Grüne wollen keine Umgehung mehr

Drastisch geändert haben die Walzbachtaler Grünen ihren Kurs zur B293-Ortsumfahrung Jöhlingen. Während sie 2013 die Umgehung noch befürworteten, rufen sie in der folgenden Presseerklärung die Bürger dazu auf, Einwendungen vorzubringen gegen das Planfeststellungsverfahren des Regierungspräsidium:

(PM). Mitglieder des Ortsverband der Grünen haben sich in einer Sitzung kritisch mit der Planfeststellungsverfahren zum Neubau der B 293 / Ortsumfahrung Jöhlingen auseinandergesetzt. Der Wunsch einer Umfahrung Jöhlingen als Teil des Verbundprojektes zur Vernetzung des Karlsruher Umlandes bis nach Heilbronn war in der Vergangenheit nachvollziehbar.

Mittlerweile ist die Sichtweise durchaus kontrovers: der Lebensstandard mit 2 Autos pro Haushalt und die zusätzliche Steigerung beim Transportaufkommen wird zunehmend als Belastung erlebt, die durch den Bau einer neuen Straße nicht gelöst wird.

„Seiteneffekte“ wie durch den Flächenverbrauch zerstörte Umwelt und gestörter Wasserhaushalt werden stärker wahrgenommen, weil die Trinkwasserversorgung und eine intakte Natur auch als Teil des Lebensstandards ins Bewusstsein gelangt sind.

Die geplanten Lärmschutzmaßnahmen sehen wir als unzureichend. Der Lärm und die Luftverschmutzung verteilen sich auf andere und weitläufigere Teile der Gemeinde. Auch befürchten wir, dass für den Schwerverkehr die ausgebaute Bundesstraße wie eine „Einladung“ zu einer günstigen Ausweichstrecke aussieht und das Verkehrsaufkommen und die damit einhergehenden Belastungen sich deutlich erhöhen.

Alternative Mobilität, speziell Fahrradmobilität ist nicht berücksichtigt. Gleichzeit nutzen die Bürgerinnen und Bürger vermehrt das (E-)Fahrrad zum regelmäßigen Pendeln.

Durch das enorme Volumen der Baumaßnahme befürchten wir eine weitreichende Störung des Wasserkreislaufs, der unsere Grundwasservorkommen für die Trinkwasserversorgung auffüllt. Folgekosten für eine alternative Versorgung sind in der Finanzierung nicht enthalten, sondern sind von der Gemeinde zu tragen.

Auch der Hochwasserschutz ist nach unserer Einschätzung nicht ausreichend abgedeckt. Sind die Kanalkapazitäten Jöhlingens ausreichend dimensioniert, gerade unter dem Gesichtspunkt von häufiger auftretenden Starkregenereignissen? Die Kostenträgerschaft für den Betrieb und Erhalt der angedachten Pumpstation liegt nicht beim Bund. Unter dem Gesichtspunkt des knappen Gemeindebudgets wäre dies eine unerwünschte und schwer verkraftbare Zusatzbelastung.

Unter der Prämisse des Naturschutzes UND der Schuldenbremse, sehen wir diese enorme Investition in dieser Form höchst bedenklich und wünschen uns eine „alternative“ Nutzung des Budgets: Klare Priorität hier ist für uns der Ausbau des ÖPNV, wie das 2. Gleis der S-Bahn-Linie.

Der Fahrradverkehr muss gemeinschaftlich zwischen den Umlandgemeinden sinnvoll konzeptioniert und gebaut werden, um diese umweltfreundliche und gesundheitsfördernde Transportoption sicher und effizient zu ermöglichen. Leider ist das Radwegenetz noch sehr mangelhaft.

Des Weiteren muss eine umsetzbare und wirksame Lösung für den vorhandenen und zukünftigen LKW-Transit gefunden werden, um diese unnötige Belastung dauerhaft zu vermeiden.

Viele unserer Mitglieder sehen diesen Entwurf kritisch, sodass sie ihre Einwände formuliert und dem Landratsamt übersandt haben. Mit diesen Einwendungen wird der aktuelle Planungsstand zur Diskussion und Neubewertung der Lage gestellt.

Wir empfehlen den Walzbachtaler Bürgerinnen und Bürgern diesem Beispiel zu folgen und Ihre eigenen Bedenken zu formulieren. Auf der Homepage der Grünen Walzbachtal ( https://gruene-walzbachtal.de ) befindet sich zum Download eine Mustereinwendung, die man entsprechend ausfüllen kann. Die Einwendung ist dann persönlich unterzeichnet bis zum 26.09.2021 an das Regierungspräsidium zu senden.

Nutzen Sie diese Möglichkeit zur demokratischen Einflussnahme auf dieses Bundesprojekt.

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Kommentare (5)

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    Doto

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    Als Antwort auf: Grüne wollen keine Umgehung mehr
    Danke! Ihr seid doch noch GRÜN! 😉 Interessant ist übrigens noch das Thema Beton: Für die neue Ortsumgehungsstraße würde man sehr viel Beton benötigen. Dieser hat aber einen immensen CO2-Ausstoß in der Herstellung.
    Wegen dem Lastverkehr: Es müsste einfach teurer sein für LKWs auf Bundesstraßen zu fahren als auf Autobahnen, dann gäbe es hier deutlich weniger Lastverkehr.

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    Michel

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    Als Antwort auf: Grüne wollen keine Umgehung mehr
    Das Fristende ist am 28.9.; also am Dienstag. Das heißt es ist noch Zeit aber nicht mehr viel. Also höchste Eisenbahn für eine Einwendung wenn ihr auch nur einen der oben genannten Gründe nachvollziehen könnt. Das Muster ist echt eine große Hilfe und macht es nahezu aufwandfrei möglich sich gegen diese monströse Absurdität die jeder Vernunft widerspricht zu engagieren.

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    Elkel Klein

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    Als Antwort auf: Grüne wollen keine Umgehung mehr
    Das ist mal wieder typisch für die Grünen. Bin jetzt doppelt froh sie nicht gewählt zu haben.

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    Sandra

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    An der Realität vorbei. LKWs durch’s Dorf fahren lassen und das soll grün sein? Oje, verirrte Kommunalpolitik.

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    Ikas

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    Man befürchtet, man vermutet. Alles aus dem Bauch heraus um ja schön Grün zu sein. Mit Befürchtungen und Vermutungen gegen Gutachten und Sachverstand. Na das kann ja was werden.
    Das eBike ist keine Alternative für alles. Wenn jemand von einem Brettener Dorf nach Karlsruhe muss, dann fahrt er nicht mit dem eBike. Und wie soll sonst die restliche Lösung aussehen? Immer nur dagegen oder utopische Vorschläge die fern von der Realität sind lösen das Problem nicht.

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