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Gemeinderatssplitter

Grüne treten mit Blumen an / Fragen zu den PREFAG-Erdbewegungen / Gemeinderat wird digital

Am 25. Mai überraschten die Walzbachtaler Grünen bei der Gemeinderatswahl mit dem besten kreisweiten Ergebnis. Mit breiter Brust präsentierten sie sich gestern Abend mit stark gewachsener Fraktion bei der Konstituierung des neuen Gemeinderats. Alle fünf Mitglieder hatten vor sich eine große Sonnenblume auf dem Tisch.

Fast erinnerte es daran, als 1983 die Grünen mit Transparenten und Blumentöpfen erstmals in den Bundestag einzogen und damit für viel Aufsehen und Rügen des Parlamentspräsidenten sorgten.

Einen zweiten Grund gab es für die Blumen. Die bestätigte Fraktionsvorsitzende Andrea Zipf hatte just gestern Geburtstag und erhielt dann selbstverständlich, wenn auch erst nach Schluss der Sitzung ihr „Happy Birthday to youuuu“ und lud zu einem Gläschen Sekt ein.

Ein Dankeschön für das Ständchen

Ein wenig neidisch blickte der Bürgermeister auf die Blumen. Wo denn die Gleichbehandlung sei, „wo sind unsere Blumen?“ richtete er seinen enttäuschten Blick vor sich auf die nur mit Akten geschmückte Verwaltungsbank.

Ehrenurkunde für Thomas Reichert für 15-jährige Zugehörigkeit zum Gemeinderat

Weder Blumen noch Gläschen erhielt Thomas Reichert. Er hatte einen seeehr kurzen Auftritt. Eigentlich war er auch nur gekommen, um die Ehrenurkunde für 15-jährige Mitgliedschaft im Gemeinderat abzuholen. Schon am Donnerstag hätte er die Urkunde erhalten sollen, saß dann aber zusammen mit ungarischen TSV-Sportfestgästen im Stau auf der Autobahn fest. Um die musste er sich gestern Abend erneut kümmern. Kaum geehrt war er schon wieder unterwegs zum TSV-Sportfest und verabschiedete sich mit einem „Ich wünsche der Sitzung einen guten Verlauf“.

Ein kurz vor dem Ende seiner Amszeit stehender amerikanischer Präsident wird als “lame duck“ bezeichnet, also als jemand, der nicht mehr viel bewirken kann. Mit der Rolle freundet sich Karl-Heinz Burgey allmählich an. Immer wieder ergänzt er eine Formalie mit dem Hinweis: „Das mache ich jetzt zum letzten Mal“. Zum letzten Mal werde er „seinen“ Gemeinderat am 24. Juli mit einer rappelvollen Tagesordnung ordentlich an die Kandare nehmen, denn nach den großen Ferien ist bald Schluss mit Karl-Heinz Burgey und Gemeinderat.

Der Stapel an Vorlagen, den die Gemeinderäte für den 24. Juli durcharbeiten müssen ist in der Tat beeindruckend dick. Fast protestierend hielt ihn Andrea Zipf weit in die Höhe und nutzte ihn als Steilvorlage für den schon 2016 gestellten Grünen Antrag, endlich auf papierlose Gemeinderatsarbeit umzusteigen. Das sei ein Riesenpapieraufwand, der da betrieben werde, und sei bei elektronischen Sitzungsunterlagen nicht mehr notwendig. Das sahen die Kollegen genauso und stimmten der Einführung noch 2019 gegen den erklärten Willen des Bürgermeisters zu. Er hätte die Einführung gerne aus personellen Gründen auf das Jahr 2020 verschoben.

Die gewaltigen Erdbewegungen im neuen Gewerbegebiet „Hafnersgrund“ sorgen auch im Gemeinderat für Aufsehen. Was denn dort genau durchgeführt werde, wollte die frischgebackene CDU-Fraktionsvorsitzende Jutta Belstler vom Bürgermeister wissen. Ob diese Arbeiten denn im Einklang stünden mit der erteilten Genehmigung, hakte sie nach. Eine Antwort „aus dem Handgelenk“ mochte der Bürgermeister darauf nicht geben. Er werde das mit der Rechtsbehörde und der Firma abklären, versicherte Burgey.

Amtsinhaber und Favorit in freundlichem Smalltalk

Ach, und ein bisschen Smalltalk war nach der Sitzung zwischen dem Amtsinhaber und dem Favoriten für den Wahlgang am kommenden Sonntag auch zu beobachten. Karl-Heinz Burgey und Timur Özcan schienen sich super zu verstehen. Die Gerüchtestreuer, der Bürgermeister würde den „Mannemer Bu“ favorisieren, hätten ihre wahre Freude gehabt. Doch auch zwei Kollegen des „Mannemer Bu“ waren nicht faul. Sascha Oehme und Siegfried Weber hatten die Sitzung ebenfalls verfolgt und sich unters Gemeinderatsvolk gemischt.

Sascha Oehme – Wahlkampf vor der Sitzung auf dem Rathausplatz

Sascha Oehme hatte schon vor der Sitzung auf dem Rathausplatz Stellung bezogen. In einer Wagenburg von vier Wahlplakaten (die noch für den Wahlgang am 7.7. aufriefen) saß er allerdings eher einsam die Zeit ab.

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Kommentare (1)

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    Thomas

    |

    Als Antwort auf: Gemeinderatssplitter
    Es ist doch immer wieder interessant, wie sich die „Grünen“ für papierloses Büro einsetzen aber sich dann gegen neue Bauten erheben.
    Liebe Grüne, ein papierloses Büro hat auch eine gewaltige Schattenseite. Bsp.: Täglich werden ca 3,5 Milliarden Suchanfragen über google gestellt. Dabei werden 700Tonnen Co2 freigesetzt.Ein Passagier, der in der Economy-Klasse von Zürich nach London und zurück fliegt, verursacht knapp 0,4 Tonnen.
    Im Moment werdn im Durchschnitt 4 Geräte pro Familie für Internet genutzt. Smartphone, PC, Smart-TV, Tablet etc. Wenn man sich mal darüber Gedanken machen würde, was generell das Internet an Energie benötigt, würde man feststellen, dass 900Millionen Bäume, wie in einem der unteren Kommentare beschrieben, nicht viel bringen. Erst müssten mal die Menschen auf einige Bequemlichkeiten verzichten, dann hätte man Chancen einige Dinge zu verlangsamen bzw zu ändern. Aber wer will den schon auf wenigstens 1 Gerät verzichten?
    Aber was auch interessant wird, ist der Datenschutz. Wie wird garantiert, dass Besprechungen, die digital verfasst werden auch nicht öffentlich verbreitet werden? Papier durchsucht im Regelfall keiner, weil dazu müsste man Vorort sein. Aber Digitale Geräte/Anbindungen in Cloud? Sehr fraglich, oder? Was ist, wenn ein Gerät verlustig geht? was dann? Leider wurden schon Besprechungen von Gemeinderäte (Walzbachtal war es nicht) im Internet gefunden, die sicherlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren. Leider sind sich die meisten Nutzer über die Nachteile „papierloses Büro“ und Datenschutz / Datensicherheit nicht bewußt.

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