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Gemeinderatssplitter

Kalter Gemeinderat / Kein Elphi / Bahnhof behalten
Das Thema Temperaturen in öffentlichen Hallen und Gebäuden hat deren Nutzer in den letzten beiden Monaten ziemlich beschäftigt. Jetzt hat es den Gemeinderat selbst sozusagen „kalt erwischt“. Es war kalt gestern Abend im Ratssaal. Die Heizung war den 6 Grad minus Außentemperatur nicht gewachsen. Da half es auch nicht, dass Volker Trumpf den schützenden, dicken Vorhang vor die Glastür zog. In der Scheune des Wössinger Hofes bibberten nicht nur die Besucher, sondern auch etliche Gemeinderäte und Mitglieder an der Verwaltungsbank. Winterjacken wurden wieder vom Garderoben-Haken geholt. „Ein bisschen frisch“ sei es im Ratssaal entschuldigte sich Karl-Heinz Burgey am Ende der Sitzung für die niedrige Temperatur und wies mit einem vielsagenden Lächeln darauf hin, dass „es sich nicht um Sparmaßnahmen unseres Gebäudemanagements handelt“. Der Bürgermeister zollte nach mehr als eineinhalb Stunden Frieren gleichzeitig Anerkennung, „dass sie das so lange ausgehalten haben.“

Nicht nur die Reihenfolge der Haushalts-Reden war bestimmt von der Größe der Fraktionen. Auch deren Länge hielt sich daran. Mit nicht weniger als 35 Minuten machte Michael Paul für die den CDU Vorreiter, gefolgt von der 17-minütigen Silke Meyer für die SPD und den sich schließlich schiedlich friedlich mit jeweils 10 Minuten den letzten oder dritten und vierten Platz teilenden Andrea Zipf (Grüne) und Werner Schön (FDP).

Ganz große Bögen spannten Michael Paul und Werner Schön in ihren Haushaltsreden. Während sich jedoch Werner Schön mit der Bemerkung begnügte, im 500. Jahr der Reformation könne Wössingen gleichzeitig auf 200 Jahre Grundsteinlegung der Weinbrennerkirche blicken, bemühte Katholik Michael Paul nicht nur das Reformationsjahr und gewann dem Reformator die Geisteshaltung des großen Optimismus ab, niemals aufzugeben („Wenn ich wüsste, dass morgen der jüngste Tag wäre, so würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen“.). Er hob überdies zu einem Exkurs in die Weltpolitik an mit Brexit, Populismus und AfD. Vor 30 Jahren habe er gedacht, „dass eine Gestalt wie Hitler und eine nationalsozialistische Bewegung in Deutschland keine Chance mehr haben – heute bin ich mir da nicht mehr so sicher.“

Das Thema Populismus beschäftige allerdings auch den Walzbachtaler Gemeinderat. Das „Schimpfen auf die da oben“ betreffe mittlerweile auch Bürgermeister, Gemeinderat und Verwaltung, sprach Michael Paul und fuhr so fort: „Mit der Kundgabe seiner Meinung, dass dort nur Leute ohne Ahnung am Werk seien, versucht man, seine Stammtischbrüder und –schwestern zu beeindrucken. Wenn dann alle zustimmend nicken, dann hat man sein Ziel erreicht. Wer keine Stammtischbrüder hat, der versucht es eben auf NADR. Was in der Entwicklung der letzten Jahre zunehmend auffällt: Die Zahl derjenigen, die Forderungen stellen, nimmt zu und die Zahl derer, die sich in der Gesellschaft einbringen, nimmt ab.“

So einen richtigen Treffer erhielt der Bürgermeister während der Haushaltsberatungen nicht. Höchstens ein Trefferchen. Die von der SPD beantragte Haushaltskonsolidierung sei von der Verwaltung belächelt worden, erinnerte sich Silke Meyer und setzte hinterher: „Jetzt finden wir dieses Thema in der Haushaltsrede des Bürgermeisters wieder, weshalb wir davon ausgehen, dass unser letztjähriger Vorschlag doch nicht so schlecht war.“

Werner Schön nahm sich der „Unkenrufe“ zum Neubau des Rathauses an. Denen zum Trotz „mit Fantasiezahlen von über 10 Mio. € Kosten, die uns angedichtet wurden, ist es eine Kostenerhöhung von nicht einmal 5 Prozent“, meinte der FDP-Fraktionssprecher und wählte eine exquisite Formulierung: „Einen Vergleich mit der Elbphilharmonie oder dem Berliner Flughafen oder Stuttgart 21 möchte ich nicht ziehen.“

Mit den Planungen zum Wössinger Bahnhof hat die Gemeindeverwaltung eine Pleite erlitten. Die Grünen wollen aber nicht aufgeben. In einer der nächsten Sitzungen werde ihre Fraktion den Antrag stellen, so kündigte Andrea Zipf an, den Wössinger Bahnhof nicht zu verkaufen. Mit dem Verkauf verliere die Gemeinde die Kontrolle über eine zukünftige Nutzung. Damit könnte man vermeiden, dass der Bahnhof das Erscheinungsbild von Walzbachtal negativ beeinflusst.

Den Schuldigen für die Pleite hatte Michael Paul ausgemacht. „Der Bahnhof Wössingen könnte längst zu einem Wohn- und Geschäftsgebäude umgebaut werden, wenn das Denkmalamt nicht wäre“, preschte er los und setzte dieses oben drauf: „Hier wird kein Denkmalschutz betrieben – hier wird der Denkmalschutz übertrieben mit dem Ergebnis, dass dann überhaupt nichts passiert. Das ist kontraproduktives Verwaltungshandeln in Reinform. Weil das Amt nicht kompromissbereit ist, wird eine wirtschaftlich vertretbare Sanierung verhindert. So werden keine Gebäude erhalten, sondern planmäßig zerstört.“

Gleich zwei Mal fungiert jetzt schon die Jöhlinger „Arche“ als Mutter neuer Kindertagesstätten. Nach dem „Regenbogen“ – schon lange im eigenen Neubau flügge – wird bald erneut in den gleichen Räumen in der alten Jöhlinger Schule eine zweigruppige „Abspaltung“ von der Arche ihre Arbeit aufnehmen. Leiterin: Silke Stephan, und woher kommt sie? Selbstverständlich aus der „Arche“.

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