Hotels wollen Planungssicherheit

Enttäuschung über ausbleibende Hilfen

Es ist ein hartes Wirtschaften, das die Hoteliers der Region im Lockdown allesamt teilen. Und dennoch glimmt bei allen noch weit mehr als nur ein Fünkchen Hoffnung, dass es bald irgendwann wieder normal weiter geht. „Ich bin ein geborener Optimist“, reagiert Kristina Trautwein vom Weingartener Walkschen Haus auf die Krise,

selbst wenn die Zahl der Gäste sich auf rund 20 Prozent eingedampft hat. Dieses Schicksal trage sie nicht aufgrund eigener Fehler, sondern aus Gründen des Allgemeinwohls. Nur vier Gäste seien diese Woche da.

Für die gibt es aufgrund der Hygienevorschriften kein üppiges Buffet mehr. Teller werden nach Wunsch angerichtet. Beim Servieren hilft die Chefin selbst mit, denn fast alle Servicekräfte sind in Kurzarbeit. Die allerdings funktioniere in Zusammenarbeit mit dem Arbeitsamt sehr gut, sagt die Chefin des Walkschen Hauses.

Nicht so glücklich ist sie mit den Überbrückungshilfen. Damit sei es nicht so weit her. Selbst die Abschlagszahlung der Novemberhilfe sei lediglich zu 40 Prozent dessen eingetroffen, was der Steuerberater ausgerechnet habe.

Auch im Weingartener „Kärcher“ ist die Belegung der Betten auf rund 20 Prozent gesunken. Im Moment seien 6 seiner 30 Betten belegt, berichtet Oliver Kärcher. Die Gaststätte sei seit geraumer Zeit geschlossen. Das Frühstück beschränke sich auf ein kleines Paket.

Das wird im Moment vor allem Monteuren und Handwerkern geliefert, auf deren Unterbringung man sich im „Kärcher“ spezialisiert hat. Alle Reservierungen werden über E-Mail digital abgewickelt, sogar der Empfang kann kontaktlos bei der Schlüsselübergabe über einen Eingangscode durchgeführt werden. „Wir haben über die E-Mails ja alle Namen sodass Nachverfolgung möglich wäre“, sieht er sich bei der potentiellen Nachverfolgung der Gäste auf der sicheren Seite.

Was sich für ihn sehr negativ bemerkbar mache, sei das völlige Wegfallen der Tanzveranstaltungen in der Kärcherhalle. Sie machten normalerweise 60 Prozent des Gesamtumsatzes aus, sind aber seit dem Lockdown völlig weggefallen. Umso mehr hofft er auf den Neubeginn mit dem zweiten Standbein nach dem Lockdown.

Das alles treffe ihn hart. Und dennoch sagt Oliver Kärcher: „Es bringt doch nichts, wenn ich in Selbstmitleid und Trostlosigkeit verfalle. Wir halten das aus“. Er müsse an seine Reserven ran, die er in den Jahren vorher aufgebaut habe. Hoffnung setzt er darauf, dass Firmen die Arbeit wieder aufnehmen dürfen, deren Monteure Corona-bedingt in Kurzarbeit geschickt wurden und für ihn als Kundschaft im Moment wegfallen.

Ganz ähnlich ist es bei einem Leopoldshafener Hotelier, der mit Namen nicht genannt werden will. Seine Gäste beschränken sich mittlerweile auf Geschäftsreisende. Das seien mittlerweile vor allen Dingen Monteure, die die anderen früheren Gästen wie Doktoranden vom KIT oder ähnliches ersetzt haben.  „Touristen dürfen ja nicht anreisen“, berichtet er.

Der Aufwand bei der Anreise würde sich in Corona Zeit auch um etliches umständlicher gestalten, weil man sehr viel mehr Formulare am Empfang ausfüllen müsse. Der Umsatz sei auf etwa 40 Prozent der Vor-Corona-Zeit gefallen. Die Überbrückungshilfe des Staates bezeichnet er als einen Witz. Von den 75 Prozent der Umsätze des Vorjahres habe er bisher nur eine Abschlagszahlung für November erhalten und selbst davon seien Kosten wie das Kurzarbeitergeld abgezogen worden, sodass nur noch 30 Prozent übriggeblieben seien, meint ein.

Gähnende Leere herrscht derzeit auch in der Kleinsteinbacher Hammerschmiede. „Wir haben gerade mal zwei Gäste“, bekennt Direktor Eric Griese. Außer Geschäftsreisenden sucht derzeit niemand Unterkunft in dem einzigen Luxushotel in der Hardt. Die Fünf-Sterne-Küche bleibt kalt, denn Verpflegung, auch Frühstück gibt es nur aufs Zimmer. „Das bisschen Take-Away ist nicht der Rede Wert“, sagt Griese. Die finanzielle Belastung sei mit hohen laufenden Kosten riesig. Umso schmerzlicher sei es, dass die versprochene Unterstützung nicht eintreffe.

Das alles wäre für ihn leichter erträglich, wenn „ich endlich mehr Planungssicherheit hätte“. Zurzeit hänge er im luftleeren Raum. Das sei zehrend nicht nur für ihn, sondern auch für die Psyche seiner Angestellten, die jetzt schon viele Wochen in Kurzarbeit sind und das Damoklesschwert der Arbeitslosigkeit über sich sehen. „Diese Ungewissheit, das ist das Schlimmste“, sagt er. Dennoch aber sei er „tief im Herzen optimistisch und voller Hoffnung. Wir werden das durchhalten“.

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