Im Kampf gegen Großmäster besteht nur Qualität

Schweinepest noch kein großes Thema bei Jöhlinger Schweinezüchter

Ein Gespenst geht um unter den Bauern in Deutschland. Das Gespenst heißt Schweinepest. Von Brandenburg aus könnte die von Wildschweinen übertragene Seuche immer weiter gen Westen vordringen.

Diese Bedrohung wird von den Schweinezüchtern in der Region mit großer Aufmerksamkeit beobachtet. Panik ist auf dem Jöhlinger Bauernweiler Binsheim zwar noch nicht ausgebrochen.

Wenn man aber mit dem letzten im Verbreitungsgebiet der Hardt-Ausgabe der BNN übrig gebliebenen Schweinezüchter größeren Formats spricht, hört man Folgendes: „Wir machen uns schon Sorgen“, gesteht Karl-Heinz Gretz.

Leonard und Karl-Heinz Gretz in ihrem Binsheimer Schweinestall

Im Landkreis mit der geringsten Schweinedichte in ganz Baden-Württemberg betreibt er zusammen mit seinem Sohn Leonhard den bäuerlichen Familienbetrieb mit Schweinezucht und Landwirtschaft in der dritten Generation. Sein Bruder Klaus kümmert sich mit seiner Familie um die Selbstvermarktung von Wurst und Fleisch der direkt auf dem Hof aufgezogenen und geschlachteten Schweine. In den beiden vielköpfigen Familienbetrieben, in der fast jede Hand mithilft, wimmelt es nur so von Metzger- und Landwirtschaftsmeistern. Mit Tochter Isabelle findet sich in ihren Reihen sogar eine Foodmanagerin.

Dermaßen von Borstenvieh und Schweinespeck abhängig „wäre es für uns natürlich eine Katastrophe, wenn die Seuche bei uns eindringen würde,“ sagt Karl-Heinz Gretz. Als Einfallstor aus dem Osten fürchtet er sich nicht so sehr vor den Wanderungsbewegungen der Wildschweine, die die die Krankheit übertragen, auch wenn sie pro Tag bis zu 60 Kilometer wandern können. Sorgen bereitet ihm eher der LKW-Verkehr aus dem Osten. „Wenn polnische Fahrer abgelaufene Rohwurst aus dem Fenster werfen, die Infektionsträger sein könnte“, gehe davon enorme Gefahr aus. Deshalb seien Parkplätze auf den Autobahnen schon seit geraumer Zeit eingezäunt.

Hygiene und Sorgfalt sind also unabdingbar bei der Aufzucht der rund 200 Schweine, die sich bei den Gretzens im Stall tummeln. Das allerdings ist bei ihnen schon vor dieser Gefahr aus den Osten beachtet worden, versichert das Familienoberhaupt. Seinen Familienbetrieb sieht er deshalb gut gerüstet gegenüber der bisher nur potentiellen Herausforderung.

Hygiene und Sorgfalt sind also unabdingbar bei der Aufzucht der rund 200 Schweine, die sich bei den Gretzens im Stall tummeln. Das allerdings ist bei ihnen schon vor dieser Gefahr aus den Osten beachtet worden, versichert das Familienoberhaupt. Seinen Familienbetrieb sieht er deshalb gut gerüstet gegenüber der bisher nur potentiellen Herausforderung.Eine große Rolle dabei spielt der Status als Selbstvermarkter. Das Infektionsrisiko Schlachthof, von wo schon oft Krankheiten in die Bestände eingeschleppt wurden, existiert im Binsheimer Schweinebetrieb nicht. „Von dort bringt man als Bauer oft etwas mit nach Hause“, sagt Gretz, sogar über die Reifen des Anhängers oder des Autos.

Bei den Gretzens kann das nicht passieren. Mit der Selbstvermarktung habe man ein Alleinstellungsmerkmal, das das Infektionsrisiko minimiert. “Wir haben keinen Kontakt mit Schlachthöfen. Wir sind clean“, beschreibt Karl-Heinz Gretz die Situation. Selbst bei den Fremdfahrzeugen achte man darauf, wer auf den Hof komme. Die zehn bis zwölf Schweine, die wöchentlich ihr Leben lassen müssen, laufen nämlich aus dem Stall über genau diesen Hof direkt ins wenige Meter vom Stall entfernte Schlachthaus.

Das minimiert nicht nur das Infektionsrisiko, sondern hat einen weiteren wesentlichen Vorteil: „Da gibt es keinen Transportstress“, freut sich Karl-Heinz Gretz und die Kunden mit ihm. Das mache sich deutlich in der Qualität des Fleisches bemerkbar. Dieses Lob höre er immer wieder, wenn ihr Marktwagen Stationen in Karlsruhe, Durlach, Ettlingen, Waldbronn, Langensteinbach, Stupferich und selbstverständlich in der Heimat in Jöhlingen und Wössingen anfährt. „Auf dem Markt sind die Leute, die unser Fleisch wertschätzen und die heimische Produktion unterstützen und ein paar Euro mehr bezahlen“, ergänzt Sohn Leonhard Gretz.

Das eigene Futter mache sich ebenfalls qualitätssteigernd bemerkbar. Es wird selbst angebaut auf insgesamt rund 180 Hektar. Neunzig davon sind für biologischen Anbau reserviert. Der Sojaanteil wird im Kraichgau-Raiffeisen-Zentrum in Eppingen weiterverarbeitet. Als Soja-Schrot garantiere es in Pressform die ideale Eiweißzufuhr.

Nur mit dem Prinzip „Regional und vor Ort“ könne man als Familienbetrieb in der Konkurrenz gegen die Preismaschinen der großen ostdeutschen Mastbetriebe mit bis zu 70.000 Tieren überleben. Bei denen bleiben nach Schätzung von Vater Karl-Heinz „gerade mal drei bis fünf Euro Gewinn pro Schwein übrig“. Sie hingegen setzen seit mehr als fünfzehn Jahren Qualität dagegen, betonen Vater und Sohn. Nur ein Nischendasein sei das zwar, aber eines in dem sie sich sichtlich wohl fühlen und zuversichtlich sind, auch künftig mit diesem Konzept gut zu fahren.

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