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Schüler gehen mit ihren Boliden in der Wössinger Böhnlichhalle an den Start

Einmal selbst Michael Schumacher spielen – das ist der Traum vieler Jugendlicher. Realisieren können das nur ganz wenige. Doch es gibt eine Alternative. Sie nennt sich „Formel 1 in der Schule“.

Mit den großen Boliden nachempfundenen, mit Gaspatronen angetriebenen Modellen treten dabei Schüler-Teams auf einer 20 Meter langen Rennstrecke gegeneinander an, wie sie auch die „große“ F1-Weltmeisterschaft prägen.

Vor den Sieg hat ein strenges Reglement allerdings hohe Hürden gesetzt. Der Clou dabei: Die maximal 55 Gramm schweren, zwischen 17 und 21 Zentimeter langen und maximal 8,5 Zentimeter breiten, kleinen Flitzer müssen mithilfe einer CAD-Software ganz nach den großen Vorbildern komplett selbst entworfen und mit Hilfe computergesteuerter Fertigung auch selbst hergestellt und über Sponsoren finanziert werden. Den Antrieb übernimmt eine Gas-Patrone.

Die Modelle werden  entweder aus einem PU-Schaum-Block herausgefräst, ganz wie das auch professionelle Formenbauer für ihre Entwürfe tun, oder sie werden über einen 3D-Drucker hergestellt. Genau diese Fertigkeiten sind maßgebliche Bausteine in dem Regelwerk, das über Sieg oder Niederlage entscheidet. Es dreht sich nämlich keineswegs nur um Geschwindigkeit. Der Schnellste ist nicht unbedingt der Sieger. Es muss ein hochkompliziertes Regelwerk eingehalten werden, dessen Erfüllung die Juroren am Ende bewerten und in das viele andere Faktoren einfließen.

Armin Gittinger präsentiert in der Wössinger Böhnlichhalle die Rennbahn des Wettbewerbs „Formel 1 in der Schule“

Die Jury bewertet dabei Kriterien wie den Businessplan, eine mündliche Präsentation oder das Portfolio der Teams, das auch ein überzeugendes Konzept für Projektmanagement und Marketing beinhalten sollte. Eine besondere Rolle in der Wertung nimmt wie bei einem F1-Rennstall die Teamleistung ein. Nur wer Konstruktion, Fertigung, Reaktionszeit und Fahrzeuggeschwindigkeit beim Wettbewerb bestmöglich vereint, hat Chancen auf den begehrten Titel. Teilnehmen können Schülerinnen und Schüler im Alter von 11 bis 19 Jahren, 12.000 waren schon dabei. Der Durchschnitt liegt bei 15 Jahren. Sie treten an in regionalen Ausscheidungen, über deutsche und Europa- bis hin zu Weltmeisterschaften.

Ein Team kann in der ersten Saison schon mal mit einer Investition von 300 Euro an den Start gehen. Für diejenigen, die sich bis zur Weltmeisterschaft durchgebissen haben, ist das allerdings ein Klacks. Sie haben sich in aller Regel mit Marketing und Sponsoren-Suche so weit in die Höhe gehangelt, dass für den Erfolg bis zu 30.000 Euro  investiert werden.

In Deutschland wird der Wettbewerb von Armin Gittinger betreut. Der Siemens-Software-Experte hat den ursprünglich aus England stammenden, auf den Kontinent übergreifenden Wettbewerb vor rund 15 Jahren für sich entdeckt. Der Wössinger ist begeistert von dem Wettbewerb, gibt er doch „den Schülern die Chance, in einen Beruf rein hineinzuschnuppern. Das ist das Kernziel.“ Da kann am Ende schon mal ein Job als Fahrzeug-Ingenieur bei Daimler genauso stehen wie als Aerodynamik-Experte im F1-Sauber-Team der Formel 1, sagt Gittinger und verweist damit nicht auf Luftnummern, sondern tatsächliche berufliche Erfolgswege um die er weiß.  

Corona-Zeiten geschuldet ging am Wochenende die nordrhein-westfälische Landesmeisterschaft digital über die Bühne der Wössinger Böhnlichhalle. Wo ansonsten sich hunderte von Leuten in der Halle gedrängt hätten, da stand jetzt Organisator Gittinger ganz allein mit seiner Gattin und Assistentin Elisa vor Ort. Das sorgte für eine eher spärliche Teilnehmerzahl. Corona hatte im Jubiläumsjahr auch einen dicken Strich durch den Plan gemacht, „dass wir etwas ganz Schickes machen wollten“, bedauert Armin Gittinger. Im Gegenteil durfte niemand vor Ort sein und miterleben, wie sein Modell ferngesteuert über die Kurzbahn raste. Immerhin wurde das Rennen mit vier Kameras aufgezeichnet und allen Teilnehmern über einen Youtube-Kanal zur Verfügung gestellt. Selbst die Sieger werden erst am Mittwoch von ihrem Erfolg erfahren.

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