Holzpreise im Höhenrausch

Beim Holzhandel herrscht derzeit „Kapitalismus in Reinform“ sagt die Holzverkaufsstelle des Landratsamtes

Die Baubranche ist eine der wenigen, die von Corona kaum beeinträchtigt wird. Das zeigt sich nicht nur an den Preisen der Immobilien. Die Holzpreise steigen gar noch rasanter. Die Bauherren auch in der Region stöhnen unter gewaltigen Preiserhöhungen. Anke Kirchgäßner-Kloss weiß davon ein Lied zu singen.

„Vollholz ist ein großes Thema bei uns“, sagt die Geschäftsführerin der Jöhlinger Gerhard Kirchgäßner GmbH. Von Januar bis Ende Mai sei der Preis um 65 Prozent gestiegen.

Weitaus schlimmer sei die Entwicklung bei den getrockneten Hölzern. Im gleichen Zeitraum sei dafür der Preis um 250 Prozent gestiegen. Beim größten regionalen Holzfachhändler geht die Sorge um, dass damit noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht ist. „Das sind Tagespreise, die morgen schon anders sein können“, berichtet Anke Kirchgäßner-Kloss. Damit nicht genug verbinden sich mit den hohen Preise enorme Lieferschwierigkeiten: „Wir müssen glücklich sein, wenn wir überhaupt etwas bekommen“, zeigt sie sich ernüchtert.

Die Gründe für diese „Kalamitäts-Lage“ weiß Florian Meißner von der Holzverkaufsstelle des Landratsamts Karlsruhe ganz genau. Verantwortlich dafür sei die angespannte Nadelholz-Situation im Bereich der Fichte nicht nur im Karlsruher Forstamt. Die Dürre der vergangenen Jahre und der Borkenkäfer hätten dem Nadelholz ganz enorm zugesetzt. Im Moment sei das Einschlagssoll erfüllt „und wir werfen nicht ohne Ende Frischholz auf den Markt“.

Ganz entscheidend für die Preise sei aber die hohe Nachfrage auf dem US-Markt und in China. Dort würden den deutschen Nadelholzsägern Preise gezahlt, die um ein Vielfaches höher liegen als in Deutschland. Das habe zu einer enormen Verknappung dieser Materialien auf dem deutschen Markt geführt. Aus den zwei oder drei Wochen, die man früher zur Beschaffung des notwendigen Holzes für einen Dachstuhl habe warten müssen, seien im Moment zwölf Wochen geworden und das zu einem Preis der doppelt und dreifach so hoch ist. „Das ist Kapitalismus in Reinform“, meint Florian Meißner.

Er zeigt andererseits aber auch Verständnis für das marktkonforme Verhalten. Wenn in den USA 800 und 850 Euro für den Festmeter bezahlt werden, dann könne er es nicht verübeln, wenn keiner der deutschen Holzsäger mehr bereit sei, diese Hölzer für 300 Euro abzugeben. „Die exportieren dann lieber containerweise nach China und in die USA“.

Die Waldbesitzer auf der anderen Seite würden davon nicht angemessen profitieren. Die Festmeterpreise seien nur mäßig gestiegen. Ein Ersatz für Tanne oder Fichte stünde mit der Kiefer auch nur bedingt zur Verfügung. Ihre Qualität sei nicht so gut. Sie würde deshalb auch nicht im gleichen Ausmaß nachgefragt. Sie sei stärker verastet und harze sehr viel mehr als die Konkurrenz.

Den Trend bestätigt der Brettener Förster Ewald Kugler. In Bretten betreut er rund 2000 Hektar Wald. Davon entnimmt er jedes Jahr 16 000 Festmeter. Damit wirtschaftet er nachhaltig und liegt etwas unterhalb dessen, was jedes Jahr nachwächst. Er hat in den Brettener Wäldern die Beobachtung gemacht, dass die Bäume unter der Trockenheit sehr leiden, besonders die Buche. Beim Holzeinschlag hatte er im vergangenen Jahr hauptsächlich mit dürren Buchen zu tun. Sie hätten schnell aus den Beständen genommen werden müssen, weil ansonsten die Sägefähigkeit des Stammholzes leide.

Wegen des großen Buchenholzanfalls habe man sich in diesem Jahr bei der Vermarktung auf diese Holzart beschränken müssen und habe deshalb unter dem Preisverfall der Fichte nicht zu sehr gelitten. Der finanzielle Ausfall könne überdies durch einen von der Bundesregierung gewährten Zuschuss ausgeglichen werden. Zehn Euro erhalte man pro Hektar bestocktem Bestand. Das seien in Bretten genau 192000 Euro, mit denen man den Haushalt soweit ausgleichen könne, „dass wir auf eine grüne Null kommen,“ sagt Kugler.

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