Hoffnung

Es ist April. Er macht heute besonders was er will. Das Schneetreiben hat einer NadR-Leserin Erinnerungen geweckt an ein Gedicht von Emanuel Geibel aus ihrer Schulzeit. Und sie hat entdeckt: es passt in der Tat nicht nur zum Wetter, sondern auch zum Corona-Frust. „Hoffnung“ heißt es und es geht so:

Und dräut der Winter noch so sehr

Mit trotzigen Gebärden,

Und streut er Eis und Schnee umher,

Es muß doch Frühling werden.

Und drängen Nebel noch so dicht

Sich vor den Blick der Sonne,

Sie wecket doch mit ihrem Licht

Einmal die Welt zur Wonne.

Blast nur ihr Stürme, blast mit Macht,

Mir soll darob nicht bangen,

Auf leisen Sohlen über Nacht,

Kommt doch der Lenz gegangen.

Da wacht die Erde grünend auf,

Weiß nicht, wie ihr geschehen,

Und lacht in den sonnigen Himmel hinauf,

Und möcht vor Lust vergehen.

Sie flicht sich blühende Kränze ins Haar

Und schmückt sich mit Rosen und Ähren,

Und läßt die Brünnlein rieseln klar,

Als wären es Freudenzähren!

Drum still, und wie es frieren mag,

O Herz, gib dich zufrieden,

Es ist ein großer Maientag

Der ganzen Welt beschieden.

Und wenn dir oft auch bangt und graut,

Als sei die Höll‘ auf Erden:

Nur unverzagt auf Gott gebaut,

Es muß doch Frühling werden.

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