Gemeinderatssplitter

Özcan mit überraschendem Sprung / 1109 machen Gegenwind / Kreisel kommt später

Wird das nun der große Sprung nach vorn? Bürgermeister Timur Özcan hatte bei der Einbringung des Haushalts mehrere Überraschungen parat. Zunächst mal hatte er Etikette parat, die schon seinen Wahlkampf bestimmt hatten. Das Versprechen der Beteiligung etwa. Er werde nach dem Slogan „anhören, zuhören“ handeln und gemeinsam mit der Bürgerschaft einen neuen politischen Stil entwickeln.  „Wir wollen innovativ sein, digital und agil“, sagte der  Bürgermeister. Beteiligung sei der Begriff, „der uns begleiten wird“.

Auch ein neues Leitbild wolle er zusammen mit dem Gemeinderat für die Gemeinde entwickeln.

Überraschend war, dass diese Beteiligung in Zukunft zwar auch aber nicht mehr nur über die traditionellen Kanäle Mitteilungsblatt oder Presse transportiert werden soll. Einen Social Media Kanal will der jetzt stark ein Jahr die Gemeindegeschicke leitende Bürgermeister aus der Taufe heben. Social Media biete eben die Grundlage für innovative Teilhabe. „Damit können wir Personen erreichen, die wir bisher nicht erreicht haben“, meinte Özcan. Seine bisherigen Erfahrungen in diesem Bereich sein äußerst positiv. Es gebe eine starke Nachfrage.

Dann war da noch die überraschende Ankündigung, Umweltschutz und Natur werde einen Schwerpunkt seiner Arbeit bilden. Da wird sich die Grüne Fraktion mächtig gefreut haben und noch mehr darüber, dass künftig eine Stabstelle Umweltschutz im Rathaus eingerichtet werden soll.

Ganz über die aktuellen finanziellen Schwierigkeiten konnten diese Überraschungen aber nicht hinwegtäuschen. „Vor uns liegen harte Zeiten“, kommentierte Özcan einen Haushalt, der mit einem Minus von über drei Millionen abschließen und eine bisher ungeahnte Pro-Kopf-Verschuldung von 2020 Euro bringen wird.

Eine kleinen Fehler musste Kämmerer Uwe Ribstein einräumen. Für einen Paragraphenpatzer musste nach Abstimmung mit der Kommunalaufsicht über die Abwassersatzung noch einmal abgestimmt werden.

Unvermeidlich war auch wieder der Auftritt der Gegner der Windkraftanlage auf dem Heuberg. Während der Fragestunde überreichte Maryvonne Cantinelli eine Unterschriftenliste, in der sich insgesamt 1109 Personen gegen die WKA wenden. Interessant ist die Verteilung zwischen den einzelnen Ortsteilen. Sie beweist: Der Löwenanteil des Widerstands findet in Jöhlingen statt, dort wo die Betroffenheit als am höchsten eingeschätzt wird. 654 Jöhlinger Bürger haben die Petition unterschrieben, dagegen nur 60 Wössinger. Auch die Weingartener steuern nur  261 Unterschriften bei, ergänzt von 122 Personen aus anderen Gemeinden.

Die Vertreterin der Bürgerinitiative Gegenwind übergibt eine Unterschriftenliste gegen die Windkraftanlage auf dem Heuberg an Hauptamtsleiterin Julia Walter.

Eine andere Überraschung, dass der Bürgermeister nicht selbst die Unterschriften in Empfang nahm, sondern Hauptamtsleiterin Julia Walter zur Übergabe in die Zuschauerreihen schickte. Maryvonne Cantinelli verlieh dabei ihrer Hoffnung Ausdruck, dass sich Timur Özcan „mit aller Kraft auch gegen dieses entsetzliche Projekt engagieren und die Einwohner Ihrer Gemeinde schützen“ werde. Wenn der Bürgermeister frage, was den Einwohnern wichtig sei, dann stehe für sie ganz weit vorne die Forderung: „keine Windräder so nah am Wohngebiet“!

Das Klagen über die in weiten Teilen nicht funktionierende Internetverbindungen von Vodafon schlug erneut im Gemeinderat auf. In der Fragestunde der Gemeinderäte wies Silke Meyer erneut darauf hin, dass sich nichts geändert habe seit ihrer ersten Beschwerde. Timur Özcan konnte ihr nur beipflichten. Die Gemeinde habe sich schon mehrfach ebenso erfolglos an den Provider gewandt wie dessen Kunden. In Zeiten, in denen digitales Funktionieren nicht nur der Unterhaltung, sondern auch der Arbeit dient, besonders unverständlich.

Lange hat man auf die Realisierung des Wunsches gewartet, in der Wössinger Straße am Falltor einen Kreisel einzurichten. Die Wössinger werden damit noch mehr Geduld an den Tag legen müssen. Wenn man alle möglichen Zuschussgelder abgreifen wolle, müsse man das Vorhaben um mindestens ein Jahr verschieben, bedauerte Timur Özcan.

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Kommentare (7)

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    Zuhörer

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    Als Antwort auf: Gemeinderatssplitter
    Ein Abschnitt im Artikel ist mal wieder so persönlich eingefärbt wie ein Osterei. Ist das neutraler Journalismus? Einfach mal die kleinen Spitzen weglassen. Kommentare und Meinungen gehören in diese Spalte. In den anderen Abschnitten klappt es ja auch. Danke.

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      Waidelich Arnd

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      Die Gemeinderatssplitter sind eine besondere NadR-Rubrik. Schon der Name „Gemeinderatssplitter“ signalisiert, dass es sich dabei um etwas Anderes als die normalen Artikel handelt. Hier benutze ich schon mal eine frechere Formulierung, die ich in der normalen Berichterstattung nicht benutzen würde. Ich hoffte, dass jeder regelmäßige Leser das mittlerweile bemerkt hat. Ich glaube, dass gerade diese lockere Schreibe die Gemeinderatssplitter zur beliebtesten und wie meine Statistiken sagen meistgelesenen Rubrik machen. Deshalb wird sicherlich noch das eine oder andere Osterei folgen.

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    Ulli Hoffner

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    Sehr geehrter Her Waidelich,

    ich würde mir bei allem Respekt vor Ihrer journalistischen Arbeit wünschen, dass Sie in Ihrer Berichterstattung bezüglich der Windkraftanlagen die gebotene Neutralität walten lassen. Tendenziöse Formulierungen wie „Unvermeidlich war auch wieder der Auftritt der Gegner der Windkraftanlage“ halte ich weder für professionell noch zielführend.

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      Waidelich Arnd

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      Lieber Herr Hoffner,
      zuerst einmal würde ich auf den letzten Kommentar und meine Antwort darauf verweisen. Inhaltlich zu Ihrem Kommentar nur eine Bemerkung: Vertreter der Bürgerinitiative gegen die Windkraftanlage haben durchweg die Fragestunden der letzten Gemeinderatssitzungen dominiert. Das wurde selbst von Gemeinderäten, die eine ähnliche Position wie sie vertreten, als kontraproduktiv empfunden.

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        Maryvonne Cantinelli

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        Lieber Arnd,
        danke für den Bericht. Ich möchte dazu hinweisen, dass der Ordner am Montag übergeben wurde, weil Herr Bürgermeister Özcan sich bei der letzten Gemeinderatsitzung gewünscht hatte, die Gegenwind-Unterschriftlisten zu sehen. Durch die Seiten-Menge ließ sich das digital schlecht machen und in diesen Corona Zeiten sind die Gelegenheit sich persönlich zu treffen extrem begrenzt. Wenn wir die Listen nicht übergeben hätten, wären wir dem Wunsch des Bürgermeisters nicht gerecht geworden.

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    Friedemann Krauß

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    Als Antwort auf: Gemeinderatssplitter
    Thema Vodafone. Vielleicht macht es mehr Sinn, wenn sich die Gemeindeverwaltung wegen der derzeit miserablen Internetprerformance von Vodafone im Walzbachtal an die Bundesnetzagentur wendet. Möglicherweise hat das etwas mehr Gewicht, als wenn ich das als Privatmann mache. Ich hatte eine 100 Mbit/sec Leitung. Anfang Januar ging nichts mehr. Da ich beruflich im Homeoffice bin, habe ich meinen Vertrag mit Vodafone geändert. Jetzt habe ich eine 500 Mbit Leitung. Und über Nacht tickte das Internet auf einmal wieder. Also kein technisches Problem. Ich habe den Eindruck das Vodafone die alten Verträge loswerden möchte. Um dieses Ziel zu erreichen wird mal schnell der Durchsatz reduziert.

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    Nachbar

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    Ihr könnt euch doch nicht bei Arnd über seinen persönlichen Blog beschweren. Da kann er schreiben was er will. Dafür ist es ein Blog und keine Regionalzeitung. Wem das nicht passt, die/der soll Regionalzeitung lesen, oder nen eigenen Blog schreiben. Den darf dann jeder färben, wie er/sie will.

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