ringelreihen am Lindenplatz.

Unter Einhaltung eines ausgefeilten Hygienekonzepts durften Besucher an allen Stationen nach Kontrollen ihres Impfstatus einchecken. Und siehe da: sogar der Lichtmessmarkt auf der Brettener Straße, der als erster auf der Streichliste gestanden hatte, konnte durchgeführt werden. Das habe sich erst vor zwei Wochen herauskristallisiert, meinte Nowitzki. Auch der Markt war allerdings stark eingeschränkt. Nur rund 50 Prozent der Beschicker waren gekommen, etliche der beliebtesten fehlten.

Das Lichtmess-Reiten machte Station an dem Denkmal für den Musikverein auf dem Kelterplatz.

Die jungen Burschen, die die Grundlage der Tradition bilden, fehlten ebenfalls.Kein einziger Reiter schwang sich in diesem Jahr zur Durchführung des Brauches auf ein Pferd. Natalie Dietz, Lara Schwedes, Julia Eberle und Samantha Vincon mussten die traditionellen Brotlaibe aufrecht halten. Ein junger und – so die Bedingung – unverheirateter Mann, der das Quartett der Amazonen hätte aufbrechen können, musste wegen einer Meniskus Operation absagen.

An der zweiten Station, dem Kelterplatz, überraschte der Bürgermeister die Besucher mit der Mitteilung, das Lichtmessreiten habe vor 75 Jahren schon einmal unter Quarantäne-Bedingungen abgesagt werden müssen. Wie ein älterer Teilnehmer sich erinnerte, sei damals der Typhus für die Quarantäne des ganzen Dorfes und die Absage des Festes verantwortlich gewesen. Sogar ein Lazarett habe in der Schule eingerichtet werden müssen.

So schlimm traf ist die Oberderdinger in diesem Jahr nicht. Sogar einige Kinder waren in den Reihen der Zuschauer zu sehen, obwohl die organisierte Teilnahme der Schulen und Kindergärten abgesagt worden war. Melanie Hille, Emily Reichert und Ilayda Özdogan ließen es sich nicht nehmen, mit ihren Krippenkindern des Schneckenhauses die lange Strecke zu der ersten Station an der Mühle zurückzulegen. Sie setzten ihre 13 Kinder dafür kurzerhand in den Bollerwagen. Mit dabei war am Kelterplatz auch Birgitta Neumann mit den vier Kindern aus ihrer Tagespflege. Sie beobachteten gebannt Auftritt der Reiterinnen und des Musikvereins.

Für diejenigen unter den Besuchern, die den Huntergrund noch nicht kannten, streute der Bürgermeister an den einzelnen Stationen auf der Strecke immer wieder Informationen über den Brauch ein, der wohl aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges stammt. Ganz besonders dankbar dafür war Heike Zickwolf. Bisher habe sie den Brauch nur aus der Zeitung gekannt. Als seit drei Jahren Ortsansässige wolle sie sich den persönlichen Augenschein jetzt aber nicht mehr entgehen lassen. Lichtmess Das Lichtmessreiten übe schließlich eine ähnliche Ausstrahlung für das Dorf aus wie das Peter-und-Paul-Fest für Bretten.

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