Header

Grenzwerte

Den Emissionsbericht des Wössinger Zementwerks für das Jahr 2019 hat der Walzbachtaler Gemeinderat bei einer Enthaltung zur Kenntnis genommen. Jörg Heimburg Leiter Umwelt, Genehmigung und Öffentlichkeitsarbeit beim Betreiber Opterra, hatte zusammen mit Werksleiter Stephan Schenk ein beeindruckendes Zahlenwerk vorgelegt.

Es gipfelte in einem Säulendiagramm, das theoretisch mögliche Grenzwerte den Ist-Werten von Kohlendioxid-, Quecksilber-, Schwefeldioxid- oder Staubausstoß gegenüberstellte. Bei nahezu allen Diagrammen lagen die Ist-Werte sehr weit unter den Grenzwerten. Einzig beim Quecksilber war die Distanz nicht so groß.

Das alles sei bei einer Vielzahl von Tagesmittelwerten (2554 Messungen) bis hin zu den Halbstundenmittelwerten (119.174 Messungen) bestätigt worden. Die Grenzwerte seien bei Tagesmittelwert zu 99,6 Prozent eingehalten worden, bei den Halbstundenmittelwerten zu 99,8 Prozent. Eine sehr erfreuliche Bilanz sei das, meinte Heimburg und zeigte sich besonders stolz darauf, dass Schwermetalle in den Emissionen des Zementwerks gar nicht mehr nachweisbar seien.

Erfolge zeigten sich insbesondere beim Quecksilberausstoß, weil das Werk – so sein Versprechen während des letztjährigen Emissionsberichts – „den Fokus in diesem Jahr auf das Quecksilber gelegt hat“. Eine enorme Lernkurve und ein schöner Erfolg sei das, meinte Heimburg und versprach für das nächste Jahr eine nochmalige Verbesserung.

Fokus auf dem Quecksilber

Die Bilanz blieb jedoch nicht ohne kritische Bemerkungen insbesondere von Seiten der SPD und der Grünen. Silke Meyer, Fraktionsvorsitzende der SPD, relativierte die Einhaltung der Quecksilber-Grenzwerte. Die lägen immer noch weit über denen von Müllverbrennungsanlagen, obwohl im Zementwerk Müll verbrannt werde. Die Grenzwerte seien lediglich Zahlen, die zwischen Politik und Lobbyisten vereinbart wurden. Das Werk emittiere immer noch „eine riesige Menge an gefährlichen Schadstoffen, die auf die nähere und weitere Umgebung niederfällt“.

Eine Tatsache, auf die auch die Grünen-Fraktionsvorsitzende Andrea Zipf hinwies. Jörg Heimburg räumte daraufhin ein, dass das Wössinger Zementwerk einen Mittelwert von 21 Mykrogramm Quecksilber pro Kubikmeter anstrebe, die Müllerverbrennungsanlagen jedoch 10 Mykrogramm einhalten müssten. Die Zementwerke seien aber Teil der politisch gewollten Lösung des Müll-Problems, stellte Umweltleiter die Grenzwertproblematik in einen Gesamtzusammenhang.

Geld in die Hand nehmen

Kein Grund indessen, nicht „mehr zu machen als das Notwendige“ und dabei Geld in die Hand zu nehmen, forderte Silke Meyer. Das gelte umso mehr als dieses Jahr mit dem Thema Klimawandel der CO2-Ausstoß der Zementwerke in den Fokus geraten sei. Das Klimaabkommen von Paris sei ohne einen Beitrag der Zementindustrie nicht umzusetzen.

Auch hier versprach Jörg Heimburg Nachbesserung. Opterra habe eine Reihe von Maßnahmen in der Pipeline, „um unseren Fußabdruck zu verbessern.“ Das Thema stehe „ sehr, sehr weit oben auf unserer Agenda“. Schließlich gab er noch auf Nachfrage von Andrea Zipf bekannt, dass die Wiederauffüllung der ehemaligen Abbaufläche sich langwieriger als gedacht gestalte. Die Kapazität von 500.000 Kubikmetern sei bis jetzt erst zu 400.000 Kubikmetern in Anspruch genommen, weil die Anlieferungen von der Stuttgarter S21 Baustelle weggebrochen seien. Der Verfüllungsprozesse werde deshalb noch zwei, drei Jahre dauern.

Auch beim Thema Lärm gebe es wie Anwohnerklagen beweisen von Opterra noch viel zu tun. „Wir arbeiten weiter daran“, versicherte Heimburg auch hier und führte die Investition von 250.000 Euro für Filteraustausch als Beweis an.

Das Gelände habe sich aber insgesamt zu einem Naturparadies entwickelt, in dem Uhu und Kreuzkröte ihre Heimat gefunden hätten. Auch hier Widerspruch: Das alles seien Tiere, die schon vor dem Abbau dort gesiedelt hätten, maß Levin Huthwelker (Grüne) dem eine andere Bedeutung bei.

Ein müdes Lächeln rang sowohl Heimburg als auch Schenk der Meyer-Verweis auf einen BNN-Artikel ab. Dort war berichtet worden, dass im Wössinger Zementwerk fast alle Karlsruher Plastikabfälle über die Firma Alba geliefert und als Ersatzbrennstoffe (EBS) verbrannt worden seien, die „dafür sorgen, dass Abgasgrenzwerte nicht eingehalten werden.“ Mit Alba habe Opterra für den fraglichen Zeitraum überhaupt keinen Vertrag gehabt, wies Heimburg diese Meldung entschieden zurück. Der Artikel sei komplett falsch. Man werde sich mit Alba ins Benehmen setzen, wie eine solche Falschmeldung habe zustande kommen können. An der Verbrennugn von EBS ändere dies allerdings nichts, relativierte Andrea Zipf diese Korrektur.  Der mittlerweile zu 75 Prozent eingesetzte Fluff bestehe nur noch aus Plastikabfällen, informierte Heimburg auf eine entsprechende Nachfrage von Martin Sulzer.

Ganz ausführlich hat sich die SPD-Fraktionsvorsitzende Silke Meyer mit dem Thema beschäftigt. Ihre Stellungnahme zum Emissionsbericht des Zementwerks im Wortlaut:


Wie jedes Jahr möchten wir als SPD-Fraktion die Gelegenheit nutzen, kritische Fragen und Forderungen an das Zementwerk zu stellen. Wir werden nicht müde, vom Werk den Einsatz der bestmöglichen Technik für die Gesundheit der Bevölkerung, für die Umwelt und das Klima zu fordern.

in den letzten Jahren haben wir im Gemeinderat nach der Vorstellung des Emissionsberichts des Zementwerks die Themen Ausstoß von Quecksilber und Stickstoffdioxid angeprangert. Dieses Jahr kommt ein weiteres Thema dazu. Nachdem jetzt eigentlich alle in Deutschland, bis auf die AfD, die zum Glück hier nicht im Gemeinderat vertreten ist, einsehen müssen, dass es einen Klimawandel gibt und dass dieser menschengemacht ist, müssen sich die Zementwerke unseres Erachtens ganz kurzfristig dieser Aufgabe stellen. In einem Bericht auf einer chemiefreundlichen Plattform kann man lesen:

„Die Zementherstellung ist, je nach Rechenweg und einbezogenen Produktionsprozessen, verantwortlich für 4 bis 8 % der globalen CO2-Emissionen. Gut die Hälfte davon entsteht beim Brennen von Zementklinker, wo für jedes produzierte Molekül Kalziumoxid ein Molekül CO2 austritt. Hinzu kommt die nötige Energie zum Heizen, die ebenfalls noch zum großen Teil aus fossilen Energieträgern stammt. Zusammengerechnet führt das dazu, dass für jede Tonne Zement bei der Produktion eine Tonne CO2 anfällt. Wäre die Zement-Industrie ein Staat, sie läge bei den CO2-Emissionen an dritter Stelle, hinter China und den USA.“

Nach dem Klimaschutzabkommen von Paris muss die Erderwärmung auf 2 °C begrenzt werden. Um das zu schaffen, müssen die jährlichen Treibhausgas-Emissionen in den nächsten zehn Jahren um mindestens 16 % gesenkt werden. Ohne einen Beitrag der Zementindustrie ist das nicht zu schaffen. Wir sind der Meinung, dass da die Zementwerke in Deutschland eine Vorreiterrolle haben!

Politik und Industrie müssen den Wandel wollen. Überlässt man das Ganze allein den Marktkräften, wird der Zement vermutlich nie ergrünen.

Jetzt zu den Grenzwerten:

Im Emmissionsbericht wird mal wieder bestätigt, dass das Werk die Grenzwerte zu fast 100 % eingehalten hat. Doch wir sind damit nicht zufrieden, sind die Grenzwerte doch Zahlen, die zwischen Politik und Lobbyisten vereinbart wurden. So emittiert das Werk doch eine riesige Menge an gefährlichen Schadstoffen, die auf die nähere und weitere Umgebung niederfällt. Wir sprechen hier von mehreren hundert Tonnen!

Wir hören nicht auf, das Werk permanent aufzufordern, mehr zu machen als das Notwendige, um die Gesundheit der Menschen nicht zu gefährden. Dabei muss Geld in die Hand genommen werden, was den Gewinn schmälert, aber das muss es dem Werk wert sein.

Und noch eine Sorge, die uns umtreibt. Letzte Woche wurde in den BNN berichtet, dass nach Ansicht von Umweltverbänden zu viel Plastikmüll aus Karlsruhe in Verbrennungsanlagen landet. Die sogenannten Ersatzbrennstoffe, so die Kritik von BUND, könnten dafür sorgen, dass Abgasgrenzwerte nicht eingehalten werden. Bis 2019 sei nahezu der komplette Karlsruher Plastikabfall (ca. 13.800 Tonnen pro Jahr) als Ersatzbrennstoff von der Verwertungsfirma Alba Nordbaden mit Sitz im Rheinhafen Karlsruhe an das Zementwerk Wössingen geliefert worden. Das Problem dabei ist, das für Zementwerke geringere Grenzwerte als für die eigentlichen Müllverbrennungsanlagen gelten.

Leider ist auch hier für die Werkbetreiber das Ziel der höchstmöglichen Gewinnerzielung größer als der Schutz der Menschen und der Umwelt. Die sogenannten Ersatzbrennstoffe sind billiger als andere, für Mensch, Umwelt und Klima nicht ganz so schädliche Brennstoffe.

Lärm:

Wir Gemeinderäte hören permanent Klagen aus der Bevölkerung darüber, dass das Wössinger Zementwerk immer mal wieder zu laut sei, und das nicht nur aus der unmittelbaren Nachbarschaft. Wir fordern das Werk auf, sich diesen Klagen anzunehmen und hier kurzfristig Abhilfe zu schaffen. Lärm macht krank und hier kann im Gegensatz zu CO2 oder Quecksilber schneller Abhilfe geschaffen werden.

Und zum Schluss noch eine Frage zur Verfüllung des alten Steinbruchs. Wie ist der Stand der Verfüllung? Wie viele m³ bzw. LKW-Ladungen werden hier in welchem Zeitraum noch eingebracht werden?

Trackback von deiner Website.

Kommentare (2)

  • Avatar

    Andrea

    |

    Als Antwort auf: Grenzwerte
    Wo genau liegen denn die tatsächlichen Werte? Im Text heißt es „Jörg Heimburg räumte daraufhin ein, dass das Wössinger Zementwerk einen Mittelwert von 21 Mykrogramm Quecksilber pro Kubikmeter anstrebe“. Anstreben bedeutet, wir liegen noch deutlich über den 21 Mykrogramm pro Kubikmeter? Müllverbrennungsanlagen haben per Gesetz die Auflage 10 Mykrogramm pro Kubikmeter einzuhalten – im Zementwerk Wössingen darf rechtlich abgesegnet – Mensch und Umwelt ganz legal vergiftet werden. Hierzu würden mich Studien über vermehrt auftretende Krebsfälle in Walzbachtal interessieren…

    Reply

  • Avatar

    Norbert Majer

    |

    Als Antwort auf: Grenzwerte
    Welche Wunder bei den angesprochenen Diagrammen der Grenzwert -Ist Belastungen zu den genehmigten Werten. Nichts liest man von Stickoxiden, Ammoniak oder Cges= giftige Abgase und Einhaltung der gesetzlichen Grenzwerte ab 1.1.19. Ich habe gelesen, dass Opterra bei der Genehmigungsbehörde weitere sehr hohe Ausnahmegenehmigungen von den gesetzlichen Grenzwerten beantragt hat und diese anscheinend auch genehmigt erhalten hat, gegen den Widerspruch der Grünen Partei. Von diesem Einspruch ist in diesem Bericht nichts zu lesen! Alles palettie !!
    Die Genehmigungsbehörde hat dabei wohl nicht einmal die Abgasreinigung mit neuesten katalysatorischen Filteranlagen =SCR gefordert, die mehr als 50 % der Abgasschadstoffe herausfiltern könnte, vor allem aber Giftstoffe reduziert. Leider wird hier zu Lasten der Gesundheit, Umwelt, Natur und Klima immer noch vieles schön geredet. Wenn Opterra so tolle Halbstundenmesswerte aufweist und nichts überschreitet, dann sollten sie doch wie die modernen Müllverbrennungsanlagen diese laufenden Messwerte aus ihren Anlagen direkt ins digitale Netzwerk stellen, damit jedermann zu jeder Zeit dies auch tatsächlich selbst überprüfen könnte. Da werden schnell Widersprüche kommen. Zementwerke sind für Abfallverbrennungen filtertechnisch nicht auf dem heutigen Stand!

    Reply

Kommentieren

Home Footer Links