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„Immer noch mein Traumberuf“

22.10.2011 10:42 von Arnd Waidelich Kritische Anmerkungen zu den Rahmenbedingungen der Alltagsarbeit der Polizeiarbeit Bruchsal ist menschenleer. In der Nacht von Samstag auf Sonntag scheint die Innenstadt um Mitternacht wie ausgestorben. Ganz vereinzelt trabt verloren eine Gruppe Jugendlicher mit einer Riesenflasche Cola über die Friedrichstraße. Ihre Bewegungen werden in dieser Nacht mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt. „Wenn da mal nur Cola drin ist“, misstraut Polizeihauptmeister Klaus Henke, der mit Polizeimeisteranwärter Nicolas Reinartz in dieser Nacht Streife fährt, dem Inhalt. Die beiden sind von ganz oben angewiesen, die Augen offen zu halten. 10.000 Euro Schaden haben nächtliche Brandstifter in den letzten Wochen mit dem Entzünden von Mülltonnen angerichtet. Ein Sachschaden also, der sich in Grenzen hält. Kein Grund indessen für die Bruchsaler Polizei die Hände in den Schoß zu legen. „Die Bevölkerung ist stark beunruhigt“, berichtet Dienstgruppenleiter Peter Hubbuch. Das macht auch vor der Politik nicht Halt. Aus dem Rathaus sei die Erwartung geäußert worden, „dass wir etwas tun.“ Henke und Reinartz sind Teil dieser Bemühungen. Klaus Henke ist ein „alter Hase“ in seinem Revier. Seit mehreren Jahrzehnten schon durchstreift er in den Nächten des Wochenendes die Bruchsaler Innenstadt. Er kennt die Brennpunkte wie seine eigene Hosentasche. „Es sind immer die gleichen Stellen, an denen es in den Nächten von Freitag auf Samstag und Samstag und Sonntag Probleme gibt“, grinst er und meint damit die „sündige Meile“ Bruchsals: Den FKK-, einen Swinger-Club, die Discotheken „A5“ und „Unity“ etwa, wo Autos aus der ganzen Bundesrepublik vorfahren. Ob Glücksspiel, Erotik oder Disco – „Bruchsal hat alles!“ grinste Henke. Und es hat die Probleme „Wo du eine Diskothek hast, da hast du Rauschgift und Körperverletzungen“, weiß der Polizeihauptmeister aus seinen Erfahrungen. Gegen Ende der Nacht gehe es oft heiß her, sagt er, morgens gegen fünf, „wenn sich die Jungs um die Mädchen prügeln“. In dieser Nacht hingegen schieben sie zunächst eine ruhige Kugel. Es geht auch mal nach Forst, dann durch die Fußgängerzone. Vor der Sparkasse stoppt Klaus Henke den Wagen. Im Schalterraum der Bank lungern ein paar Jugendliche herum. Ein bekanntes Bild für den erfahrenen Polizisten. „Um zwölf rum schließt der Bahnhof. Wer beim Warten auf die Bahn nicht frieren will, der kommt hierher“, zeigt er Verständnis für die Jugendlichen. Kurz die Ausweise kontrolliert und schon geht es weiter. Ein paar Meter weiter lässt er plötzlich die Seitenscheibe herunter. „Hey, muss das sein?“ beordert er – vollkommen ruhig bleibend – ein älteres Pärchen her, das mit einem Krückstock einen Oleanderbusch am Straßenrand traktiert hatte und sich jetzt mit einigen Blüten im Knopfloch davon machen will. Ein milder Verweis, das wars dann aber auch schon. Er berichtet von der Kontrolle eines Spielplatzes in der Bruchsaler Südstadt. Mit faustgroßen Steinen seien sie dort schon beworfen worden. „Südstadt eben“, meint er ein wenig verbittert. Da helfe auch nicht die Aktion „Sicheres Bruchsal“, die sein Chef ins Leben gerufen habe. Zusätzliche Polizeipräsenz solle dafür sorgen, dass die Jugendlichen den Problembereichen fern bleiben. „Aber wo sollen sie denn hin? Die sind aus Bruchsal, die können sich doch nicht in Luft auflösen!“, schüttelt er den Kopf. „Wir bekämpfen das Symptom und nicht die Ursachen. Wir bräuchten mehr Streetworker und städtische Angebote“, meint der Polizist, der als Forster Gemeinderat ein politisches Wörtchen mitreden kann. Es sind diese Dinge und die Rahmenbedingen, so sagt er, die ihn belasten. „Wir hatten heute Morgen schon Dienst von 6.30 Uhr bis 12.30 Uhr, dann ein bisschen schlafen und um 18 Uhr geht es schon weiter mit der Nachtschicht. Das geht an die Substanz.“ Ohne Pause. Zum Essen und Trinken, den Gang zur Toilette müssen sie ins Revier fahren. Zweifel an seinem Beruf aber kommt bei den beiden nicht auf. en bei ihm nich tauf. „Das ist immer noch mein absoluter Traumberuf. Vielfältig, abwechslungsreich und man hat mit vielen Leuten zu tun“, sagt Jan Nicolas Reinartz. „Die Polizei, dein Freund und Helfer“ – der fast schon abgedroschen klingende Slogan – „Das ist immer noch mein Motto“, bestätigt Klaus Henke. „So gehe ich mit den Bürgern um. Sie sollen zufrieden sein, wenn sie mit mir zu tun gehabt haben.“

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